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Olympische Herausforderung : Auf den Punkt topfit

Fit sein, wenn es darauf ankommt: Säbelfechter Hartung Bild: Picture-Alliance

Das ist die Kunst im Sport: das höchste Leistungsniveau im entscheidenden Moment zu erreichen. In der Pandemie ist diese Herausforderung noch mal größer geworden.

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          Es kommt selten vor, dass Max Hartung in seiner Branche etwas nicht einschätzen kann. Als Athletensprecher in Deutschland kommentiert er schon seit vielen Jahren, was sich im Sport tut und vor allem nicht tut. Seine Einschätzungen sind fast immer on point. In den aufreibenden Wochen vor den Spielen konnte man das mal wieder besonders gut beobachten. Und so ist es mindestens kurios, dass er nun, da die Spiele schon angefangen haben, ausgerechnet eines nicht einschätzen kann: wie gut er momentan ficht.

          An diesem Samstag werden in Tokio die ersten Medaillen verteilt, und Hartung, der Säbelfechter aus Köln, ist einer von denen, die eine gewinnen können. In der Makuhari-Messe startet er im Einzelwettbewerb. Und wenn er dort auf der Planche steht, wird er für sich früher oder später wohl eine erste Antwort auf die große sportliche Frage dieser Sommerspiele finden: Was muss man eigentlich für eine Medaille leisten?

          Wenn Hartung in den vergangenen Monaten mit dem Säbel gefochten hat, stand ihm meistens ein Mitstreiter aus Deutschland gegenüber. Es gab fast keinen internationalen Wettkampf, seit sich das Coronavirus im Frühjahr 2020 auf dem Planeten verbreitet hat. Er weiß daher nicht, wie gut seine Konkurrenten aus dem Ausland sind, was sie in der Vorbereitung getan haben und was auch nicht. Man muss es leider immer wieder sagen: Das Virus ändert alles. Auch den Medaillenspiegel.

          Übrigens nicht nur, wie dieser aussieht, sondern auch, wie wir ihn wahrnehmen. In den Monaten der Pandemie ist gelegentlich diskutiert worden, ob ein Sieger unter diesen Umständen womöglich nur ein Sieger mit Sternchen ist. Ein Beispiel: Als die Fußballspieler des FC Bayern München im Sommer 2020 die Champions League gewannen, setzten manche so ein Sternchen. Sie wiesen darauf hin, dass die Bayern sich vor dem Finalturnier länger schonen konnten als die meisten Mannschaften und vom Modus (kein Rückspiel) profitierten. Das kann schon sein. Und trotzdem haben sie damals geschafft, was die meisten nicht schaffen: auf den Punkt in Topform zu sein.

          Es ist die wohl größte Herausforderung eines Athleten, sein höchstes Leistungsniveau im richtigen Moment zu erreichen. In der Pandemie ist diese Herausforderung noch mal größer geworden. Das lässt sich auch daran ablesen, wie viele Ausnahmesportler freiwillig auf die Sommerspiele in Tokio verzichten. Die Sternchensetzer würden nun wohl zum Beispiel mit Blick auf das Tennisturnier provokant fragen: Wie sehr glänzt eine Goldmedaille, um die Rafael Nadal oder Serena Williams gar nicht erst spielen wollten? Man sollte mit einer Gegenfrage widersprechen: Wann bitte musste man mehr Hindernisse überwinden, um an diese Goldmedaille zu kommen?

          Wer in Tokio gewinnt, hat etwas Erstaunliches geleistet. Er oder sie hat sich nicht von den Umständen unterkriegen lassen – und danach noch die Kraft im Körper und vor allem im Kopf gefunden, alles in einem Wettkampf, manchmal nur in einer Aktion, zu kanalisieren. Wie schwer das ist, mussten in dieser Woche die Frauen erfahren, die eigentlich cooler scheinen als alle anderen: Am Mittwoch haben Megan Rapinoe und die amerikanischen Fußballspielerinnen ihr Olympia-Auftaktspiel 0:3 verloren.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

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