https://www.faz.net/-gtl-a8ixs

Moris Äußerung über Frauen : Tokio sucht neuen Olympia-Chef nach Rücktritt

„Meine unangemessene Äußerung hat viel Chaos verursacht“: Yoshiro Mori Bild: Reuters

Ein halbes Jahr vor Olympia in Tokio steht das lokale Vorbereitungskomitee führungslos da. Yoshiro Mori trat nach seiner Äußerung über Frauen zurück. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin soll nun möglichst schnell gefunden werden.

          1 Min.

          Weniger als sechs Monate vor Beginn der Olympischen Spiele in Tokio steht das lokale Vorbereitungskomitee führungslos da. Der bisherige Präsident Yoshiro Mori erklärte seinen Rücktritt, doch der anvisierte Nachfolger ließ verkünden, dass er für das Amt nicht zur Verfügung stehe. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin soll nun möglichst schnell gefunden werden.

          Wissen war nie wertvoller

          Sichern Sie sich mit F+ 30 Tage lang kostenfreien Zugriff zu allen Artikeln auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN
          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Ein Zieldatum gebe es aber nicht, erklärte der Generaldirektor des Organisationskomitees, Toshiro Muto, vor Journalisten. Spekuliert wird über die 56 Jahre alte Olympiaministerin Seiko Hashimoto, die als Eisschnellläuferin und als Bahnradfahrerin für Japan in sieben Olympischen Spielen antrat und eine Bronzemedaille holte.

          Mori zog die Konsequenz aus seiner abfälligen Bemerkung über Frauen, die in Japan und international einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen hatte. „Meine unangemessene Bemerkung verursachte viel Verwirrung“, sagte der frühere Ministerpräsident und entschuldigte sich abermals. Das Wichtigste sei, die Spiele im Juli abzuhalten. „Ich kann diesem Ziel nicht im Wege stehen“, sagte Mori. Vergangene Woche hatte der 83 Jahre alte Mori auf einer Sitzung des Japanischen Olympischen Komitees geklagt, dass Sitzungen mit Frauen sich in die Länge zögen, weil die miteinander konkurrierenden Frauen alle sprechen wollten.

          „Nicht über Geschlecht diskutieren“

          Überlagert wurde der Ärger über die unfreundliche Bemerkung Moris durch den abrupten Abgang des erwarteten Nachfolgers, Saburo Kawabuchi. Der früher Fußball-Nationalspieler und erfolgreiche Sportmanager war am Donnerstag von Mori gebeten worden, das Amt zu übernehmen. Doch die Absprache platzte über Nacht. Kawabuchi erklärte am Freitag, dass er nicht zur Verfügung stehe.

          Sein Problem mag gewesen sein, dass er mit 84 Jahren ein Jahr älter als Mori und männlich ist. Nach japanischen Medienberichten soll Ministerpräsident Yoshihide Suga eine Präferenz für eine jüngere Nachfolgerin gezeigt haben. Kritik wurde auch daran laut, dass mit Kawabuchi der Nachfolger in einer intransparenten Hinterzimmerabsprache ausgeklüngelt worden wäre.

          Das Organisationskomitee will nun einen nach Geschlechtern paritätisch besetzten Berufungsausschuss einsetzen, der aus einer Kandidatenliste einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin Moris bestimmen soll. „Wir sollten nicht über das Geschlecht diskutieren, sondern die richtige Person auswählen“, sagte Generaldirektor Muto. Das Komitee will ferner einen Ausschuss zur Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzen und den Frauenanteil im Vorstand erhöhen. Derzeit gibt unter den 38 Mitgliedern acht Frauen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ende einer Amtszeit: Sebastian Kurz gibt am 9. Oktober 2021 seinen Rücktritt bekannt

          Frankenberger fragt : Ist das „System Kurz“ am Ende, Ursula Plassnik?

          Sebastian Kurz galt als politisches Wunderkind - jetzt ist er bereits zum zweiten Mal als Bundeskanzler Österreichs zurückgetreten. Wie geht es nun weiter? Wir fragen Ursula Plassnik, frühere Außenministerin des Landes.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.