https://www.faz.net/-gtl-ae2wt

Skateboard-Debüt bei Olympia : Spektakulär zum Street-Sieg

  • Aktualisiert am

Dancing in the Street: Yuto Horigome gewinnt im Ariake Urban Park Bild: Reuters

Lauter Punkrock, coole Käppis und tief sitzende Hosen: Skateboarder geben ihre Premiere bei Olympia. Der 22 Jahre alte Japaner Yuto Horigome setzt sich in seiner Geburtsstadt Tokio im Street-Finale durch.

          2 Min.

          Aus den Lautsprechern erklang Punkrock und Independent, mit coolen Käppis und teils sehr tief sitzenden Hosen sprangen und tricksten sich die Skateboarder über Treppen, Hindernisse und Geländer. Was rund um die Anlage im Ariake Sports Park bei heftiger Hitze geboten wurde, wirkte auf olympische Traditionalisten sicher befremdlich auf die junge Zielgruppe dagegen verheißungsvoll.

          Dass am Ende auch noch ein Japaner in seiner Geburtsstadt Tokio Gold bei der Olympia-Premiere in der Trendsportart gewann, veredelte den spektakulären und stimmungsvollen Sonntag. So cool sich der 22 Jahre alte Yuto Horigome bei seinen Sprüngen und Tricks zeigte, so gefasst oder gar nervös wirkte er bei den ersten Siegerinterviews. „Ich bin so happy, dass mir das gerade hier gelungen ist. Das Haus meiner Eltern ist 20 Minuten entfernt“, sagte Horigome, der seit 2016 in Los Angeles lebt, nach sekundenlangem Zögern.

          Direkt nach seinem Coup legte er sich eine japanische Flagge um die Schultern, bei der Siegerehrung hielt er stolz die goldene Plakette vor die Brust. Solche Bilder kennt man von Olympia zuhauf andere indes waren neu: Einige der Athleten hatten kabellose Kopfhörer in den Ohren, fast alle trugen Stirnbänder oder Basecaps, letztere bevorzugt mit dem Schirm nach hinten. Eine Kleiderordnung ist beim Skateboard nicht vorgesehen. Kurze Shorts, weite Shorts, lange Hosen, bunte Muskelshirts, aber auch beim französischen Starter Vincent Milou ein frisch gestärktes und gebügeltes weißes Oberhemd mit geschlossenem oberen Knopf (fast) alles ist bei der Trendsportart erlaubt.

          Besser als all seine Konkurrenten war Horigome durch den Parcours gefahren, der für die Spiele in Tokio erstmals in einer Olympiastadt aufgebaut war. Die Deutschen Tyler Edtmayer und die 14 Jahre alte Lilly Stoephasius treten in der anderen Skateboard-Disziplin Park erst am 4. August (Frauen) und 5. August (Männer) an. Nach zwei Läufen à 45 Sekunden und Tricks an Treppenstufen, auf Geländern, Betonbänken oder Rampen setzte sich Horigome im Finale vor dem Brasilianer Kelvin Hoefler (Silber) und Jagger Eaton aus den USA (Bronze) durch. Der Top-Star der Branche, der Amerikaner Nyjah Huston, wurde nur Siebter.

          „Ich will die Medaille jedem zeigen, der mich und meine Familie unterstützt hat“, sagte der junge Mann, der in langer schwarzer Trainingshose und weißem T-Shirt fuhr. Die Macher des Internationalen Olympischen Komitees erhoffen sich von den neuen Disziplinen wie Skateboarden, Surfen oder Klettern actionreiche Bilder und dass ihre oftmals jugendlichen oder zumindest so wirkenden Vertreter noch mehr junge Menschen für Olympia begeistern.

          Nicht jede Aktion konnte gelingen: der Amerikaner Eaton Jagger knallt auf den Betonboden
          Nicht jede Aktion konnte gelingen: der Amerikaner Eaton Jagger knallt auf den Betonboden : Bild: dpa

          Im Surfen schied der einzige deutsche Starter Leon Glatzer am Sonntag aus und verpasste das Finale, über Skateboard sagte IOC-Sportdirektor Kit McConnell: „Das ist ein sehr wichtiger Teil für die Weiterentwicklung der Spiele. Unser Ziel ist es, den Sport zu den Menschen zu bringen, nicht nur die Menschen zum Sport.“ „Skateboard bei Olympia ist einfach etwas anderes, es ist im Fernsehen zu sehen, ein großartiges Event“, schwärmte Horigome. Und Kritiker, die um das rebellisch-freiheitsliebende Image ihres Sports fürchten, beruhigte er auch noch. „Skateboarden ist nicht nur Olympia oder Wettbewerb“, sagte er. „Ich skate auch weiter auf der Straße.“

          Weitere Themen

          Von der Loipe in den Bundestag

          Ullrich gegen Maassen : Von der Loipe in den Bundestag

          Der Biathlon-Olympiasieger von 1980 kämpft in Südthüringen für die SPD gegen Hans-Georg Maaßen um ein Direktmandat – und für einen größeren Stellenwert des Sports im Allgemeinen.

          Topmeldungen

          Verpuffte Reform : Wie groß wird der neue Bundestag?

          Der Bundestag hat eigentlich 598 Sitze, doch derzeit sitzen dort 709 Abgeordnete – und nach der Wahl könnten es noch viel mehr sein. Wir erklären Schritt für Schritt, wie das kommt und was bisher dagegen unternommen wurde.

          Haitianer-Camp aufgelöst : Biden gibt nicht nach

          Der amerikanische Präsident Joe Biden schiebt Tausende Migranten nach Haiti ab, wo nach wie vor Chaos herrscht. Das Camp in Del Rio wurde aufgelöst.
          Der Berufsalltag erfordert oft kreative Idee, doch es ist nicht immer leicht, die eigenen Kreativität zu finden.

          Die Karrierefrage : Wie werde ich kreativer?

          Immer mehr Menschen wollen einen kreativen Beruf verfolgen. Doch auch im sonstigen Berufsalltag sind frische Ideen gefragt, auch wenn es nicht jedem leicht fällt, diese zu finden. Aber es gibt Methoden, um Kreativität zu lernen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.