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Kommentar : Wozu noch Olympia?

  • -Aktualisiert am

Irgendwas ist falsch: Bei der Eröffungsfeier in Sotschi gibt es nur vier statt fünf olympische Ringe. Bild: dpa

Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees, Russland nicht komplett von den Spielen in Rio auszuschließen, zeugt von Feigheit. Dem IOC und seinem Präsidenten ist der eigene Ruf offenbar völlig gleichgültig.

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          Thomas Bach und Wladimir Putin mag allerlei verbinden, oder auch nicht. In einer Hinsicht unterscheiden sich die beiden allerdings ganz gewiss: Dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ist sein und seiner Organisation Ruf im Gegensatz zum russischen Staatschef offenbar völlig gleichgültig.

          Mit der Entscheidung gegen einen kompletten Ausschluss der russischen Mannschaft von den Olympischen Spielen in Rio hat das IOC jedenfalls die Werte, für die es angeblich steht, verraten. Angesichts dessen muss die Frage erlaubt sein, wer eigentlich solche Olympischen Spiele noch braucht. Die „Ethik“, über die Funktionäre so gerne reden, ist in der Praxis schwerlich mit dem zu vereinbaren, was gemeinhin „Anstand“ genannt wird.

          „Großartige Spiele“ – mit diesen Worten dankte IOC-Chef Bach (l.) dem russischen Präsidenten Putin für Olympia in Sotschi
          „Großartige Spiele“ – mit diesen Worten dankte IOC-Chef Bach (l.) dem russischen Präsidenten Putin für Olympia in Sotschi : Bild: Reuters

          Russland hat, das ist umfangreich dokumentiert, als Staat mit allen Mitteln und Institutionen ein flächendeckendes Dopingsystem geschaffen und unterhalten. Man fragt sich, was eigentlich noch passieren muss, bis sich die Hüter dessen, was einmal olympische Idee hieß, zu wirklich konsequenten Maßnahmen durchringen können.

          Der Ausweg, den einzelnen Fachverbänden die Entscheidung darüber zu überlassen, ob russische Sportler in Rio starten dürfen, zeugt von Feigheit der Entscheider. Veranstalter der Spiele sind nämlich nicht die Fachverbände, sondern das IOC. Das Komitee hätte die Chance gehabt, angesichts einer eindeutigen Faktenlage dem Leistungssport allgemein und dem IOC etwas von seiner Glaubwürdigkeit zurückzugeben. Es hat sich entschieden, sie nicht zu nutzen.

          Putins Prestige – für ihn ein sehr wichtiger politischer Faktor – hat unter den Enthüllungen zwar gelitten. Aber Putin wäre nicht Putin, wenn er die IOC-Entscheidung nicht als „Sieg“ über diejenigen, die sich angeblich gegen Russland verschworen hatten, feiern würde. Dazu fahrlässig Beihilfe geleistet zu haben, ist die hochpolitische Hypothek, die das IOC noch bereuen wird. Putin muss nun nämlich glauben, es im Ausland nur mit „Weicheiern“ zu tun zu haben. Und einer wie er weiß, wie man solche Chancen nutzt. Aber für das IOC ist offenbar wichtiger, den olympischen Schein zu wahren.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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