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Basketball-Team der USA : Zurück auf der Erde

US-Trainer Gregg Popovich behält einen realistischen Blick auf die Klasse des Gegners. Bild: Reuters

Erstmals seit Jahren verlieren die Basketballer der USA wieder bei Olympia. Es gibt wohl zwei Lektionen, die man aus diesem Match ableiten kann. Die eine hat mit Basketball zu tun. Die andere nicht.

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          Am Anfang ein Ratespiel: Wer war Präsident der Vereinigten Staaten, als die Basketballmannschaft der Männer zum letzten Mal ein Match bei den Olympischen Spielen verloren hat? Donald Trump? Falsch. Gold in Rio, ohne Niederlage. Barack Obama? Noch mal falsch. Gold in Peking und London, ohne Niederlage. Die richtige Antwort: George W. Bush.

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          Im Sommer 2004, mitten in seiner ersten Amtszeit, hatte das Team USA im Halbfinale gegen Argentinien verloren. Es war das erste Mal, dass es das Turnier nicht gewinnen konnte, seit es ab 1992 für seinen Kader auch Spieler aus der Superliga NBA nominieren konnte. Und vorerst auch das letzte Mal.

          Der US-Basketballverband stellte danach den College-Trainer Mike Krzyzewski – Spitzname: Coach K – ein, der in den nächsten Jahren stets mit den großen Namen aus der NBA planen konnte. In Peking und London zum Beispiel mit LeBron James, dem bislang besten Basketballspieler dieses Jahrhunderts. Die Folge: 24 Spiele, 24 Siege. Das alles sollte man wissen, wenn man nun bewerten will, was in der Saitama Super Arena passiert ist.

          Starke Europäer in der NBA

          Am Sonntag hat das Team USA – angeführt von Kevin Durant und Damian Lillard – dort gegen Frankreich verloren. Knapp (76:83), aber das ändert nichts. Denn weil man das in der amerikanischen Heimat während der Olympischen Spiele nicht mehr gewohnt ist, gingen die Diskussionen sofort los. Und so bleibt, wie so oft in solchen Momenten, die Frage: Was lässt sich im Kleinen über das Große sagen?

          Es gibt wohl zwei Lektionen, die man aus diesem Match ableiten kann. Die eine hat mit Basketball zu tun. Die andere nicht.

          Zum einen haben sich der nordamerikanische und der europäische Basketball angenähert. Um es klar zu sagen: In der NBA tummeln sich nach wie vor die stärksten Spieler. Unter ihnen sind inzwischen aber viel mehr Europäer als früher. Sie prägen das Spiel. In den vergangenen drei Jahren sind der Grieche Giannis Antetokounmpo (zweimal) und der Serbe Nikola Jokic zum jeweils wertvollsten Spieler der Liga gewählt worden.

          Für Frankreich passte am Sonntag der Center Rudy Gobert unter dem Korb auf, der in der NBA in den vergangenen vier Saisons dreimal als Verteidiger des Jahres ausgezeichnet worden ist. Es war daher sehr angenehm, dass der US-Trainer Gregg Popovich, der Coach K abgelöst hat, sich später in der Pressekonferenz gegen die Beschreibung der Niederlage als „überraschend“ wehrte: „Ich verstehe das Wort nicht. Das beleidigt die Franzosen, als ob wir sie mit 30 Punkten schlagen müssten. Das ist eine überragende Mannschaft.“ Stimmt.

          Popovich ist ohnehin keiner, der an den amerikanischen Exzeptionalismus glaubt. Nicht im Basketball und schon gar nicht außerhalb davon. In den Vereinigten Staaten spielt man an guten Tagen immer noch wie von einem anderen Kontinent, aber nicht mehr wie von einem anderen Planeten. Und damit zur anderen Lektion.

          In diesem zweiten Sommer der Pandemie sollte man weiterhin nichts voraussetzen. Nicht mal Gold für das Team USA. Es könnten in mancher Hinsicht die Spiele der Überraschungen werden. Das Virus und seine Folgen sind unvorhersehbar. Sogar die perfekte Simone Biles turnte in ihrem Vorkampf nicht perfekt.

          Natürlich ist das Team USA, das an diesem Mittwoch (6.40 Uhr im F.A.Z.-LIveticker zur Olympia, in der ARD und bei Eurosport) auf Iran trifft, noch der große Favorit, aber einen anderen Titel hat es schon verloren: den des aufregendsten Spielers. Am Montag hat Luka Dončić 48 Punkte in einem Spiel gemacht. Für Slowenien.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

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