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Olympia in Tokio : Der Ort bleibt, aber der Termin wankt

Olympia in Zeiten von Corona: „Das IOC bleibt den Olympischen Spielen in Tokio 2020 voll verpflichtet.“ Doch der Eröffnungstermin scheint 24. Juli nicht mehr fix. Bild: AFP

Während Zehnkampf-Weltrekordler Kevin Mayer inständig um Verschiebung der Spiele bittet, scheint auch dem IOC klar geworden zu sein: Der Termin für Olympia in Tokio ist wohl nicht mehr fix zu halten.

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          Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat die Tonart geändert. In einer Erklärung vom Dienstag benutzte die Organisation zwar einen Standardsatz, den Präsident Thomas Bach zuletzt mehrmals wiederholt hatte, aber mit einer Variante: „Das IOC bleibt den Olympischen Spielen in Tokio 2020 voll verpflichtet.“ Es fehlte der Hinweis auf den Eröffnungstermin: 24. Juli. Weiter heißt es in dem Statement, das nach der Sitzung der IOC-Exekutive und einer Telefonkonferenz mit den Olympischen Sommersportverbänden verbreitet wurde: „Mit mehr als vier Monaten bis zu den Spielen gibt es keine Notwendigkeit für drastische Entscheidungen; und jede Spekulation in diesem Moment wäre kontraproduktiv.“

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Bach hatte zuvor in der Öffentlichkeit stur auf den Eröffnungstermin gepocht. Nun wird indirekt bestätigt, dass auch seine Organisation eine Verschiebung für eine ernsthafte Möglichkeit hält. Das IOC werde weiterhin dem Rat seiner Task Force folgen, heißt es weiter in dem Papier, also einer Gruppe, in der auch die Weltgesundheitsorganisation WHO vertreten ist. Und weiter: „Die Entscheidung des IOC wird nicht von finanziellen Interessen geleitet sein, weil es dank seines Risikomanagements und der Versicherung in jedem Fall in der Lage sein wird, weiterzuarbeiten und seine Mission, Olympische Spiele zu organisieren, fortsetzen kann.“ Aus diesem Satz geht auch hervor, dass das IOC die Institution wäre, die entscheiden kann, sollte sie eine Verlegung oder Absage der Spiele für nötig befinden.

          In Bezug auf die Olympia-Qualifikation wird Athleten, Verbänden und Nationalen Olympischen Komitees Unterstützung zugesagt. Bis dato seien 57 Prozent der Athleten qualifiziert. Man werde mit den Weltverbänden zusammenarbeiten, um die Systeme anzupassen. Angesichts des fast völlig zum Erliegen gekommenen internationalen Sports eine nahezu unlösbare Aufgabe.

          Das IOC reagiert mit seinem Umschwenken auch auf den wachsenden Druck auf die Athleten, die erleben müssen, wie sich alle Pläne im Corona-Wirbel auflösen. Besonders spürbar wird das in dem Interview mit dem französischen Zehnkampf-Weltrekordler Kevin Mayer, das auf der Titelseite der Sportzeitung L’Équipe vom Dienstag stand. „Ich möchte wirklich, dass sie die Spiele verlegen“, sagte er dort, und malte den Teufel an die Wand: „Und dass sie sie nicht ganz absagen.“ Mayer hat die Mindestleistung für die Olympiaqualifikation noch nicht erbracht, kann zuhause in Montpellier nur eingeschränkt trainieren, und hat auf unabsehbare Zeit keine Aussicht auf einen Wettkampf. „Wenn sie sich darauf (den Termin, d. Red.) versteifen, kann uns das nur sagen, dass sie immer weniger an die Athleten und immer mehr an die finanziellen Verluste denken.“

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          Der Abbruch des Box-Qualifikationsturniers in London durch die Task Force des IOC, die statt des suspendierten Weltverbandes Aiba die Wettkämpfe organisiert, ist nur ein weiteres Schlaglicht auf die desolate Lage. Hinzu kommt die Wettbewerbsverzerrung durch unterschiedliche Trainingsmöglichkeiten. Ein zuverlässiges Anti-Doping-Testprogramm ist angesichts von Reisebeschränkungen und Ausgangssperren ohnehin nicht mehr zu realisieren, das bestätigen selbst Anti-Doping-Organisationen indirekt.

          In der Erklärung bezieht sich das IOC auch auf den japanischen Premierminister Shinzo Abe, der in feinsinniger Umkehrung der Argumente nach der Videokonferenz der G-7-Staaten am Montag erklärte: „Ich will die Olympischen und Paralympischen Spiele perfekt abhalten, als Beweis, dass die Menschheit den Coronavirus besiegen kann.“ Sein Volk allerdings glaubt nicht mehr an eine Austragung wie geplant. Eine Umfrage der Nachrichtenagentur Kyodo unter 1000 Personen, die am Montag veröffentlicht wurde, ergab, dass inzwischen 69,9 Prozent der Bevölkerung die Austragung in Tokio im geplanten Zeitraum nicht für möglich halten. Inzwischen hat sich eine der Führungsfiguren der Spiele in Tokio mit dem Coronavirus angesteckt: der stellvertretende Vorsitzende des Organisationskomitees, Kozo Tashima, der seine Erkrankung selbst mitteilte. Tashima, der auch Präsident des japanischen Fußballverbandes ist, vermutet, er könnte sich beim Meeting der Europäischen Fußball-Union (Uefa) am 2. März in Amsterdam infiziert haben. Alle hätten sich dort umarmt, Hände geschüttelt und Küsse auf die Wange gegeben.

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