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Finale gegen Deutschland : Wie Neymar Brasilien neue Hoffnung geben will

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Platz da, jetzt komm’ ich: Neymar will Gold mit Brasilien Bild: AP

Noch immer belastet die 1:7-Blamage bei der WM gegen Deutschland die Seelen der Brasilianer. Nun soll das Team um Superstar Neymar die Schmach mit einem Olympiasieg vergessen machen. Dafür tut das Land fast alles.

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          Das Unternehmen Gold begann mit einem medialen Ritterschlag. Gerade hatte Neymar die Leistungen und auch die Einstellung der A-Nationalmannschaft seines Heimatlandes nach der Entlassung von Nationaltrainer Dunga im Anschluss einer enttäuschenden Copa America scharf kritisiert, da machte ihn Rios wichtigste Tageszeitung „O Globo“ flugs zum Staatsoberhaupt: „Senhor Presidente“ lautete die Schlagzeile auf Seite eins.

          Doch allzu staatsmännisch kam der inzwischen 24 Jahre alte Kapitän der brasilianischen Olympia-Auswahl zu Beginn des Turniers nicht daher. Nach zwei torlosen Unentschieden gegen Südafrika und den Irak drohte zwischenzeitlich sogar die Entmachtung des seltsam kraftlos wirkenden Weltstars vom FC Barcelona. Ausgerechnet Brasiliens Spielmacherlegende Zico fällte ein vernichtendes Urteil: Es fehle Neymar an der notwendigen charakterlichen Reife, um die Auswahl zu führen, befand der „weiße Pelé“. Vom Präsidenten zum Flegel - und das alles in nicht mal einer Woche: Neymar hat innerhalb weniger Tage durchgemacht, was andere nicht einmal in einer ganzen Karriere erleben. Doch das letzte Kapitel dieser Telenovela mit vielen dramatischen Wendungen ist noch nicht geschrieben. Es fehlt das krönende Happy End.

          Schützenfest gegen Honduras

          Inzwischen zeigt sich auch Zico wieder besänftigt. Die starken Leistungen Neymars zunächst gegen Dänemark im abschließenden Gruppenspiel (4:0), den neuen Erzrivalen Kolumbien (2:0) im emotional aufgeladenen und zum Teil brutalen Viertelfinale (2:0) und schließlich beim Schützenfest gegen Honduras im Halbfinale (6:0) ließen das Pendel wieder in die andere Richtung ausschlagen. „Zuvor hatten die brasilianischen Fans bei den Spielen der Seleção sogar mit „Marta, Marta“-Rufen ihren Protest ausgedrückt.

          Die ehemalige Weltfußballerin hatte bis dato mit überragenden Leistungen geglänzt. Doch nun spielt Marta nur um Platz drei, und auch die umgestalteten Trikots einer brasilianischen Designerin, auf deren Rücken der Name Neymar durchgestrichen und durch Marta ersetzt wurde, verschwinden wieder in den Kleiderschränken. Die Modelinie Neymar erscheint wieder opportuner, Marta ist schon wieder Geschichte.

          Neymar drückt diesem olympischen Turnier seinen Stempel auf. Und er dürfte bei einer entsprechenden Leistung im Finale gegen die DFB-Auswahl von Trainer Horst Hrubesch sogar Außenseiterchancen haben, bei der Wahl zum Weltfußballer die ewige Dominanz von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo zu brechen. Es geht aber um weit mehr als nur Neymar. Brasiliens Tageszeitungen quellen zwei Jahre nach der historischen 1:7-Schlappe gegen Deutschland im WM-Halbfinale von Belo Horizonte über vor Revanchegelüsten.

          Kein anderes Ereignis hat die Seele dieser durch und durch von Fußball dominierten Nation geprägt. Dabei ist keiner der aktuellen Auswahlspieler der Seleção, die am Samstag im Maracana die Scharte auswetzen soll, damals auf dem Rasen gestanden, als Deutschland Brasilien in eine zweijährige Dauerdepression schickte. Neymar fehlte wegen eines brutalen Tritts in den Rücken und musste die Schmach am Fernseher mitverfolgen. Die Legende besagt, der damals 22-Jährige habe sich schon zur Pause zum Tischfußballspielen zurückgezogen.

          Es geht auch darum, dass Brasilien wieder Hoffnung findet in eine neue Generation. Hinter Neymar sind es junge Spieler wie Gabriel Jesus, die das Gesicht der künftigen A-Auswahl prägen sollen. Die, mit der Gnade der späten Geburt gesegnet, unbelastet von dem Trauma von Belo Horizonte, wieder eine erfolgreiche Ära einläuten soll. Die beginnt übrigens schon in wenigen Tagen, wenn Brasiliens neuer Nationaltrainer Tite im Rahmen der WM-Qualifikation in der Höhe des ecuadorianischen Quito das Steuer herumreißen soll. In den bislang desaströsen Eliminatorias rangiert Brasilien nach einem Drittel der absolvierten 18 Spieltage auf einem blamablen sechsten Rang, der nicht zur Teilnahme an der WM 2018 in Russland berechtigen würde.

          Will am Ende wieder jubeln: Neymar nach dem Halbfinale gegen Honduras

          Doch zuvor haben Neymar und Co. noch eine andere Aufgabe zu erfüllen: „Wir wollen Gold. Alles andere wäre eine Enttäuschung.“ Seit dem 17. Juli hatte Trainer Rogério Micale seine Spieler im Trainingszentrum Granja Comary zusammengezogen. Zuvor hatte ein Testspielmarathon all jene Spieler ausgesiebt, die für das Unternehmen Gold in Frage kommen. An diesem Samstag (22.30 Uhr MESZ / Live in der ARD und im Olympiaticker auf FAZ.NET) soll das alles zur ersten olympischen Goldmedaille für den brasilianischen Fußballverband überhaupt führen. Bis dato werden alle Erinnerungen an die Schmach von Belo Horizonte im Stadtbild getilgt. Der WM-Triumph der deutschen Fußballer, verewigt von Straßenkünstler Jambeiro an einer Außenwand des Forte Copacabana, ist während Olympia nicht zu sehen.

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