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Abfällige Aussage über Frauen : Japans Olympia-Chef Mori vor dem Rücktritt

Der Rücktritt von Yoshiro Mori ist wohl nur noch eine Frage der Zeit. Bild: Reuters

Weniger als sechs Monate sind es noch bis zum geplanten Olympia-Start in Tokio. Nun wird offenbar der Präsident des Vorbereitungskomitees zurücktreten. Yoshiro Mori hatte sich abfällig über Frauen geäußert.

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          Der Präsident des Vorbereitungskomitees für die Olympischen Spiele in Tokio in diesem Sommer, Yoshiro Mori, wird von seinem Amt zurücktreten. Das berichten japanische Medien unter Berufung auf Personen im Umfeld des früheren Ministerpräsidenten. Der 83 Jahre alte Mori habe sich zum Rücktritt entschlossen, heißt es in den Berichten.

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          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der Sprecher des Organisationskomitees lehnte einen Kommentar ab. Das Komitee hatte schon zuvor für diesen Freitag eine Sitzung einberufen, auf der über Mori und seine abfällige Bemerkung über Frauen diskutiert werden sollte. Erwartet wird nun, dass er dann seinen Rücktritt bekannt geben wird. Der Fernsehsender TBS berichtet derweil, dass der Bürgermeister des Olympischen Dorfes, Saburo Kawabuchi, Mori ersetzen solle. Kawabuchi war früher Präsident der japanischen Fußballvereinigung.

          Mori hatte vergangene Woche in einer Sitzung des Japanischen Olympischen Komitees gesagt, dass Vorstandssitzungen mit Frauen sich in die Länge zögen, weil die miteinander konkurrierenden Frauen alle sprechen wollten. „Wenn eine von ihnen ihre Hand hielt, denken Sie wahrscheinlich, dass sie auch etwas sagen müssen. Und dann sagen alle etwas“, sagte Mori nach Medienberichten.

          Er zitierte auch den Ratschlag einer nicht bekannten Person, dass man Zeitgrenzen für Redebeiträge einführen müsse, falls mehr Frauen in das Gremium kämen. Seine Bemerkung bezogen sich auf das Vorhaben des Nationalen Olympischen Komitees, die Zahl der Frauen im Direktorium von 20 auf 40 Prozent zu steigern.

          IOC distanziert sich von Äußerung

          Die abfällige Bemerkung hatte in Japan und auch international einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Mori zog die Bemerkung zurück und bat um Entschuldigung, schloss aber einen Rücktritt aus, um seiner Verantwortung für das Gelingen der Olympischen Spiele gerecht zu werden. In manchen Äußerungen ließ Mori aber schon vergangene Woche durchblicken, dass letztlich ein Rücktritt unausweichlich werden könne. Es heißt, dass Mori unter anderem aus den Reihen des Organisationskomitees gedrängt wurde, nicht zurückzutreten.

          Das Internationale Olympische Komitee distanzierte sich von der Äußerung, erklärte die Sache mit der Bitte um von Entschuldigung von Mori aber zunächst als erledigt. Japans Ministerpräsident Yoshihide Suga sagte, die Bemerkung wäre besser nicht gefallen, enthielt sich aber jeglichen Forderung nach einem Rücktritt Moris. Kommentatoren in japanischen Medien erklären das mit dem großen Einfluss, den der ehemalige Ministerpräsident Mori in der Partei hat. Vertreter der im Parlament zahlenmäßig kleinen Opposition forderten dagegen den Rücktritt Moris.

          Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die japanische Gesellschaft, die sich mit der Gleichberechtigung der Geschlechter schwer tut. In einer Rangliste des Weltwirtschaftsforums zur Gleichberechtigung rangiert Japan, die nach Amerika und China drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, nur auf Platz 121 von 153 Staaten. Der Eklat hat das Thema Gleichberechtigung in den vergangenen Tagen in Japan aber weit nach vorne gespielt und wohl auch stärker im Bewusstsein verankert.

          Erst am Mittwoch hatte der Präsident des weltgrößten Autoherstellers Toyota Motor, Akio Toyoda, in einer seltenen Erklärung gesagt: „Wir sind enttäuscht von den jüngsten Kommentaren.“ Moris Bemerkungen stünden im Widerspruch zu den olympischen Werten der Nicht-Diskriminierung, die Toyota respektiere und unterstütze. Der Autohersteller ist einer der großen Sponsoren des IOC und hat in Japan eine gewisse Vorbildfunktion.

          Hiroaki Nakanishi, der Chef des mächtigen Wirtschaftsverbands Keidanren, wurde noch deutlicher und sagte, die Kommentare Moris hätten die „wahren Gefühle“ der japanischen Gesellschaft offengelegt. Es bleibe ein Problem, wie Japan die traditionell benachteiligten Gruppen behandele.

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          Die Olympischen Spiele in Tokio waren im vergangenen Jahr wegen der Coronavirus-Pandemie auf dieses Jahr verschoben worden. Sie sollen nun am 23. Juli beginnen. Japan setzt alles daran, dass die Milliardeninvestitionen für die Spieler sich rentieren und das Sportereignis stattfindet. Zusammen mit dem Internationalen Olympischen Komitee erarbeitet das Land Sicherheitsstandards mit Tests und Abstandsregeln, um eine Verbreitung des Coronavirus während der Spiele zu verhindern. Unklar ist dabei vor allem, wie viele Gäste und Touristen den sportlichen Wettkämpfen der rund 11.000 Athleten beiwohnen werden können. Bei den anschließenden paralympischen Spielen werden weitere 4400 Sportler erwartet.

          Image der Spiele in Tokio beschädigt

          Der Eklat um Mori, der großen Einfluss in der regierenden liberaldemokratischen Partei hat, droht das durch die Verschiebung und Kostensteigerungen schon beschädigte Image der Spiele weiter in Misskredit zu ziehen. In jüngsten japanischen Meinungsumfragen erklärten fast 80 Prozent der Befragten, dass sie das Sportereignis in diesem Jahr in Tokio nicht wünschen. Eine abermalige Verschiebung ist nach den Worten von IOC-Präsident Thomas Bach und auch von Mori aber ausgeschlossen.

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