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Olympia 2012 : Adoptivkinder der fünf Ringe

  • -Aktualisiert am

Beitrag für das eigene Land: „Darum stehe ich jeden Morgen auf, ziehe meine Schuhe an und trainiere“ Bild: REUTERS

Vier Sportler starten bei den Spielen in London unter der olympischen Flagge - auch Marial aus dem Südsudan. Da der junge Staat kein NOK hat, läuft er den Marathon als Staatenloser. Dennoch bekommt seine Heimat durch ihn ein Stück eigene Identität.

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          Alle 204 Länder, die zur olympischen Familie gehören, werden an diesem Freitag zur Eröffnungsfeier erscheinen. Aber das ist noch nicht die ganze Festgesellschaft der Spiele der XXX. Olympiade. Es gibt auch noch ein paar olympische Adoptivkinder, die ganz besonders geliebt werden, weil sie aus keinem geordneten Zuhause kommen. Vier Sportler werden bei diesen Spielen unter der olympischen Flagge starten, sie bilden die Nichtnation in diesem von Fahnen und Hymnen garnierten Treiben.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Drei Sportler von den Niederländischen Antillen starten für Niemandsland. Ihre Inselgruppe hat sich den Niederlanden angeschlossen und bildet keinen unabhängigen Staat mehr. Und einer hat überhaupt keine Nationalität: Der Marathonläufer Guor Marial hat zwar eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung in den Vereinigten Staaten. Aber er besitzt keinen Pass. Dass er trotzdem in London dabei sein kann, verdankt er einem freundlichen Akt des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

          Mit acht Jahren verließ er seine Heimat

          Mit acht Jahren ist Marial aus einem Kinder-Arbeitslager in Sudan geflohen - im Juli 2001 kam er in den Vereinigten Staaten an und wurde als Flüchtling anerkannt. Geboren wurde er in einem Dorf in Südsudan. Das Land hat zwar im vergangenen Jahr die Unabhängigkeit erlangt, besitzt aber noch kein anerkanntes Nationales Olympisches Komitee. Mit Marial bekommt der junge Staat ein Stück eigene Identität. „Südsudan hat endlich einen Platz in der Weltgemeinschaft“, sagte der 28 Jahre alte studierte Chemiker, als er von seiner Starterlaubnis erfuhr. „Das Land ist da. Südsudan lebt.“ Zweimal hat Marial bereits die Qualifikationszeit für die Spiele erreicht: Beim Twin-City-Marathon in Minneapolis und St. Paul im Bundesstaat Minnesota lief er im vergangenen Jahr 2:14:32 Stunden, im Juni schaffte er den Marathon in San Diego in 2:12:55 Stunden.

          In den Vereinigten Staaten zu Hause: Mit acht Jahren verließ er seine Heimat in Nordost-Afrika Bilderstrecke

          „Nun steigt meine Betriebstemperatur“, erklärte er. „Ich muss nun leben wie ein Olympiateilnehmer.“ Marial wird jetzt seinen Vater, der immer noch in einem Dorf in Südsudan lebt, bitten, in die nächste Stadt zu fahren, damit er sein Rennen im Fernsehen verfolgen kann. 28 Familienmitglieder hat Marial im Bürgerkrieg verloren. Auf keinen Fall wollte er deshalb unter der Flagge Sudans in London starten. „Das wäre Verrat an meinem Land. Und es wäre respektlos meinen Landsleuten gegenüber, die für die Freiheit gestorben sind.“ Einen Beitrag für seine Heimat zu leisten sei für ihn das Wichtigste. „Darum stehe ich jeden Morgen auf, ziehe meine Schuhe an und trainiere.“

          Der erste staatenlose Sportler mit einer Starterlaubnis

          Marial ist der erste komplett staatenlose Sportler, dem das IOC eine Starterlaubnis gegeben hat. Zweimal waren Sportler unter der olympischen Flagge dabei: 1992 die Athleten aus den Überresten von Jugoslawien. Und 2000 vier Athleten aus Ost-Timor, das kein unabhängiges Land ist. Das IOC, das sich immer wieder mit politischen Konflikten dieser Welt herumschlagen muss, begleitet Marial mit Wohlwollen. „Endlich haben wir einmal eine schöne Geschichte zu erzählen“, sagte der IOC-Direktor für internationale Beziehungen, Pere Miro.

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