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Nach „Times“-Bericht : Japan dementiert Absage der Olympischen Spiele

Werden die Olympischen Spiele in Tokio stattfinden? Für Japan eine klare Angelegenheit. Bild: EPA

Mit einem seltenen klaren Dementi wendet die japanische Regierung sich gegen einen Bericht, sie stelle sich intern schon auf eine Absage der Sommerspiele 2021 ein. Doch das Dementi lässt alle Optionen offen.

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          In sechs Monaten sollen in Japans Hauptstadt Tokio die Olympischen Spiele beginnen, die im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie verschoben wurden. Seit Wochen schon geistern Stimmen und Forderungen pro und contra durch die Medien, von Sportlern, Sportfunktionären und anderen Fachleuten. Die japanische Regierung aber bewegt sich offiziell nicht und hält daran fest, dass die Spiele am 23. Juli beginnen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Ein britischer Zeitungsbericht stellt nun erstmals die Entschlossenheit der Regierung in Frage. Die Zeitung „Times“ zitierte ein nicht namentlich genanntes hochrangiges Mitglied der Regierungskoalition, dass man intern die Spiele für zum Scheitern verurteilt ansehe. Es gehe jetzt nur noch um eine gesichtswahrende Absage und die Chance, die Spiele für Tokio zum nächstmöglichen Termin 2032 zu sichern. Persönlich glaube er nicht, dass die Spiele stattfinden werden, wurde der ungenannte Politiker zitiert. Der Bericht rief eine ungewöhnlich scharfe Reaktion der Regierung in Tokio hervor, die Bände spricht und alle Optionen offen hält.

          „Müssen Lage im Ausland berücksichtigen“

          In einem seltenen Dementi wies ein Regierungssprecher den Bericht am Freitag vor Journalisten vollumfänglich zurück. Dann aber fügte er nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo hinzu: „Natürlich müssen wir die Lage im Ausland berücksichtigen. An einem Zeitpunkt werden wir entscheiden, ob wir die Spiele wirklich abhalten. Bis dahin aber wird die japanische Regierung tun, was zu tun ist.“ Im Klartext bedeutet das Dementi, dass auch die Regierung eine mögliche Absage der Spiele wegen der Corona-Pandemie nicht ausschließt. Das deckt sich mit der jüngsten Aussage von Reformminister Taro Kono.

          Eine Fülle von Stimmen in und außerhalb Japans bekräftigen an diesem Freitag den Willen zu den Olympischen Spielen. Ministerpräsident Yoshihide Suga sagte im Parlament, Japan sei entschlossen, die Spiele abzuhalten. Er arbeite eng mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dem nationalen Vorbereitungskomitee zusammen, um sicherzustellen, dass die Spiele stattfinden könnten.

          IOC-Vizepräsident John Coates, der zugleich dem Tokio-Koordinierungsausschuss vorsitzt, sagte in australischen Medien: „Es hat keine Diskussion über eine Absage gegeben.“ Am Ende müssten Politiker die Gefühle in ihrer Partei und im allgemeinen Publikum berücksichtigen, wurde Coates zitiert. „Das ist aber nicht die Botschaft, die wir von Ministerpräsident Yoshihide Suga oder dem Präsidenten des Organisationskomitees, Yoshiro Mori, bekommen“, sagte Coates. Er beschrieb einen aktuellen Dialog mit Mori dergestalt, dass man in Tokio als Szenario für den schlimmsten Fall über Beschränkungen etwa der Zuschauerzahl, nicht aber über eine Absage nachdenke.

          IOC-Präsident Thomas Bach hatte schon am Donnerstag in einem Interview mit Kyodo bekräftigt, es gebe keinen Plan B. „Wir haben zu diesem Zeitpunkt gar keinen Grund zu glauben, dass die Olympischen Spiele in Tokio nicht am 23. Juli im Olympischen Stadium in Tokio eröffnet werden“, sagte Bach. Am Freitag veröffentlichte das IOC auch noch ein offizielles Statement, dass die aktuelle Haltung bekräftigt. Zu Gerüchten einer Absage hieß es: „Das ist absolut unwahr.“

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