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„Die Stimmung ist eine andere“ : IOC und Tokio halten am Olympiaprojekt fest

Tokio im Januar – noch immer im Zeichen von Olympia Bild: Imago

Finden die Olympischen Sommerspiele Ende Juli ohne Zuschauer und ohne Impfpflicht für Athleten statt? Die Veranstalter in Japan und das Internationale Olympische Komitee beraten weiter.

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          Die japanischen Organisatoren der Olympischen Spiele fühlen sich nach den Gesprächen mit Thomas Bach, dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, darin bestätigt, die Vorbereitungen für sichere Spiele weiter voranzutreiben. „Die Stimmung ist eine ganz andere als vor einem Jahr“, sagte der Präsident des Organisationskomitees, Yoshiro Mori, vor Journalisten in Tokio, nachdem das IOC in den vergangenen Tagen eine Reihe von Konferenzen mit nationalen Organisatoren und mit Sportverbänden geführt hatte. Er habe von niemandem und von nirgendwo Einwände oder Bedenken gehört, die Spiele abzuhalten, sagte Mori.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.
          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          In Japan aber gibt es diese Bedenken zuhauf. Umfragen der Bevölkerung zeigen eine große Skepsis. Der Chef der Medizinischen Vereinigung Tokios, Haruo Ozaki, riet in japanischen Medien dazu, die Spiele ganz ohne Zuschauer stattfinden zu lassen. Tokio meldet derzeit etwa 1000 Neuinfektionen am Tag. Das entspricht einer Sieben-Tage-Inzidenz von etwa 50, während der Wert in Deutschland rund doppelt so hoch ist. Doch die Mediziner in Tokio warnen vor einer Überlastung des Gesundheitssystems. Ozaki ist besorgt, dass die medizinischen Vereinigungen nicht Tausende Ärzte und Pflegekräfte für die Spiele abstellen könnten, wenn zugleich noch Covid-Patienten behandelt werden müssten.

          Nicht ob, sondern wie

          Bach hatte am Mittwoch nach der Sitzung der IOC-Exekutive davon gesprochen, dass er „jeden verstehe, der Sorgen hat, der sich nicht vorstellen kann, dass Olympische Spiele stattfinden“. Seine Aufgabe sei es, weiter zu blicken: „Es geht nicht darum, ob Spiele stattfinden, sondern wie.“ Mori schloss nicht aus, dass die Spiele ganz ohne Zuschauer stattfinden würden. Das ist eines der Szenarien, mit denen die japanischen Organisatoren und das IOC derzeit arbeiten. „Wir wollen nicht, dass das passiert, aber es ist eine Möglichkeit“, sagte Mori. Die Frage, ob ausländische Besucher zu den Spielen kommen könnten, sei kein Thema des Gesprächs mit Bach gewesen. Bach hatte gesagt, für die Spiele seien nur die Sportstätten und „ein sicherer und fairer Wettbewerb“ essentiell. Er sagte nicht: Zuschauer.

          Japan verlangt derzeit im Virusnotstand für die Großräume Tokio und Osaka und einige andere Regionen, dass bei Veranstaltungen höchstens die Hälfte der Sitzplätze belegt oder die Besucherzahl auf 5000 begrenzt ist. Die Frage, ob Besucher zugelassen werden dürfen, ist für die lokalen Organisatoren der Olympischen Spiele sehr wichtig, weil der Verkauf der Eintrittskarten eine ihrer wichtigen Einnahmequellen ist. Für das IOC ist dagegen wichtiger, dass die Spiele überhaupt stattfinden, weil seine wichtigste Einnahmequelle die Fernsehrechte sind.

          Der CEO von „Tokyo 2020“, Toshiro Muto, unterstrich, dass Schutzimpfungen keine Vorbedingung für die Olympischen Spiele seien. Es wäre wünschenswert, wenn möglichst viele Athleten und Menschen geimpft seien, sagte Muto. Das aber sei keine Voraussetzung dafür, dass die Spiele stattfinden. Mit diesem Ansatz wollen die Organisatoren vermeiden, dass die Olympischen Spiele von unzulänglichen Impfstrategien der Teilnehmerländer abhängig werden. Muto wandte sich damit auch gegen Sorgen in Japan, dass die allgemeine Bevölkerung frühestens im Sommer Schutzimpfungen erhalten werde.

          Bach hatte Athleten am Mittwoch zu Schutzimpfungen ermuntert, aber davon gesprochen, dass Sportler sich „nicht vordrängeln“ sollten. IOC und die japanischen Veranstalter wollen in der kommenden Woche in einem Regelbuch darlegen, wie sie für die rund 15.000 erwarteten olympischen und paralympischen Athleten sichere Spiele garantieren wollen.

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