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Zwei Dressur-Medaillen : Gold bleibt diesmal unantastbar

  • -Aktualisiert am

Deutsches Medaillen-Paar: Isabell Werth (l.) freut sich über Silber, Kristina Bröring-Sprehe über Bronze. Bild: Imago

Isabell Werth und Kristina Bröring-Sprehe gewinnen im Dressur-Einzel bei Olympia die Silber- und die Bronzemedaille. Der Platz ganz oben auf dem Siegerpodest erreicht eine Britin.

          Drei Tage lang konnten die deutschen Dressurreiterinnen sich der Vorstellung hingeben, die Britin Charlotte Dujardin und ihr Wallach Valegro wären angreifbar. Aber die Antwort von Dujardin war so einfach wie überzeugend: Als es um die Einzelmedaillen ging bei diesem olympischen Dressurturnier, da war die Zeit der Patzer vorbei. Schon als sie hereinritt, den muskulösen Hals ihres kraftvollen Pferdes aufgerichtet, und die beiden einen imponierenden Schatten auf den Sand warfen, wurde jedem klar, dass sie sich einen zweiten Tag der Schwäche nicht mehr leisten würden.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Ihre Kür zu brasilianischer Musik war nicht nur fehlerlos, sondern souverän, zum Sambarhythmus pflanzte das Pferd die Tritte seiner Piaffen in den Sand, und als die beiden sich zum Abschiedsgruß vor dem Chefrichter aufstellten, war schon klar: Die Olympiasiegerin von 2012 in London ließ sich auch in Rio das Gold nicht streitig machen. Den Sieg der deutschen Equipe im Mannschaftswettbewerb hatte sie schon nicht mehr verhindern können. Aber die Einzelwertung – die gehörte ihr. 93,938 Prozentpunkte sind eine imposante Note. Erst nach dem Ritt zeigte sich, unter welcher Anspannung Dujardin gestanden hatte: Heulend ritt sie aus der Arena.

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          „Diese 93 Prozent einzuholen, das war fast unmöglich“, sagte Isabell Werth. Aber ihren Plan, mit ihrer Stute Weihegold so nahe wie möglich heranzukommen, verfolgte sie mit Mut, Durchsetzungskraft – und Erfolg. Und Weihegold kämpfte wacker mit. Das Resultat: Die seit vergangenen Freitag erfolgreichste Olympia-Reiterin der Geschichte ist jetzt noch ein bisschen erfolgreicher: Ihre Silbermedaille jedenfalls war überraschender als das Gold für Dujardin. Erst im April hatte sie Weihegold in ihrem Stall zum Olympiapferd befördert, weil ihre zwei Top-Pferde sich verletzt hatten. Ohne viel Turnier-Erfahrung sammeln zu können, brachte sie die erst elfjährige Stute in Olympiaform. Eine imponierende Leistung, zu der aber auch das Pferd bereit sein muss.

          Nur zwei winzige Schnitzer erlaubten sich die beiden, eine Taktstörung im starken Trab und eine Unregelmäßigkeit bei einem Übergang in die letzte Piaffe. „Aber das hätte auch keinen Unterschied mehr gemacht“. Verschwitzt, abgekämpft und lachend stand Isabell Werth auf dem Siegerpodest mit ihrer Silbermedaille. Es ist ihre zehnte Olympiamedaille, was vor ihr noch kein anderer Reiter geschafft hat. Auch später musste sie ein paarmal ihre Stirn trocknen. Die Hitze habe auch den Pferden zu schaffen gemacht , sagte sie. Und auch der Temperaturunterschied zu den vergangenen Tagen.

          Starke Leistung: Isabell Werth reitet abermals zu einer Medaille.

          Das war wohl auch der Grund, warum Desperados ein wenig müde wirkte. Der vierzehnjährige Hengst von Kristina Bröring-Sprehe fühlte sich während der Olympia-Tage durchgehend nicht ganz wohl. Ein Physiotherapeut musste seinen verspannten Rücken behandeln. Und trotzdem war in der Kür am Montag noch einmal seine große Klasse zu erkennen - die leichte, elegante Kür in vorbildlicher Silhouette brachte ihr die Bronzemedaille. Es ist größte Einzel-Erfolg der Reiterin aus Dinklage. „Das war das maximal Mögliche“, sagte sie. „die Luft ist raus.“ Nach diesen langen Tagen sei ihr Pferd erschöpft. Er bekomme nun eine lange Pause. Erst im Frühjahr will sie zusammen mit Monica Theodorescu einen neuen Einsatzplan machen. Erst aber wird auch die Bundestrainerin den Augenblick genießen wollen: Mit Mannschaftsgold, Silber und Bronze in der Einzelwertung, haben nach dem Vielseitigkeitsteam mit Michael Jung auch die deutschen Dressurreiter die Erwartungen erfüllt. Nun sind die Springreiter dran.

          Für den empfindlichen Showtime, den erst zehnjährigen Wallach von Dorothee Schneider, waren die Olympischen Spiele nervlich eine ziemliche Strapaze. Am letzten Tag war keine fehlerfreie Leistung mehr von ihm zu erwarten. „Das war einfach zu viel für ihn“, sagte die Reiterin aus Rheinhessen. „Die Anspannung und die Hitze – wir haben einfach ein bisschen zu viele Fehler gemacht.“ So wurden die beiden, am Freitag noch drittbestes Paar, ein Stück nach hinten durchgereicht bis auf Platz sechs. Der wichtigste Trost für Dorothee Schneider: Valegro wird bald Vergangenheit sein, aber sie und ihr Pferd werden sich mit der Erfahrung verbessern. Showtime gehört die Zukunft. Und Weihegold auch. Mit 47 Jahren will Isabell Werth ihre Turnierkarriere noch lange nicht beenden. Sie hat nicht nur große Cracks, sondern auch junge Pferde im Stall.

          Kristina Bröring-Sprehe nach ihrem Ritt zur Bronzemedaille

          Valegro aber wird wohl bald auf die Weide geschickt. Er ist zwar erst vierzehn, und man könnte meinen, er hätte noch ein, zwei gute Jahre im Spitzensport. Aber Charlotte Dujardin und ihr Trainer Carl Hester sind der Ansicht, dass es Zeit ist für die Rente. „Wenn man sich alle unsere Erfolge anschaut, gibt es für ihn nichts mehr zu erreichen“, sagte die 31 Jahre alte Olympiasiegerin, Weltmeisterin und Europameisterin. „Wir schulden ihm, dass er aufhört, wenn er noch an der Spitze ist. Wir wissen noch nicht wann und wo – aber wir haben vor, ihn zu verabschieden.“ Isabell Werth hätte die Herausforderung aus England gerne noch eine Weile behalten. „Schade“, sagte sie. Charlotte Dujardin wird aber nicht allein bleiben. Demnächst will sie heiraten.

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