https://www.faz.net/-gtl-8k47u

Tennis in Rio : Nadal hofft auf noch eine Hauptrolle

  • -Aktualisiert am

Seine vielleicht einzige Hauptrolle in Rio: Nadal trug bei der Eröffnungsfeier die Fahne Bild: Reuters

Die Freude von Tennis-Star Rafael Nadal als Fahnenträger wirkt ansteckend. Bei seinem Comeback nach Verletzungspause stehen aber zunächst andere im Mittelpunkt. Den Rest wird man sehen.

          3 Min.

          Onkel Toni redete. Der Coach des Neffen gestikulierte und demonstrierte, und es war nicht zu übersehen, dass die Dinge auf Platz acht suboptimal liefen. Es sah fast keiner zu bei diesem Training im Olympiapark von Rafael Nadal, dessen Bälle immer wieder jenseits der weißen Linien landeten, manchmal sogar meterweit. Man solle nicht zu viel von ihm erwarten, hatte der Spanier ein paar Tage zuvor gesagt. Ja, er werde dem Wunsch der Mannschaftsleitung folgen und sowohl im Einzel als auch im Doppel und Mixed spielen, aber er sei sicher noch nicht fit. Ende Mai hatte er vor der dritten Runde der French Open in Paris aufgegeben, das entzündete linke Handgelenk in einer blauen Manschette ruhig gestellt, seither hatte er bei keinem Turnier gespielt, und es war lange Zeit unklar gewesen, ob er tatsächlich in Rio dabei sein würde.

          Bereits Ende April hatte das spanische Olympia-Komitee verkündet, Nadal sei auserkoren, die gelbrote Fahne seines Landes bei der Eröffnungsfeier zu tragen. Aber die Realität hat mit Plänen nicht immer viel im Sinn, dazu musste man sich nur die Ereignisse vor vier Jahren erinnern. Auch damals hatten sich die Spanier frühzeitig auf Nadal als Fahnenträger für die Spiele in London festgelegt, doch dann war er beim Turnier in Wimbledon mit einer Knieverletzung früh ausgeschieden; die Saison war für ihn beendet, und die ehrenvolle Aufgabe bei der Eröffnungsfeier musste ein anderer übernehmen. Diesmal klappte es im Zeichen der Ringe, auch zur Freude des Internationalen Tennis-Verbandes, der die Absage von fünf Spielern der Top Ten der Weltrangliste registrieren musste - von Roger Federer (Saison beendet), Stan Wawrinka (verletzt), Tomas Berdych und Milos Raonic (Bedenken wegen des Zika-Virus) und Dominic Thiem (andere Prioritäten).

          Um ihn herum hat sich Manches geändert

          Bei einem Blick zurück wird deutlich, wie sehr sich die Dinge bei Rafael Nadal geändert haben. Vor acht Jahren in Peking war er einer der Stars der Spiele, bei der ersten Pressekonferenz im großen Interviewraum blieb kein Platz frei, im Olympischen Dorf schrieb er fast rund um die Uhr Autogramme, und Athleten aus aller Welt wollten Fotos mit ihm.

          Als die Spiele damals begannen, hatte schon festgestanden, dass er danach zum ersten Mal die Nummer eins des Männertennis sein würde, ein paar Wochen zuvor hatte er seinen vierten Titel bei den French Open gewonnen, wenig später den ersten in Wimbledon; er war der Mann des Jahres. Auf dem Weg zur Goldmedaille besiegte er im knallroten, ärmellosen Hemd und in knielangen weißen Hosen im Halbfinale den ein Jahr jüngeren Novak Djokovic, im Finale den Chilenen Fernando Gonzalez, und es sah so aus, als habe er in diesem Sommer 2008 alles und alle im Griff.

          Die Goldmedaille liegt zusammen mit den Nachbildungen seiner 14 Grand-Slam-Trophäen im Museum des Rafa Nadal Sports Centers in seiner Heimatstadt Manacor. Neben Andre Agassi ist er der einzige Spieler mit einem kompletten Satz der vier großen Titel des Tennis und einer Goldmedaille im Einzel, aber die Aufmerksamkeit galt in den Tagen vor den ersten Spielen im Olympiapark an diesem Wochenende anderen Kollegen.

          Novak Djokovic, dem überragenden Spieler des Jahres, der mit Gold aus dem Duo Agassi/Nadal ein Trio machen könnte. Und Andy Murray, der bei der Eröffnungsfeier mit großem Stolz den Union Jack trug. Im Gegensatz zu einem Auftritt zwei Tage zuvor bei einem Fototermin, bei dem er Prinzessin Anne mit der Flagge vor dem Gesicht herumgefuchtelt hatte, ging diesmal alles gut. Er trug die Fahne mit links und - wie es sein Vorgänger, Rad-Olympiasieger Sir Chris Hoy, empfohlen hatte - mit einer Hand und ohne Holster.

          Was nun mit Rafael Nadal bei diesen Spielen passieren wird im olympischen Dreikampf? Im Doppel wird er mit Marc López spielen, im Mixed mit Garbiñe Muguruza, die Anfang Juni bei den French Open den ersten Grand-Slam-Titel ihrer Karriere gewonnen hatte. Aber in keinem der drei Wettbewerbe gehört er zu den Favoriten - eben wegen der monatelangen Pause, der fehlenden Spielpraxis und einer gewissen Unsicherheit, wie das Handgelenk die Belastung aushalten wird.

          Alle Uhren sind auf null gestellt, aber der Anfang hätte nicht besser, nicht schöner sein können. Mit einem kecken, ein wenig kleinen Hütchen auf dem Kopf führte er die spanische Mannschaft ins Maracanã-Stadion, und er platzte fast vor Freude; sein Gesicht schien nicht groß genug zu sein für ein Lächeln, das von Rio bis nach Manacor reichte. Mit diesen Momenten in offizieller wie euphorisierender Mission ging es los, und den Rest wird man sehen.

          Weitere Themen

          Zverev weiter, Thiem trennt sich von Muster

          Australian Open : Zverev weiter, Thiem trennt sich von Muster

          Alexander Zverev hat keine Mühe beim Einzug ins Achtelfinale. Die Zusammenarbeit zwischen den Österreichern Dominic Thiem und Thomas Muster war derweil ein kurzes Vergnügen. Thiem gewinnt dennoch sein Spiel – wie auch Rafael Nadal und Nick Kyrgios.

          Topmeldungen

          Zur Diskussion gestellt: Bundesjustizministerin Christine Lambrecht ließ einen „Diskussionsentwurf“ verschicken, der vorstellt, wie sich die Beamten des Ministeriums die Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie in nationales Recht vorstellen.

          EU-Urheberrecht : Kein Vorschlag zur Güte

          Das Justizministerium schlägt vor, wie das neue EU-Urheberrecht in nationale Gesetze aufgenommen werden soll. Der Vorschlag wirkt moderat, doch er birgt Sprengstoff. Auch für die Bundesregierung.

          „March for Life“ : Gegen Abtreibungen, für Trump

          Donald Trump spricht als erster amerikanischer Präsident beim „Marsch für das Leben“, der jährlichen Demonstration der Gegner des geltenden Abtreibungsrechts. Die Aktivisten, von denen viele sonst Kliniken belagern, bereiten ihm einen warmen Empfang.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.