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Olympische Geschichten (4) : Gold-Coup unter Blitz und Donnergrollen

  • -Aktualisiert am

Wozu aufregen? Der stoische Warwick Rex erträgt den tropischen Regenguss, als gäbe es ihn gar nicht. Bild: Imago

Montreal 1976: Alwin Schockemöhle und Warwick Rex trotzen im Reitstadion dem Wetter und den riesigen Hindernissen. Es kommt zu einem dramatischen Finale, wie man es so noch nicht erlebt hat.

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          Als der morgendliche Dunstschleier sich lichtet, gibt er den Blick frei auf die Hindernisse im Reitstadion von Bromont. Eigentlich ist hier in der olympischen Außenstelle die ländliche Idylle daheim. Wer am elften Tag der Olympischen Spiele der Millionenstadt Montreal den Rücken kehrt, atmet in der Weite des Landes durch. Doch dieser Tag sollte mit dem unbarmherzigen Finale im Einzelspringen eine dramatische Zuspitzung mit sich bringen, wie es sie am Hofe Olympias nie zuvor gegeben hatte und wohl auch nicht mehr geben wird. „Meine Güte, sind das Klamotten“, stöhnte Alwin Schockemöhle beim Abgehen des Parcours. 47 Reiter aus 20 Nationen waren sich einig: Hindernisse an der Grenze des Machbaren. Nach heutigen Maßstäben ein Fall für den Tierschutz.

          Goldenes Team: Alwin Schockemöhle präsentiert mit Warwick Rex seine Medaille.
          Goldenes Team: Alwin Schockemöhle präsentiert mit Warwick Rex seine Medaille. : Bild: dpa Picture-Alliance / Horst Oss

          Der Tag endet mit Gold für Alwin Schockemöhle mit dem zehnjährigen Hannoveranerwallach Warwick Rex. Dabei war das Gespann ursprünglich nicht einmal für den Start in Bromont vorgesehen. Paul Schockemöhle mit Talisman, Sönke Sönksen mit Kwept und Routinier Hans Günter Winkler mit Torphy sollten es nach dem Votum der Funktionäre für Deutschland richten. Europameister Alwin Schockemöhle als Stand-by-Lösung? Dann lieber gar nicht, war dessen Reflex noch im Juli nach der Nominierungsrunde ohne ihn, die er als unangebrachte Zurücksetzung empfand. Sein Bruder Werner war es, der Alwin umstimmte. Als hätte der Rechtsanwalt, der einzige Nichtreiter unter Brüdern einer Bauernfamilie, geahnt, dass Alwin seine Chance bekommen würde. Aber ein Happy End von dieser Dimension, ohne einen einzigen Abwurf in Bromont? Nicht im Traum! Die Begleitumstände waren so einzigartig wie der Triumph an sich.

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