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Silber über 100 Meter Brust : Jefimowas Tränen und die Suche nach Trost

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Bittere Tränen: Julia Jefimowa weint nicht wegen der verpassten Goldmedaille. Bild: AP

Von der Konkurrenz ignoriert, vom Publikum ausgebuht: Nach dem Gewinn der Silbermedaille brechen bei Dopingsünderin Julija Jefimowa alle Dämme. Danach bittet die Schwimmerin um Verständnis.

          Dopingsünderin Julija Jefimowa hat als Olympia-Zweite die Wut und Ablehnung der Schwimm-Welt zu spüren bekommen. Nach dem Rennen über 100 Meter Brust wurde sie im Becken von den Konkurrentinnen ignoriert, zuvor bekam sie bei ihrer Vorstellung Buhrufe und Pfiffe des Publikums zu hören. Vom tags zuvor noch zur Schau gestellten Dauerlächeln war nichts mehr zu sehen, stattdessen weinte Jefimowa in den Armen eines russischen TV-Reporters.

          Nachdem sie tapfer allen TV-Stationen Rede und Antwort gestanden hatte, vergoss sie in der Interviewzone bei der Ehefrau ihres Managers weitere Tränen. „Versuchen Sie mich zu verstehen und mich in meine Rolle hineinzuversetzen“, appellierte sie mit dünner Stimme an die Weltpresse.

          „Ich bin stolz, sauber zu schwimmen“

          Bei Olympiasiegerin Siegerin Lilly King durfte sie auf kein großes Mitgefühl hoffen. „Ich bin stolz, sauber zu schwimmen“, sagte die 19 Jahre alte Amerikanerin. Auf die Frage, warum sie nicht Jefimowa gratuliert hatte, antwortete King kühl: „Wenn ich an ihrer Stelle gewesen wäre, würde ich darauf keinen großen Wert legen, wenn jemand nicht in den höchsten Tönen von mir spricht.“

          Auch Rekord-Olympionike Michael Phelps positionierte sich eindeutig gegen Jefimowa, die sich nach einer Doping-Sperre ihr Startrecht kurz vor den Spielen eingeklagt hatte. Es könne nicht sein, dass nach mehreren positiven Dopingtests Athleten wieder an Wettkämpfen teilnehmen dürften. „Das ist gegen alle Werte des Sports und das kotzt mich an“, sagte Phelps: „Das bricht mir das Herz.“

          Als Olympiasieger jubelten im Olympic Aquatics Stadium zudem der Amerikaner Ryan Murphy (51,97 Sekunden) und Katinka Hosszu aus Ungarn (58,45) über 100 Meter Rücken.

          Enttäuschte Mienen gab es in der deutschen Delegation nach dem sechsten Platz von Paul Biedermann und angesichts der Zeiten, für die es Medaillen über 200 Meter Freistil gab. „Das tut doppelt weh“, sagte Chefbundestrainer Henning Lambertz, der jetzt erst einmal voll auf die Freistilstaffel über 4 x 200 Meter setzt. „Die Jungs werden richtig vorne angreifen.“

          Die Freistilstaffel um Biedermann hat eine kleine Außenseiterchance, dazu greifen zwei andere Medaillenhoffnungen des Deutschen Schwimm-Verbandes an. Weltmeister Marco Koch springt über 200 Meter Brust ins Becken, Europameisterin Franziska Hentke über 200 Meter Schmetterling. Bei beiden stehen aber erst einmal die Vorläufe an. Sollten weder die beiden noch die Staffel Erfolg haben, dürfte es wie bei den Spielen in London wieder eine Nullnummer im Becken geben. Denn wie erwartet verpasste Alexandra Wenk über 200 Meter Lagen das Finale.

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