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Olympische Sprinter im Fokus : „Taschenrakete“ und „Comeback-König“

Shelly-Ann Fraser-Pryce aus Jamaika, genannt „Pocket Rocket“ Bild: AFP

Kein Bolt, kein Gatlin, kein Coleman: In den Sprint-Rennen von Tokio fehlen nicht nur bei den Männern etliche prominente Namen. Das wollen andere mit schnellen Läufen für sich nutzen.

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          Sprinterinnen und Sprinter werden in Tokio sehr schnell laufen müssen, um die Abwesenden vergessen zu machen. Im Endlauf der Männer über 100 Meter, der an diesem Sonntag (14:50 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zu Olympia, im ZDF und bei Eurosport) ausgetragen wird, 24 Stunden nach dem Rennen der Frauen, fehlen große Namen. 

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Usain Bolt, der in Peking 2008, London 2012 und Rio 2016 Olympiasieger über 100 und 200 Meter wurde und von seinen drei Erfolgen mit der Staffel noch über zwei Goldmedaillen verfügt etwa. Er hat Erinnerungen an einen charmanten, tanzenden Superstar der Leichtathletik hinterlassen, seine Weltrekorde und den Eindruck, dass weit und breit niemand in seine Fußspuren passt. Die Weltmeister von London 2017, Justin Gatlin, und von Doha 2019, Christian Coleman, fehlen; der 39 Jahre alte Gatlin, bei seinem Titelgewinn vom Publikum als Doper ausgebuht, humpelte bei den amerikanischen Trials verletzt auf Platz acht, Coleman ist gesperrt, weil er bei ein paar Doping-Kontrollen zu viel nicht anzutreffen war.

          Überzeugendes Comeback

          Der flamboyante Noah Lyles scheiterte beim Versuch, neben den 200 Meter auch die 100 zu meistern. Favorit ist Trayvon Bromell, Sieger der Trials. Für ihn stehen 9,77 Sekunden zu Buche, eine Bestzeit, die in der Geschichte des Sprints nur sechs Läufer je unterboten. Nur einer von ihnen, der inzwischen 31 Jahre alte Jamaikaner Yohan Blake, ist noch im Rennen. Seine Bestzeit von 9,69 Sekunden stammt von 2012, und in den neun Jahren seitdem ist es ihm nicht mehr gelungen, 9,90 zu unterbieten.

          Bromell kann von Glück reden, dass nicht auch er zu den Abwesenden gehört. Bei den Spielen von Rio erreichte er, mit damals 21 Jahren, den Endlauf und wurde Letzter. Als Schlussläufer der amerikanischen Staffel warf er sich als Dritter ins Ziel – vergebens, weil das Team wegen eines Wechselfehlers disqualifiziert wurde – und stand nicht mehr auf. Er hatte sich die Achillessehne gerissen und wurde im Rollstuhl von der Bahn geschoben. Zwei Operationen, drei Jahre und einen Trainerwechsel später erst war er wieder ein konkurrenzfähiger Sprinter.

          Überzeugendes Comeback: Trayvon Bromell geht über die 100 Meter an den Start.
          Überzeugendes Comeback: Trayvon Bromell geht über die 100 Meter an den Start. : Bild: AFP

          Coach Rana Rider und Bromell nutzten die Saison 2020 und die Verschiebung der Olympischen Spiele für ein überzeugendes Comeback, in dem der Sprinter gleich mehrmals die zehn Sekunden unterbot. Vielleicht sagt dies etwas über die Perspektive des 26-Jährigen aus, der von einer alleinerziehenden Mutter im armen Süden von St. Petersburg in Florida aufgezogen wurde und der seine Dominanz auch bei den Weltmeisterschaften von Eugene (Oregon) 2022 und Budapest 2023 sowie Olympia 2024 in Paris zeigen soll: Ricky Simms, der Manager von Usain Bolt, hat ihn unter Vertrag.

          Fürs Kiffen gesperrt

          Bei den Frauen gibt es, zusätzlich zu der Niederländerin Daphne Schippers, die sich auf die 200 Meter beschränkt, über die sie in Peking 2015 und in London 2017 Weltmeisterin wurde, eine große Abwesende: Sha’Carri Richardson. Die Amerikanerin hat in diesem Jahr fünf Mal elf Sekunden unterboten und ist mit 10,72 Sekunden immerhin die Drittschnellste der Saison. Doch die 21-Jährige wurde, nachdem sie bei den Trials gesiegt hatte, positiv getestet – nicht auf Covid und nicht auf ein Doping-Mittel, sondern auf Marihuana.

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