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Mehrkampfturnen bei Olympia : Auf Simone Biles folgt Sunisa Lee

  • -Aktualisiert am

Formt ein Herz für die Zuschauerinnen und ihre Teamkollegen: Sunisa Lee in Tokio Bild: Reuters

Die US-Amerikanerin Sunisa Lee ist die neue Olympiasiegerin im Mehrkampfturnen. Das Leben der 18-Jährigen ist von Schicksalsschlägen geprägt, mehrere enge Angehörige starben an Covid-19.

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          Es war spannend bis zur letzten Übung: Neue Mehrkampf-Olympiasiegerin im Turnen ist zum fünften Mal in Folge eine US-Amerikanerin, und sie heißt Sunisa Lee. Das ist nur insofern eine Überraschung, als die Welt davon ausging, es würde die Olympiasiegerin von 2016, Teamkollegin Simone Biles, sein, die den Wettkampf aber von der Tribüne aus verfolgte. Wie Lee gehörten auch Rebeca Andrade aus Brasilien als Zweite und Angelina Melnikowa aus Russland als Dritte zum Kreis der Favoritinnen.

          Und der war in diesem Finale wahrlich groß: Rund zehn Turnerinnen kamen für eine Medaille in Frage. Nicht zuletzt deshalb entwickelte sich der Wettbewerb in den vier Durchgängen, in denen jeweils sechs Turnerinnen zur gleichen Zeit an den Geräten agieren, zu einer Art Ausscheidungsturnen: Wer ohne Sturz oder groben Fehler durchkam, blieb im Rennen.

          Im ersten Durchgang, in dem die sechs Besten der Qualifikation am Sprung starteten, blieben alle makellos. Den Unterschied machte allein der Schwierigkeitsgrad. Rebeca Andrade ging mit einem sogenannten Cheng, der 6,0 Punkte wert ist, in Führung vor Jade Carey, jener US-Turnerin, die für Biles in den Wettkampf nachgerückt war und den gleichen Sprung zeigte. Die Schwierigkeit der Konkurrentinnen lag bei 5,4 – sechs Zehntel, die durch keine noch so gute Ausführung aufzuholen sind. In diesem ersten Durchgang schied die Chinesin Lu Yufei nach einem Sturz am Barren aus dem Rennen aus.

          Im zweiten Durchgang traf es Teamkollegin Tang Xijing, die vom Balken fiel. Ebenso wie die junge Britin Jessica Gadirova, die – auch ein Novum – gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Jennifer im Finale stand. Die Gruppe der Top Sechs leistete sich keinen Fehler. Sunisa Lee ging hauchdünn in Führung.

          Schon einmal besser als Biles

          Lee hatte bereits im Juni bei den internen Ausscheidungskämpfen in den USA Biles im Vierkampf bezwungen. Ihr Leben ist von Schicksalsschlägen geprägt: Nachdem 2019 kurz vor ihrer ersten WM ihr Vater nach einem Sturz von der Gartenleiter halsabwärts gelähmt blieb, hat die 18-Jährige in diesem Jahr mehrere enge Angehörige verloren, die an COVID-19 gestorben sind. Sie ist die erste US-Olympiastarterin der Hmong-Community, einer indigenen, aus Ost- und Südostasien stammenden ethnischen Gruppe.

          Im dritten Durchgang schied ihre Teamkollegin Jade Carey aus dem Rennen. Ansonsten gab sich keine der Topturnerinnen die Blöße. Andrade und Melnikowa, die einzigen beiden, die bereits olympische Erfahrung aus Rio 2016 mitbrachten, platzierten sich knapp dahinter. Im Zwischenstand rangierte die älteste Turnerin des Feldes, die 32-jährige Kim Bui aus Stuttgart, kurzfristig auf Rang acht. Bei ihren dritten Olympischen Spielen stand sie zum ersten Mal im Mehrkampffinale und dürfte mit einem fehlerfreien Wettkampf und dem 17. Rang in der Endabrechnung zufrieden sein.

          Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass es in diesem Finale tatsächlich am letzten Gerät zum Showdown der Besten kommen würde. Die Startreihenfolge ist so gesetzt, dass die beste Turnerin der Qualifikation die letzte des Wettkampfs ist. Somit hatte Rebeca Andrade es in der Hand. Allein: Ihre Füße verließen zwei Mal die Umrandung der Bodenfläche. Der entsprechende Abzug kostete sie zwar die Goldmedaille, aber die 22-Jährige, die sich nach drei Kreuzbandrissen im gleichen Knie als Einzelstarterin für diese Spiele qualifiziert hatte, wirkte keineswegs traurig über Silber. Eher unbemerkt von alldem hat sich Elisabeth Seitz mit ihrem letzten Gerät, dem Barren, an dem sie am Sonntag mit Hoffnungen auf eine Medaille im Finale steht, auf einen bemerkenswerten neunten Rang vorgeschoben.

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