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Tokio-Spiele und Corona-Krise : Die Olympia-Frage zerreißt den Sport

IOC-Präsident Thomas Bach steht zunehmend unter Druck. Bild: EPA

Innerhalb der nächsten vier Wochen möchte das IOC entscheiden, ob die Spiele in Tokio wegen der Corona-Krise verschoben werden. Viele Athleten wollen nicht mehr warten – und fordern Abstimmungshoheit.

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          Die Athleten Deutschlands scheinen sich nicht weiter hinhalten lassen zu wollen. Noch in dieser Woche werden die rund 600 potentiellen Mitglieder der deutschen Olympia-Mannschaft darüber abstimmen, ob sie den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) beauftragen, wegen der weltweiten Corona-Krise beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) auf eine Verschiebung der Sommerspiele von Tokio 2020 zu drängen. Der Vorsitzende der Sportlervertretung Athleten Deutschland, der Säbelfechter Max Hartung, kündigte im Vorgriff auf das Votum am Samstagabend im ZDF an, dass er für Spiele zum vorgesehenen Zeitpunkt in diesem Sommer nicht zur Verfügung stehe. „Vor allem mache ich mir als Sportler Gedanken, wie ich mit meinem Verhalten dazu beitragen kann, dass diese Krise schnell vorbeigeht“, sagte er. „Ich denke, das kann ich am besten, wenn ich jetzt Haltung zeige und versuche, das Beste zu tun.“ Der Termin mit Eröffnungsfeier am 24. Juli sei in seinen Augen nicht haltbar.

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          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der mehrmalige Europameister Hartung, in Köln in häuslicher Quarantäne, ist mit der deutschen Säbel-Auswahl für Tokio qualifiziert. Er berief sich, der Sendung zugeschaltet, auf den Appell der Bundeskanzlerin und des Robert-Koch-Instituts, nicht andere zu gefährden und Kontakt zu meiden. „Ich glaube, dass es vernünftig wäre, die Gesundheit der Menschen vornean zu stellen und reinen Tisch zu machen“, sagte er. „Ich habe noch keine Expertenstimme gehört, die sagt, es wäre realistisch, dass man diesen Sommer Olympische Spiele ausrichten könnte. Man würde allen einen Gefallen tun, wenn man diese Hängepartie beendete.“

          Nach seiner Präsidiumssitzung am Sonntag bestätigte der DOSB lediglich, dass er bei den Athleten ein Stimmungsbild einholen wolle. „Wir als DOSB sehen eine unserer wesentlichen Aufgaben darin, eure Interessen, die Interessen der Athlet*innen des Team D gegenüber dem IOC zu vertreten“, lässt sich Präsident Hörmann in einer Pressemitteilung zitieren. „Aus diesem Grund möchten wir gerne ein Stimmungsbild bei euch abholen und eure Position zu zentralen Fragen rund um die Ausrichtung der Olympischen Spiele einholen. Insbesondere geht es aber auch darum zu klären, wer von euch ggf. zum geplanten oder zu einem alternativen Zeitpunkt an den Olympischen Spielen teilnehmen möchte.“ Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung soll dazu ein Fragebogen online gehen. Hörmann hatte noch am Samstag versichert, das Votum der Athleten sei ihm „Arbeitsauftrag“. Auch Verbandsvertreter sollen befragt werden.

          Auf seine Entscheidung zum Olympia-Verzicht habe er durchweg positive Reaktionen erhalten, sagte Hartung, selbst von Athleten, die sich noch nicht dazu entscheiden konnten. Dem IOC warf er mangelnde Transparenz vor. Die Organisation sei in einer extrem schwierigen Lage, sagte Hartung; wenn sie Plan B beschließe, müsse dieser schließlich realisierbar sein. „Ich würde mir aber wünschen, dass das IOC mit offenen Karten spielt und damit für Athleten und Beobachter nachvollziehbar ist, welche Abwägungen es trifft.“

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