https://www.faz.net/-gtl-8jwvj

Gelähmte Stabhochspringerin : Kira Grünbergs Sprung in ein anderes Leben

  • -Aktualisiert am

Kira Grünberg: Mein Leben ist jetzt natürlich anders als vor einem Jahr, aber nicht besser oder schlechter – einfach anders.“ Bild: dpa

Die Olympischen Spiele in Rio waren ihr erstes großes Ziel – doch dann verunglückte Kira Grünberg. Seitdem ist die einstige Stabhochspringerin querschnittgelähmt. Ein Besuch.

          Stabhochsprung war ihr Leben. Schon als 13-Jährige hatte sie den Reiz dieser zirzensischen Disziplin entdeckt. Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro waren ihr erstes großes Ziel, die Spiele 2020 in Tokio ihr großer Traum. Kira Grünbergs Ziele und Träume sind im vergangenen Sommer jedoch jäh geplatzt. Ein Trainingsunfall hat ihr Leben und das ihrer Familie komplett verändert.

          Donnerstag 30. Juli 2015, in der Trainingshalle des Olympiazentrums in Innsbruck. Ein ganz normaler Trainingstag: Aufwärmen, Koordinationsübungen und Sprünge mit dem Glasfiberstab über eine Schnur sind angesagt. Vater Frithjof Grünberg, der auch der Heimtrainer von Kira ist, und Mutter Karin, mit der Videokamera in der Hand, stehen rechts und links vom Einstichkasten, wie so oft. Doch diesmal kommt alles anders.

          „Da war mir gleich alles klar“

          Acht Schritte Anlauf, Kira Grünberg sticht den Stab in den Einstichkasten, rollt sich ein, überquert die Schnur und fällt aus vier Meter Höhe herunter. Nicht wie üblich auf die Schaumstoffmatte, sondern in den harten Einstichkasten. Die 21 Jahre alte Athletin war zu weit vor der Matte gelandet. „Ich habe meine Arme und Beine nicht mehr gespürt, da war mir gleich alles klar“, erinnert sich die österreichische Rekordhalterin unter Tränen noch genau an ihren Unfall im Juli 2015. „Kira hat sofort registriert, was los war“, ergänzt Frithjof Grünberg.

          Kira Grünberg vor ihrem Sturz: Die Olympischen Spiele in Rio waren ihr großes Ziel.

          Kira Grünberg hat sich den fünften Halswirbel gebrochen. Eine mehrstündige Notoperation im Innsbrucker Krankenhaus verhinderte, dass sie erstickte. Erschütternde Diagnose: Querschnittslähmung. Es war der letzte Sprung von der großen österreichischen Leichtathletik-Hoffnung. „Sie hatte das Potential, in naher Zukunft in die Bereiche vorzustoßen, in denen man internationale Medaillen gewinnt“, sagt Herbert Czingon, 35 Jahre lang Bundestrainer, der zuletzt 18 Monate einmal wöchentlich auch mit Kira Grünberg zusammengearbeitet hatte. Nun ist sie auf den Rollstuhl angewiesen.

          „Das war für uns die Stunde null, der Start in ein anderes Leben“, sagt Vater Grünberg. Es folgen acht Monate Rehabilitation in Bad Häring 70 Kilometer von Innsbruck entfernt. Über ihren Manager Tom Herzog gibt Kira Grünberg aus der Reha schon bald ein bemerkenswertes Signal: „Ich weiß, dass ich jetzt eine Verantwortung habe, und werde versuchen, jeden Tag zu trainieren und zu kämpfen, so wie wir es früher auch gemacht haben. Vielleicht erreichen wir doch mehr, als alle glauben, und dann kann ich sicher vielen Menschen mit einem ähnlichen Schicksal etwas zurückgeben. Nämlich die Hoffnung und Kraft, die mir jetzt so viele Menschen zukommen lassen.“ Sportler, Politiker und Freunde nehmen großen Anteil am Schicksal der Kira Grünberg.

          Diskuswurf-Olympiasieger Robert Harting, Stabhochsprung-Weltrekordhalter Renaud Lavillenie, Ski-Olympiasiegerin Anna Fenninger oder der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer kommen ans Krankenbett. Das Medieninteresse in mehr als 80 Ländern ist groß. Doch wenn die Kameras ausgehen, ist Kira Grünberg mit ihrer Familie, den Ärzten und ihrem Schicksal wieder allein. Die Eltern kämpfen für ihre Tochter. Manchmal geht es über ihre Kräfte. „Wir sind an unseren Grenzen angekommen“, gesteht Frithjof Grünberg. Die Tochter fordert eine Rundumbetreuung. Anziehen, Katheter legen - Pflege ist wie hartes Training. „Kira wird drei Jahre brauchen, um sich psychisch von diesem Unfall zu erholen.“

          Weitere Themen

          Auf der Welle zum Rekord Video-Seite öffnen

          „Big Wave“-Surfer in Portugal : Auf der Welle zum Rekord

          Sebastian Steudtner surft in seiner Wahlheimat, dem portugisischen Nazaré, auf gigantische Wellen. Zwischen „Bergen aus Wasser“ surft der 33-jährige Deutsche, der schon zweimal den begehrten XXL Global Big Wave Award gewann, allerdings relativ gelassen.

          Topmeldungen

          Der Regelfall: Deutsche Polizisten als Freunde und Helfer beim DfB-Pokalspiel am 18. August in Ulm

          „NSU 2.0“ in Frankfurt : Die Polizei – dein Feind und Henker?

          Rechtsextreme drohen einer Frankfurter Anwältin, ihre zwei Jahre alte Tochter zu ermorden. Spuren führen zu einem rechtsextremen Netzwerk inmitten der Frankfurter Polizei. Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen zeigen sich alarmiert.

          Reisewarnung wegen Brexit : Warnt May die Briten vor Europareisen?

          Der Brexit steht vor der Tür und ob es einen Deal gibt, ist immer noch unklar. Angeblich plant die britische Regierung darum eine Reisewarnung für Europa. Die Regierung dementiert. Doch die Unruhe wächst.

          Schwangerschaftsabbrüche : Die alten Gräben

          In der Debatte über das Werbeverbot für Abtreibungen wird viel Falsches behauptet. Auf beiden Seiten des ideologischen Grabens. Dabei darf man auch den größten Missstand nicht aus dem Auge verlieren. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.