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Lost in Translation (6) : Toi, toi, toi

  • -Aktualisiert am

Das Empfangskomitee vor dem riesigen Spucknapf Bild: Anno Hecker

Bei Olympia müssen Journalisten täglich Updates zur Gesundheit angeben. Damit sie nicht schummeln, werden Spucktests abgenommen. Das funktioniert so reibungslos wie das Basketballspiel der US-Cracks.

          2 Min.

          Bei diesen Olympischen Spielen muss der Wecker gestellt werden. Ohne einen guten Zeitplan läuft nichts. Wer, wann, was, wo? Bei so viel Sport zur gleichen Zeit ist ein feines Gespür für Timing gefragt. Aber vor das Erlebnis wird in Tokio die Pflicht gesetzt. Und die beginnt auch mit einem Warnsignal. Jedenfalls macht sich die Gesundheits-App jeden Morgen auf unheimlich Art bemerkbar.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          In der Übersetzung liest sich das so: „Es ist uns aufgefallen, dass jemand in Ihrem Team sich noch nicht registriert hat.“ Was zumindest bedeutet, dass wir schon registriert sind. Unser Fehlverhalten. Jetzt aber schnell: Kein Fieber: anklicken. Keine Symptome: anklicken. Körperkerntemperatur eingeben, Medikamenteneinnahme angeben, Spitzeldienste leisten, äh, erklären, dass sich niemand aus dem Team krank fühlt. Weg damit. Und Registrierung checken. Geschafft.

          Sie merken was, nicht wahr? Man könnte doch pfuschen, immer schön Häkchen setzen, damit der Wachdienst nie kommt. Wenn da nicht der Tag des Spuckens wäre. Donnerstag war so einer. Röhrchen aufgemacht, Speichel rein, verschließen, Nummerncode aufkleben und dann über den QR-Code registrieren. Ab damit ins Spucke-Sammellager, erster Stock im Hauptpressezentrum.

          „No reason“

          Drei Damen bilden das Empfangskomitee (siehe Foto!). Sie leiten zu zwei Damen, die das Depot verwalten, vornehm ausgedrückt. Sie sitzen hinter einer Plexiglasscheibe, vor der ein Plastikbehälter steht, in den die Röhrchen fallen. Sie zählen eifrig. Am Tag rund 1300 Speichelröhrchen im Tütchen. Zur Eröffnungsfeier, sagen sie, waren es 3500. Die zwei schicken alle, die mehr wissen wollen über den Test, zum nächsten Tisch, wo das Erste-Hilfe-Team für Spuckproben sitzt. Raten Sie mal: ja, vier Damen. Macht summa summarum neun.

          Warum denn hier an jedem Spucktag allein Damen säßen? „No reason“, sagen sie. Und wenn man das als mit dem Geschlechterkampf vertrauter Westeuropäer partout nicht glauben will? Dann lachen sie laut. Was nicht heißen muss, dass man recht hat mit der Vermutung, der gemeine Japaner schicke die Frauen vor, wenn es darum geht, einen riesigen Spucknapf zu betreuen. Aber zwei-, dreimal in der Minute Schweiß aufwischen ist auch kein Edeljob. Aber mit welcher Hingabe die beiden das machen. Synchron mit ihren Wischern wie die Turmspringer.

          Das Spiel auf dem Parkett der Basketballhalle folgt einer kleinen Choreographie, während die NBA-Stars der Amerikaner den Iranern auf der anderen Seite einschenken: Von der Grundlinie unter dem Korb bis zur Freiwurflinie, dann im Rechts- oder Linksschwung zurück in die Ausgangsposition, Verbeugung. Sie machen das perfekt, die beiden jungen Männer.

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