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IOC und Japan : Beim Geld wird es mit Optimismus schwierig

Faustschlag: IOC-Präsident Bach (l.) und Japans Premierminister Suga Bild: Reuters

IOC-Chef Bach wirbt weiter kräftig für Olympia in Japan. Eine umfassende Corona-Impfung von Athleten soll dabei helfen. Auch die Gastgeber sichern zu, dass die Spiele auf jeden Fall stattfinden sollen.

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          Hände schütteln, Ellbogen reiben oder die Fäuste leicht berühren? Japans Ministerpräsident Yoshihide Suga und der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, zögerten, als sie am Montag in Tokio zu einem Gespräch über die auf den kommenden Sommer verschobenen Olympischen Spiele zusammentrafen. Dann aber gab es den freundlichen Faustgruß. Bach sprach später von „einer totalen Übereinstimmung in der vollen Entschlossenheit“, die Olympischen Spiele im kommenden Sommer in Tokio zum Erfolg zu führen. Mit Tokios Gouverneurin Yuriko Koike touchierte Bach später die Ellbogen, doch die gemeinsame Entschlossenheit auf dem Weg zu den Spielen blieb bestehen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der Wille der japanischen Regierung auch unter dem neuen Ministerpräsidenten Yoshihide Suga, die Spiele nicht noch einmal zu verschieben, steht außer Frage. Ein gelungenes Sportfest als „Beweis, dass die Menschheit das Virus besiegt hat“, wie Suga sagt, käme vor der Parlamentswahl im kommenden Herbst gelegen. Die offene Frage ist, unter welchen Bedingungen die Olympischen Spiele stattfinden können.

          Impfungen für die Teilnehmer

          Athleten und Funktionäre können kommen, aber wie ist es mit den Sportfans? Bach zeigte sich in Tokio zuversichtlich, dass eine „vernünftige Zahl“ an Zuschauern dabei sein werde. Japan hielt in den vergangenen Wochen sportliche Testevents mit Zehntausenden Besuchern und einen internationalen Turnwettkampf ab, um den Virenschutz zu proben. Die angereisten Turnsportler wurden täglich auf das Virus getestet und waren in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. „Das zeigt, dass man auch in diesen Zeiten professionelle Sportveranstaltungen organisieren kann“, lobte Bach. Der deutsche IOC-Präsident setzt seine Hoffnung auch auf die schnelle Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus, als ein weiteres Instrument im Anti-Virus-Werkzeugkasten des IOC.

          Das neue Nationalstadion in Tokio: Im kommenden Sommer sollen hier die Olympischen Spiele stattfinden.
          Das neue Nationalstadion in Tokio: Im kommenden Sommer sollen hier die Olympischen Spiele stattfinden. : Bild: dpa

          Das IOC werde sich dafür einsetzen, dass die olympischen Teilnehmer und die Zuschauer geimpft in Japan eintreffen würden, versprach Bach vor Journalisten, falls bis dahin eine Schutzimpfung zur Verfügung stehe. „Das geschieht aus Respekt vor den Japanern und zum Schutz des japanischen Volkes“, sagte er. Das IOC werde in Zusammenarbeit mit den Nationalen Olympischen Komitees die Kosten für die Schutzimpfung von Teilnehmern übernehmen. Eine Impfpflicht für Sportler und Funktionäre werde es nicht geben, sicherte der IOC-Präsident zu.

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          Optimismus und Zuversicht waren angesagt an diesem Montag in Tokio. Eine Feierstunde gab es auch. Bach verlieh den Olympischen Orden in Gold an den früheren Ministerpräsidenten Shinzo Abe, der sich entschieden für die Spiele in Tokio eingesetzt hatte. Unangenehme Fragen aber wischten er und der Präsident des lokalen Vorbereitungskomitees, Yoshiro Mori, vom Tisch. „Wir erhielten eine Bestätigung, dass keine der IOC-Regeln verletzt wurde“, antwortete Bach eher unwillig auf Fragen nach suspekten Zahlungen von mehr als acht Millionen Dollar des früheren japanischen Bewerbungskomitees an einen Manager der größten japanischen Werbeagentur Dentsu. Über die Zahlungen an Haruyuki Takahashi hatte schon im Frühjahr die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Wofür das Geld gezahlt wurde, ist unklar. Takahashi warb nach eigenen Aussagen auch beim früheren IOC-Mitglied Lamine Diack um eine Stimme für die Spiele in Tokio. Diack, wegen Korruption als Präsident des Internationalen Leichtathletikverbandes zu vier Jahren Haft verurteilt, steht im Mittelpunkt der Untersuchung französischer Staatsanwälte über mögliche Bestechung bei der Vergabe der Spiele an die japanische Hauptstadt.

          Lob für Japans Disziplin

          Mori betonte, er wisse nichts über eine Zahlung des Bewerbungskomitees von 1,3 Million Dollar an ein von ihm geleitetes Institut. Unwirsch und gereizt reagierte er auf Fragen um die Sponsoren der Spiele. Fast drei Milliarden Euro haben die 67 japanischen Sponsoren aufgebracht und müssen ihre Verträge mit Zusatzzahlung zum Jahresende verlängern, um auch bei den verschobenen Spielen dabei zu sein. Doch nach einer Umfrage des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders NHK haben mindestens 33 der Unternehmen noch nicht entschieden, ob sie ihre Verträge verlängern sollen. Nur 16 Unternehmen sind dazu bislang bereit. An der Umfrage beteiligten sich 54 der 67 Unternehmen. Zweifel wurden auch laut an dem Werbenutzen der Sponsorenverträge. Mit scharfen Worten rügte Mori die Umfrage als irreführend und dem NHK unwürdig, weil die Journalisten nicht mit den richtigen Verantwortlichen und nicht mit allen Unternehmen gesprochen haben. Der Werbeeffekt zeige sich erst auf mittlere Frist und lasse sich nicht mitten in der Pandemie seriös abfragen.

          Für Bach war es das erste Mal seit der Verschiebung der Olympischen Spiele im März, dass er Japan besuchte. Die strikten Einreisekontrollen, die für olympische Sportler gelockert werden sollen, erfuhr er selbst. Eine Quarantäne in Tokio blieb dem IOC-Präsidenten erspart, doch Virustests vor Abflug und nach Ankunft in Tokio waren notwendig. Freiwillig habe die IOC-Delegation sich vor der Abreise nach Tokio auch für eine Woche in Quarantäne begeben, aus Respekt vor den freundlichen Gastgebern, merkte Bach an. Seine Pandemie-Eindrücke in Tokio beschrieb er im Vergleich mit Europa mit einem Wort: Disziplin. „Ich habe niemanden gesehen, der sich nicht an die Regeln hält“, sagte Bach. Die Disziplin der japanischen Bevölkerung mache den Unterschied und stütze seine Erwartung, dass die Olympischen Spiele im kommenden Jahr stattfinden würden.

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