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Wenige Wochen vor den Spielen : Fachleute warnen vor Olympia-Zuschauern

Wie genau die Olympischen Spiele in Tokio in diesem Jahr ablaufen werden, ist noch immer unklar. Bild: EPA

Auch in der Pandemie herrscht das Primat der Politik über die Olympischen Spiele: Doch Japans wichtigster Regierungsberater widerspricht dem Ministerpräsidenten.

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          Der wichtigste Pandemieberater der japanischen Regierung, Shigeru Omi, legt der Regierung und den Organisatoren nahe, die Olympischen Spiele hinter verschlossenen Türen stattfinden zu lassen. Der Verzicht auf Zuschauer sei wünschenswert und der effektivste Weg, Infektionsrisiken zu reduzieren, heißt es in Empfehlungen, die Omi im Namen von 26 Medizinern an diesem Freitag vorlegte. Die Fachleute beschreiben in ihrem Bericht aber auch Maßnahmen, die ergriffen werden könnten, um mit Zuschauern Infektionsrisiken zu verringern.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der Bericht der Experten, die sich auf eigene Initiative ohne Auftrag zusammengefunden hatten, kommt wenige Tage vor dem Beschluss, wie viele japanische Zuschauer in die Stadien gelassen werden sollen. Am Montag wird das Organisationskomitee zusammen mit der Regierung, Tokios Metropolregierung uns den Internationalen Olympischen und Paralympischen Komitees darüber beraten. Ausländische Sporttouristen waren schon im Februar ausgeschlossen worden. Die Entscheidung über heimische Besucher hatte das Komitee möglichst lange hinausgezögert.

          Eigentlich Empfehlung für Absage

          Omi machte vor Journalisten deutlich, dass die Fachleute der Regierung eigentlich hatten empfehlen wollen, die Spiele abzusagen. Nachdem Ministerpräsident Yoshihide Suga aber die Zustimmung der Staats- und Regierungschefs der Siebenergruppe (G-7) zu den Spielen erlangt habe, sei eine solche Empfehlung bedeutungslos geworden.

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          Der Vorgang verdeutlicht, dass auch in der Pandemie das Primat der Politik über die Olympischen Spiele herrscht. Suga hatte erst diese Woche signalisiert, dass er Zuschauer dabeihaben möchte. Es ist im zumindest auf formalen Konsens bedachten Japan höchst ungewöhnlich, dass ein hochrangiger und politisch gut vernetzter Regierungsberater einem solchen Wunsch offen widerspricht. Der 72 Jahre alte Omi ist ein sanft auftretender Mediziner, der früher in der Weltgesundheitsorganisation für den westlichen Pazifik zuständig war.

          Omi betonte, dass die Spiele in der Größenordnung ein ganz anderes Kaliber seien als regelmäßig stattfindende Spiele der Fußball- und Baseballliga. Sollten Zuschauer zugelassen werden, müssen strengere Regeln herrschen als für normale Großveranstaltungen. Bis zum 11. Juni hat die Regierung die Zahl der Besucher für Großveranstaltungen in Tokio auf 5000 oder die Hälfte der Plätze begrenzt. Danach gilt vorerst eine Obergrenze von 10.000 Besuchern.

          Maximal 10.000 Zuschauer

          Olympiaministerin Tamayo Marukawa erklärte am Freitag, dass 10.000 auch die Höchstgrenze für olympische Veranstaltungen sein werde. Die Fachleute empfehlen ferner, dass nur lokal ansässige Besucher in die Stadien gelassen werden sollten. Sollte die Infektionslage sich verschlechtern, müssten die Organisatoren und die Regierung kurzfristig Fans ausschließen. Besonderes Augenmerk legte Omi auf die Infektionsrisiken, die durch die Bewegung der Besucher entstünden. Olympische Veranstaltungen könnten bis zu 430.000 Besucher je Tag in der Region Tokio in Gang setzen, während ein Spiel der Baseballliga nur 47.000 Besucher aktiviere.

          Die Veranstalter der Spiele wollen die Besucher auffordern, vor und nach den Veranstaltungen keine Restaurants oder Bars zu besuchen und direkt nach Hause zu fahren. Die Präsidentin des Organisationskomitees, Seiko Hashimoto, betonte, dass die Veranstalter die Zahl der anreisenden Olympiagäste ohne Athleten auf 53.000 und damit auf 29 Prozent der üblichen Zahl reduziert hätten. Hashimoto unterstrich den Willen, den Wünschen der Sportfans entgegenzukommen, betonte aber auch die notendige Flexibilität: „Wir müssen uns auf die Möglichkeit vorbereiten, Zuschauer auszuschließen, wenn die Situation sich ändert.“

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