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Olympische Geschichten (6) : Das gestohlene Gold eines Boxers

  • -Aktualisiert am

Park hat keine Chance gegen Jones jr. Er wird sogar einmal angezählt. Doch die Punktrichter treiben ein absurdes Spiel. Bild: Picture-Alliance

Olympia in Seoul 1988: Boxer Roy Jones jr. vermöbelt seinen südkoreanischen Gegner. Doch die Punktrichter erklären den Amerikaner zum Verlierer. Es ist ein absurdes Schauspiel – und ein politischer Racheakt?

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          Mit Olympischen Spielen als Hort des fairen Wettkampfs von Menschen unterschiedlicher Nationen darf man Roy Jones jr. nicht kommen. Er wurde mit seinen 19 Jahren in Seoul ein Opfer des größten Skandals in der mittlerweile über hundert Jahre alten Historie des olympischen Boxens. Dazu sollte man wissen: Vor den Sommerspielen 1988 waren Klagen über Fehlurteile längst gang und gäbe und so ist es auch danach geblieben. In dem in Nord und Süd geteilten Korea konnte man nach dem Duell des Amerikaners mit dem Südkoreaner Park Si-Hun nur einer Meinung sein: Roy Jones jr. hat ihn vermöbelt. Aber drei von fünf Punktrichtern verschenkten das Gold im Mittelgewicht an Park – als Gabe an die Gastgeber der Spiele.

          Die statistische Auswertung des Kampfes ergibt: Der Amerikaner hatte 86 Treffer gelandet, der Koreaner nur 32. Zudem war er in Runde zwei nach einem Wirkungstreffer angezählt worden. Park war der Sieg so peinlich, dass er bei der Siegerehrung demonstrativ das Handgelenk von Jones ergriff und dessen Arm in die Höhe reckte. Später, als sie auf die Dopingkontrolle warten, wird der Verlierer dem Sieger sagen: „Du hast gewonnen, ich fühle mich elend.“ Lange wollte Jones jr. „nicht glauben, was mir die Punktrichter angetan haben. Ich habe neun Jahre geopfert, um eine Goldmedaille zu gewinnen“. Das Exekutivkomitee des internationalen Boxverbands (Aiba) hat ihn noch an diesem 2. Oktober, dem Schlussakkord eines Turniers der Skandale, mit dem Val-Barker-Pokal als technisch besten Boxer der Spiele ausgezeichnet. Ein billiger Trostpreis. Die Fortsetzung der Amateurkarriere war nach dieser Erfahrung kein Thema mehr für den schockierten Athleten.

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