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Olympia-Feier in Tokio : Die Spiele der Athleten sind eröffnet

Naomi Osaka entzündete das olympische Feuer im Stadion in Tokio. Bild: AFP

Japans Kaiser Naruhito eröffnet nach einer schlichten Feier vor leeren Tribünen das umstrittene Sportfest. Das olympische Feuer entzündet als letzte Fackelläuferin die Tennisspielerin Naomi Osaka.

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          Nach 57 Jahren beherbergt Japan in der Hauptstadt Tokio wieder Olympische Spiele. In einer zurückhaltenden und schlichten Feier in einem Stadion weitgehend ohne Zuschauer wurden die Spiele am Freitagabend eingeleitet. Kaiser Naruhito erklärte die Spiele in nüchternen Worten für eröffnet. Ihm wird Besorgnis nachgesagt, weil die Spiele mitten in der Corona-Pandemie abgehalten werden. Um Ansteckungsrisiken zu vermeiden, hatten die Veranstalter Zuschauer von fast allen Wettkämpfen der Spiele ausgeschlossen. Das olympische Feuer entzündete als letzte Fackelläuferin die Tennisspielerin Naomi Osaka, eine der Goldmedaillen-Hoffnungen des Gastgeberlandes.

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          Von gelegentlichem Applaus von Mitarbeitern des Organisationskomitees und der Athleten abgesehen, erfüllten nur laute Musik und Ansagen das Stadionrund. Der Nachtwind blies durch das luftig gebaute Stadion mitten in der von einem schönen Sommertag aufgeheizten Stadt und hätte, wie vom Architekten Kengo Kuma geplant, die Zuschauer gekühlt, wenn diese denn ins Stadion gedurft hätten.

          Rund 6000 Athleten und Betreuer nahmen nach Angaben des Organisationskomitees an der Eröffnungsfeier teil. Dazu kamen etwa 900 Sportfunktionäre, Sponsoren und Ehrengäste. Die größte Teilnehmergruppe waren rund 3500 Journalisten. Präsident Emmanuel Macron vertrat Frankreich, weil Paris die Olympischen Spiele 2024 ausrichtet. Deutschland war im Stadion diplomatisch nicht vertreten. Selbst die Botschafterin in Tokio durfte aus Gründen des Covid-Schutzes nicht kommen. Auch viele Spitzen von Sponsoren-Unternehmen hatten abgesagt.

          Virus-Notstand in Tokio

          Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, bedankte sich besonders bei den Gastgebern, die die Spiele trotz der Pandemie nicht abgesagt hatten. Tokio unterliegt derzeit einem Virus-Notstand. Die Zahl der Neuinfektionen steigt, die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei fast siebzig je 100.000 Einwohner. Mediziner warnen, dass die fünfte Viruswelle in Japan läuft.

          Die Bewohner der Stadt sind gehalten, abends von 20.00 Uhr an möglichst zu Hause zu bleiben. Restaurants und Bars müssen dann schließen und dürfen keinen Alkohol ausschenken. Japan insgesamt hatte die Pandemie bislang mit rund 860.000 Infektionsfällen und rund 15.000 Virus-Toten besser überstanden als viele westliche Länder.

          Die Sportler aus mehr als 200 Ländern betraten das Stadion eher ruhig und trugen den Regeln entsprechend alle eine Gesichtsmaske. Die deutschen Athleten kamen dem japanischen Alphabet gemäß nach Dänemark und vor Togo. Fahnenträger waren die Beachvolleyballerin Laura Ludwig und der Wasserspringer Patrick Hausding.

          Viele, aber nicht alle Länder machten von der erstmals erlaubten Möglichkeit Gebrauch, eine Fahnenträgerin und einen -träger zu haben. Während der Olympischen Spiele werden Medaillen in 33 Sportarten vergeben. Karate, dessen Ursprünge auf Okinawa zurückgeführt werden, wird erstmals dabei sein, ebenso wie Surfen, Skateboarding und Sportklettern.

          Viel hatten die Japaner gerätselt, wo die Veranstalter in dem neuen, mit viel Holz verkleideten Stadion das olympische Feuer entzünden wollten. Einen Platz dafür hatte Architekt Kuma nicht eingeplant. Doch am Rande des Spielfelds war eine Bühne für einen etwa zehn Meter hohen künstlichen Berg errichtet, der an den berühmtesten Berg Japans, den Fuji, erinnern sollte.

          Ein stilisierter Sonnenball öffnete sich zum Kessel für das olympische Feuer. Es wird in Tokio erstmals mit Wasserstoff gespeist, als Symbol für das ökologische Bewusstsein der Olympioniken. Weil die Feuerbühne im Stadion für die Wettbewerbe weichen muss, gibt es ein zweites olympisches Feuer an Tokios Wasserfront.

          Japan präsentierte sich in der Eröffnungsfeier als modernes Land, das in der Tradition tief verwurzelt ist. Die Schau begann mit einer Tanzszene, die das einsame Training von Sportlern in der Pandemie verdeutlichte, aber zugleich das stützende Netzwerk an Athleten und Fans in der ganzen Welt.

          Die Sängerin Misia sang die japanische Nationalhymne Kimigayo auf eine Art, die japanischen Traditionalisten nicht gefallen haben dürfte. Es gab traditionelle Laternen und einen Auftritt des berühmten Kabuki-Schauspielers Ebizô Ichikawa. Nicht fehlen durfte in Japan eine Version der Friedenshymne „Imagine“ von John Lennon und Yoko Ono. Einheit in Vielfalt ist eines der Themen der Spiele.

          Schulkinder aus den Tsunami-Gebieten im Nordosten, die 2011 verwüstet wurden, durften die Fackel im Stadion weitertragen, ebenso wie ein Arzt und eine Krankenschwester, die im Einsatz gegen das Coronavirus halfen. Eine der beeindruckendsten Szenen war der Totentanz, den der Tänzer Mirai Moriyama zum Gedenken an die Covid-Toten und andere Verstorbene aufführte.

          Das leblose und erstarrte Gesicht, mit dem der 36 Jahre alte Moriyama tanzte, erinnerte an die starren Gesichter der Überlebenden, die nach dem Tsunami im Nordosten im März 2011 entgeistert auf die Ruinen und das Meer schauten. Es war die stärkste Erinnerung daran, dass die Olympischen Spiele vom Gastgeber auch als Wiederaufbauspiele nach der Tsunami-Katastrophe gedacht waren – bis die Pandemie diesen Bezug fast auslöschte.

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