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Leichtathletik bei Olympia : Italienisches Wunder wirft Fragen auf

Goldstaffel in Azurblau: Seit wann haben die Italiener so schnelle Sprinter? Bild: AP

Wie ein Sieg im Elfmeterschießen: Die italienischen Sprinter werden völlig unerwartet Staffel-Olympiasieger vor England. Und das ist nicht der einzige Erfolg, der erstaunt.

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          „Ein Wunder, das kann man nicht erklären. Man muss sich einfach freuen“, behauptete Filippo Tortu, Schlussläufer der italienischen Sprint-Staffel nach dem überraschenden Olympiasieg. „Wir hatten England schon im Elfmeterschießen im Endspiel der Euro geschlagen. Und nun besiegen wir sie mit einem Hundertstel. Das ist wirklich nicht ihr Jahr. Sondern unseres.“

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Fünf Medaillen, fünfmal Gold – man hört es: Die italienischen Leichtathleten sind, nach den amerikanischen (7 Gold-/12 Silber-/7 Bronzemedaillen), die erfolgreichsten der Olympischen Spiele von Tokio. Kein Ergebnis war so spektakulär wie der Doppelschlag im Sprint: Erst gewinnt der Römer Marcell Jacobs aus heiterem Himmel mit Europarekord die Goldmedaille über hundert Meter, dann lässt er, gemeinsam mit Tortu, Lorenzo Patta und Eseosa Desalu in 37,50 Sekunden den nächsten Coup folgen.

          Zusammen mit den Erfolgen von Gianmarco Tamberi im Hochsprung, der Geherin Antonella Palmisano und dem Geher Massimo Stano ergibt dies ein Resultat, das den Vergleich mit dem Fußball nicht scheuen muss.

          Die Siege lösen Staunen aus. Annett Stein, Chefbundestrainerin des deutschen Verbandes, sah Tamberi auf einem Niveau mit Europameister Mateusz Przybylko aus Leverkusen. In dem Umstand, dass er nach langer Verletzung und Corona-Erkrankung nun einen Höhenflug hat, sieht sie auch Fragezeichen. „Sehr auffällig sind auch die Sprinter“, sagt sie: „Zur Bewertung müssen wir uns erst mal zurückziehen. Wir sind sehr beeindruckt.“

          Goldener Doppelschlag: Hochspringer Gianmarco Tamber (r.) und Sprinter Lamont Marcell Jacobs liegen sich in den Armen
          Goldener Doppelschlag: Hochspringer Gianmarco Tamber (r.) und Sprinter Lamont Marcell Jacobs liegen sich in den Armen : Bild: AP

          Die Times berichtet unterdessen von der Verbindung Jacobs’ mit einem Bodybuilder namens Giacomo Spazzini, der sich im Internet damit brüstet, durch Ernährungsberatung und Mental-Coaching für die Leistungsentwicklung des Sprinters gesorgt zu haben.

          Gegen Spazzini ermittelte seit 2019 wegen verschiedener Delikte die Polizei, unter anderem wegen der Lieferung von Dopingmitteln sowie des illegalen Umgang mit Steroiden und Wachstumshormonen. Die Staatsanwaltschaft habe noch nicht entschieden, ob sie Anklage erhebe. Der Agent von Jacobs, Marcello Magnani, teilte auf Anfrage mit, Jacobs habe seine professionelle Verbindung mit Spazzini im März 2021 beendet.

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