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Nicht mehr im Hotelzimmer : Olympia-Teilnehmer aus Uganda wird in Japan vermisst

Mit großer Präsenz bei den Olympischen Spielen: Sicherheitskräfte in Japan Bild: Reuters

IOC-Präsident Bach wirbt für Frieden und Zuschauer, doch die Corona-Zahlen lassen die Unsicherheit steigen. Ein Sportler der Olympia-Mannschaft aus Uganda wird derweil von der japanischen Polizei gesucht.

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          Eine Woche vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Tokio hat der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, in einer Schweigeminute in Hiroshima der Opfer des Krieges gedacht. Doch was als Geste des olympischen Friedens gemeint war, wurde überschattet von Protesten gegen das Sportfest und Unsicherheit über die Corona-Schutzmaßnahmen.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          „Ich zolle meinen Respekt Hiroshima als Stadt des Friedens und allen Menschen von Hiroshima“, sagte Bach im Friedenspark der Stadt, der den Opfern des amerikanischen Atombombenabwurfs im Jahr 1945 gewidmet ist. „Ohne Solidarität gibt es keinen Frieden“, beschwor Bach den Friedensauftrag der olympischen Bewegung. Er hoffe, dass die Olympischen Spiele in Tokio zu einem „Leuchtturm der Hoffnung für eine bessere und friedlichere Zukunft“ würden. Parallel war der Chef der Koordinierungskommission des IOC, John Coates, in die Stadt Nagasaki gereist, die wenige Tage nach Hiroshima auch einer amerikanischen Atombombe zum Opfer gefallen war.

          Bachs Besuch in Hiroshima stieß auf Protest von Bürgergruppen, die eine Politisierung des Gedenkens befürchteten. 70 000 Menschen hatten eine Online-Petition gegen die Visite unterzeichnet. Sie argumentieren, dass die Spiele in der Pandemie die Gesundheit und das Leben der Menschen missachteten und damit eben kein Fest des Friedens seien.

          Die Stimmung in Japan vor den Spielen, die am 23. Juli beginnen, ist in großen Teilen der Bevölkerung schlecht. In der Hauptstadt Tokio wurden am Freitag 1271 Neuinfektionen gezählt. Den dritten Tag nacheinander lagen die Infektionen damit bei mehr als 1000 und liegen höher als auf dem Höhepunkt der vierten Viruswelle im Mai.

          Die Sieben-Tage-Inzidenz erreichte rund 47. Während diese Entwicklung durch inländische Infektionen getrieben wird, wächst die Unsicherheit in der japanischen Bevölkerung über die Vorsichtsregeln, mit denen die Organisatoren der Spiele die Bevölkerung vor eingeschleppten Viren schützen wollen. In einer aktuellen Umfrage der Nachrichtenagentur Jiji befanden zwei Drittel der Befragten, die Schutzmaßnahmen seien nicht ausreichend.

          Sugas Augenmerk gilt der Zeit nach den Spielen

          In Izumisano in der Präfektur Osaka wurde ein 20 Jahre alter Gewichtheber aus Uganda aus dem Trainingscamp am Freitag als vermisst gemeldet. Zuvor waren schon kurz nach der Einreise zwei Mitglieder der ugandischen Delegation trotz vorheriger Schutzimpfung als mit dem Virus infiziert entdeckt worden. Schon zuvor waren am Flughafen Narita zwei Mitglieder einer olympischen Delegation hektisch gesucht worden.

          Sie warteten versehentlich auf eine Virusprüfung in einer Schlange für japanische Fluggäste. Dabei werden die anreisenden Delegationen von Führern in Empfang genommen und durch die Einreiseformalitäten geleitet. In japanischen Medien werden solche Vorfälle als Beleg dafür genommen, dass die Blase, die die Veranstalter über die Spiele legen wollten, schon geplatzt sei.

          Aus der japanischen Regierung verlautet derweil, dass Bach Ministerpräsident Yoshihide Suga gebeten habe, doch noch Zuschauer zu den Spielen zuzulassen, falls die Viruslage das erlaube. Suga soll sich dazu zurückhaltend geäußert haben. Die Organisatoren der Spiele hatten mit dem IOC und der Regierung eine solche Prüfung gegebenenfalls vereinbart. Doch Sugas Augenmerk richtet sich schon auf die Zeit nach den Olympischen Spielen. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Kyodo äußerte er die Hoffnung, dass man für die am 24. August beginnenden Paralympischen Spiele wenigstens einige Zuschauer zulassen könne.

          Während die Debatte um die Zuschauer bei den Spielen andauert, sind bei professionellen Sportereignissen in Japan wie dem derzeitigen Sumo-Turnier in Nagano regelmäßig Zuschauer in begrenzter Zahl erlaubt. Organisatoren und Mediziner in Japan verweisen dabei auf den Unterschied zwischen singulären Sportereignissen wie einem Baseballspiel und einem internationalen Großereignis, zu dem rund 50 000 Sportler und Funktionäre erwartet werden.

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