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Sommerspiele in Tokio : Darum wird Olympia ein finanzielles Abenteuer

Olympische Spiele in Tokio: Chef des Vorbereitungskomitees Toshiro Muto Bild: Patrick Welter

Im Corona-Zeitalter wird die Sehnsucht nach positiven Impulsen immer größer. Toshiro Muto, Chef von Tokio 2020, hofft, dass die nächsten Olympischen Spiele genau das schaffen. Doch das hat seinen Preis.

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          Als das Internationale Olympische Komitee und Japan im März die Olympischen Spiele in Tokio auf das kommende Jahr verschoben, waren die Erwartungen groß. IOC-Präsident Thomas Bach und Japans Ministerpräsident Shinzo Abe äußerten die Hoffnung, die Spiele im kommenden Sommer könnten zum Symbol des Sieges der Menschheit über das Coronavirus werden. Seither hat die Zielmarke sich deutlich verschoben. Das neue Ziel heißt: leben und Sport treiben mit dem Virus.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          „Covid-19 ist keine Bedrohung, die schnell ausgelöscht werden kann oder vorbeigeht“, sagt Toshiro Muto, der Chef des nationalen Vorbereitungskomitees, in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sehr wahrscheinlich werde die Menschheit mit dem Virus mehrere Jahre lang leben müssen. „Falls die Spiele in Tokio unter diesen Bedingungen im kommenden Jahr realisiert werden können, dann können sie Vorbild für andere globale Ereignisse und Sportereignisse werden“, sagt Muto. „Das wäre wirklich ein Vermächtnis von Tokio 2020.“

          Der Weg bis dahin ist noch lang, und es ist völlig unklar, ob die Spiele trotz der Pandemie überhaupt stattfinden werden. Gerade haben die japanischen Olympia-Athleten in einer bescheidenen Zeremonie den Ein-Jahres-Stichtag vor Beginn der Sommerspiele zelebriert. Der Zeitplan der Wettbewerbe im kommenden Jahr steht, die Sportarenen und das Olympische Dorf sind auch für 2021 gesichert. Wie viel die abermalige Nutzung der Austragungsstätten die Veranstalter kosten wird, ist nach den Worten Mutos noch offen. „Wir verhandeln noch über die genauen Termine, an denen wir die Sportstätten brauchen“, sagt er. „Die Kosten sind Teil dieser Verhandlungen.“

          Nicht nur deshalb ist die Verschiebung der Spiele ein finanzielles Abenteuer mit unbekanntem Ausgang. Die Kosten sind ungeklärt, ebenso wie die Einnahmen: Niemand weiß, wie viele Touristen letztlich Tickets kaufen werden. Frühestens im Herbst, genauer im Oktober, hofft das Vorbereitungskomitee einen gewissen Überblick zumindest über die Zusatzkosten zu haben.

          Schon vor der Verschiebung waren die Kosten auf mindestens 1,35 Billionen Yen (11 Milliarden Euro) beziffert worden. Schätzungen Dritter über die nun anfallenden Zusatzkosten gehen von bis zu fünf Milliarden Euro aus. Wer dafür zahlt, ist offen. Erst mit dem Überblick über die Kosten könnten die Gespräche mit der Regierung von Tokio und der nationalen Regierung über die Aufteilung beginnen, sagt Muto. „Ob das IOC Teile der Finanzlast übernehmen wird, ist überhaupt nicht klar. Die Diskussion darüber hat noch nicht begonnen.“

          Gegen die Zusatzkosten setzen die lokalen Organisationen auf eine Vereinfachung der Spiele, um die Ausgaben zu minimieren. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) habe eine solche Vereinfachung nicht zur Voraussetzung für eine Verschiebung gemacht, sagt Muto auf Nachfrage. Das Vorbereitungskomitee reagiere mit dem Plan vielmehr auf die Kritik in Japan an den Kosten. „Wir haben dem IOC die Vereinfachung und Rationalisierung der Spiele vorgeschlagen, und sie stimmten sofort zu.“ Die Details sind noch unklar. Von 200 möglichen Rationalisierungen ist die Rede. Doch bevor zusammen mit dem IOC etwas entschieden ist, schweigen die lokalen Organisatoren sich über alle Optionen aus. Weniger feierlich, schlichter, leiser – das ist das Einzige, was zu hören ist.

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