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Die Zukunft der Spiele : Olympia braucht neue Superhelden

Er schwebt über allen: Usain Bolt, eine Lichtfigur des Sprints macht auch als Tänzer keine schlechte Figur. Bild: dpa

Viele Athleten sind in ihren Ländern Stars, haben bei Olympia aber kaum die Chance, eine Wirkung wie Usain Bolt zu erzielen. Die Fähigkeit aus Halbgöttern Superhelden zu schaffen, wird immer schwächer.

          5 Min.

          Geht Olympia den Bach hinunter? Oder bleibt es unverwüstlich? Eine der Fragen von Rio 2016. Sollte die uralte und zuletzt etwas matte Idee ihre Faszination über das mitunter Fade der aktuellen Spiele hinaus retten, dann nur, wenn etwas von der antiken Vergangenheit in ihnen überleben kann: die Anziehungskraft der Unbesiegbaren der alten Sagenwelt. Olympia muss moderne Nachfolger finden für den Halbgott Herkules, den Fast-Gott Achilles, menschlich und besiegbar gemacht nur durch die Verletzlichkeit der nach ihm benannten Sehne, und den Menschen Milon von Kroton, den größten Athleten der Antike.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Hollywood pflegt die Mythologie der Unbesiegbarkeit in immer neuen Variationen von Superhelden-Filmen. Olympia kommt da nicht mehr mit. Zuletzt blieb nur Usain Bolt, vielleicht noch Michael Phelps, um den olympischen Tagesbetrieb und die nationale Medaillenzählerei zu überstrahlen. Sie geben den Spielen ein Gesicht, etwas Wiedererkennbares. Doch sind es, aller Voraussicht nach, ihre letzten.


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          An diesem Sonntag soll Bolt im 100-Meter-Finale den bisher etwas glanzlosen Spielen von Rio den Glamour eines Welt-Events verleihen. Der beste Sprinter der Geschichte strebt sein jeweils drittes Gold über die 100 und 200 Meter und mit der jamaikanischen Staffel an. Abgesehen von der Disqualifikation für einen Fehlstart, der den elffachen Weltmeister den Titel bei der WM 2011 kostete, hat Bolt seit acht Jahren nur ein einziges Finalrennen verloren. Das war 2010, als er nach einer Achillessehnenverletzung bei einem Meeting in Stockholm dem Amerikaner Tyson Gay unterlag. In Rio wird dessen Landsmann Justin Gatlin, nach zweimaliger Doping-Sperre, die Ära Bolt zu beenden versuchen.

          Die Ära Phelps wird wohl am Samstag im letzten Schwimmwettbewerb mit der Lagenstaffel zu Ende gehen. So unfassbar wie 2008, als er in Peking bei acht Starts acht Goldmedaillen gewann und sieben Weltrekorde aufstellte, wirkt Phelps in Rio nicht mehr. Aber es reicht, um bereits mit den Siegen in zwei Staffeln, dem hauchdünnen Erfolg über 200 Meter Schmetterling und dem souveränen über 200 Meter Lagen mit 22 Goldmedaillen der über Generationen hinweg erfolgreichste Olympiasportler der Geschichte zu bleiben.

          Er allein hat mehr Olympiasiege erzielt als alle deutschen Schwimmer zusammen seit 1896 - die DDR-Doping-Ära ausgenommen. Bolts raumgreifende Schritte wirken so imposant wie die Kraul- und Delphinschläge von Phelps’ riesigen Händen. Sie sind die Superhelden Olympias, der Weltbühne anatomischer Weltwunder. Alle vier Jahre kommt er vorbei, dieser große Zirkus der maximalen Spezialisierung menschlicher Körperlichkeit.

          Der Golfer Martin Kaymer, in dessen Sport man auch ohne perfekten Körper erfolgreich sein kann, berichtete davon, wie er im Fitness-Studio des Olympischen Dorfs die Form und Beweglichkeit unterschiedlichster Athletenkörper bewunderte. So wie früher auf dem Jahrmarkt bestaunt man nun im Fernsehen die Menschen, die durch eine beneidenswerte Kombination körperlicher Voraussetzungen, technischen Könnens und mentaler Stärke unbesiegbar scheinen.

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