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Österreicher bei Sommerspielen : Endlich eine Medaille ohne Skischuhe

Österreichs Vorzeigepaar bei den Sommerspielen: Thomas Zajac und Tanja Frank Bild: dpa

Im Gegensatz zum Winter sind Österreichs Sportler bei Sommerspielen kaum konkurrenzfähig. Auch nach der ersten Medaille seit acht Jahren kommt wenig Freude im Alpenland auf.

          Nicht nur bei Schnee und Eis, sondern auch auf dem Wasser können Österreicher erfolgreich Sport treiben. Die Segler Tanja Frank und Thomas Zajac haben bei Olympia in Rio de Janeiro die Bronze-Medaille in der Nacra-17-Klasse gewonnen. Neben Lob für die Leistung der beiden Wiener Katamaran-Segler und Erleichterung über das Ende der medaillenlosen Zeit bei Sommerspielen blühte in der Alpenrepublik danach auch der Spott: „Flüchtlingskind rettet Österreich“, lautete eine der Schlagzeilen – denn Zajacs Eltern stammen aus Polen.

          Fast auf den Tag acht Jahre war es her, dass zuletzt eine rot-weiß-rote Sportlerin bei Olympischen Sommerspielen eine Medaillen gewinnen konnte, damals übrigens auch in einer Wassersportart: Am 15. August 2008 hatte sich Violetta Oblinger-Peters Bronze im Kanu-Slalom gesichert. Seitdem herrschte Ebbe, vor allem die komplett medaillenlosen Spiele 2012 zerrten an den Nerven. In Rio sollten es nun mindestens drei Edelmetallplaketten sein, lieber fünf. Doch es wird wohl bei der einen bleiben.

          Nach 13 Wettfahrten in der Nacra17-Klasse gewann Österreichs Segel-Duo Bronze

          71 Sportler hatte das Land der Berge an die Strände von Rio entsandt, 41 davon Angehörige des Heeres. Doch Medaillen lassen sich eben nicht befehlen. Erst am elften von 16 Wettkampftagen wurde der Bann gebrochen – dank der beiden Segler aus Wien. Zwar hatte das Heeresministerium nach der Enttäuschung von London zwanzig Millionen Euro extra bereit gestellt. Doch die Kritik am Fördersystem ist immer noch laut. Zu teuer, und vor allem zu ineffektiv, heißt es. Von einem Euro würden angesichts der Verwaltungskosten nur sechs Cent für den Sport übrig bleiben, hatte das Boulevardblatt „Krone“ ausgerechnet.

          Nicht mal der Schröcksnadel kann das Projekt Rio retten

          Kaum ein Trost ist es da, dass die Norweger, im Wintersport mittlerweile sogar noch erfolgreicher als die Österreicher, in Rio auch erst drei Bronzemedaillen gewonnen haben. Eher schmerzt es, das die Alpenrivalen aus der Schweiz schon fünf Mal ihre Sportler auf dem Treppchen sahen - zwei sogar ganz oben. Während die Eidgenossen damit ihre Medaillenvorgabe schon nach gut der Hälfte der Spiele erfüllten, konnte bei den Österreichern selbst der mächtige Präsident des österreichischen Skiverbands die Bilanz nicht retten.

          Peter Schröcksnadel, Koordinator des „Projekts Rio“, war nach Brasilien gereist, um Kraft seiner Aura für Medaillen zu sorgen. Es klappte nicht. Danach sagte er der „Krone“, es sei im Sommer auch nicht schwieriger, als im Winter, Erfolg zu haben. Man müsse nur professioneller werden. Und wenigstens „totalen Einsatz“ könne man von den Athleten verlangen. Der sei in Rio nicht bei allen Sportlern zu sehen gewesen.

          Medaillen-Glück mit Rot-weiß-rot.

          Wenigstens das Segler-Paar Tanja Frank und Thomas Zajac kämpfte nach dem Geschmack des Projektleiters. Auf der letzten Wettfahrt der Vorrunde meisterten sie sogar eine „Ausnahmesituation“. Nachdem das Trapez gerissen und Steuermann Zajac über Bord gegangen war, übernahm Vorschoterin Tanja Frank das Steuer, holte ihren Partner zurück an Bord und hielt das Boot auf Medaillenkurs. Dass die 23-Jährige ein Glücksfall für Österreichs Mannschaft ist, zeigt auch ihre Lebensgeschichte: sie wurde als Baby adoptiert – von einem Segelschulbesitzer. Der förderte sie nach Kräften, und zwar auf allen Ebenen. Mit 14 Jahren begann die Hochbegabte schon mit einem Biologiestudium. Ihr steht die Welt offen. Seit 2012 teilt sie sich nun ein Boot mit Thomas Zajac.

          Der wiederum hat das Segeln im Blut, denn sein Vater trat bei den Spielen 1980 in der Soling-Klasse an - allerdings für Polen. Als Thomas gerade mal zehn Jahre alt war, starb sein Vater bei einem Unfall im Paragleiten. Auch er selbst hat das Schicksal schon herausgefordert: 2009 war er beim Klettern abgestürzt und hätte beinahe eine Lähmung davon getragen. Doch schon vier Monate später wurde er Weltmeisterschaftszweiter in der Tornado-Klasse. Männer wie er würden sicherlich auch im Wintersport für Furore sorgen. Das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich hat er 2010 schon erhalten.

          Segeln, Mixed, Nacra 17

          Gesamtwertung, Endstand nach 13 Wettfahrten:

          Gold: Santiage Lange/Cecilia Carranza Saroli (Argentinien) 77 Pkt.
          Silber: Jason Waterhouse/Lisa Darmanin (Australien) 78
          Bronze: Thomas Zajac/Tanja Frank (Österreich) 78
          4. Gemma Jones/Jason Saunders (Neuseeland) 81; 5. Vittorio Bissaro/Silvia Sicouri (Italien) 84; 6. Billy Beson/Marie Riou (Frankreich) 93; 7. Matias Buhler/Nathalie Brugger (Schweiz) 100; 8. Bora Gulari/Louisa Chafee (USA) 106.

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