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Haltung des IOC-Präsidenten : Alles so, wie es sein soll?

Schön weiterlächeln, bei aller Kritik: Thomas Bach mit brasilianischen Gastgebern Bild: Reuters

Fast könnte Thomas Bach einem leidtun: Die Kritik am IOC-Präsidenten wird in den nächsten Tagen wohl nicht abklingen. Denn mit seinen jüngsten Äußerungen in Richtung Harting und Stepanowa provoziert er weiteren Widerspruch. Ein Kommentar.

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          Backpfeifen aus Deutschland, Kritik aus der ganzen Welt, und jetzt auch noch Lob von Putin: Thomas Bach könnte einem leid tun. Doch er hat sich das alles selbst eingebrockt. Die Vorwürfe von Diskus-Olympiasieger Robert Harting nennt der Hüter des Olymp eine unakzeptable Entgleisung, eine Beleidigung, sie sei nicht hinnehmbar. Mal schauen, ob er gegen Harting mehr unternimmt als gegen das russische Doping-System, vielleicht mit einer Klage?

          Harting hatte nach einem öffentlichen Krafttraining gefolgert, dass jemand, der gegen Empfehlungen und Proteste der Nationalen und der Welt-Anti-Doping-Agentur eine russische Olympia-Mannschaft nach Rio einlädt, dass jemand, der zugleich der Frau, die sich vom systematischen Doping Russlands distanzierte und Alarm auslöste, die ethische Qualifikation zur Teilnahme abspricht und die Tür zu den Spielen ins Gesicht schlägt, nicht wirklich dem Lager der Doping-Gegner zuzuordnen sei. Ergo, so die Logik Hartings, gehöre er zur anderen Seite, zum Doping-System.

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          Vom ungestümen Raubauz, der noch vor sieben Jahren, bei der WM in Berlin, davon phantasierte, protestierenden Vertretern der Doping-Opfer-Hilfe den Diskus an den Kopf zu werfen, ist Harting zu so etwas wie dem inoffiziellen Sprecher der olympischen Athleten Deutschlands geworden. Bach hat diese Rolle in Gefahr gebracht. Sportlerinnen und Sportler schimpfen über Bachs Entscheidung oder beschimpfen Bach. Doch schlimmer, als von Schwimm-Olympiasieger Michael Groß vorgehalten zu bekommen, dass er Lug und Trug Tür und Tor geöffnet habe, schlimmer, als vom Alt-Internationalen des Hockeys, Stefan Blöcher, als total unglaubwürdig beschrieben zu werden, schlimmer noch, als von Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein der Lüge und der Käuflichkeit geziehen zu werden, dürfte das Lob von Wladimir Putin sein.

          Beim Abschied seiner Olympia-Mannschaft sprach der Präsident Russlands in Sachen Doping wieder einmal von einer Kampagne gegen sein Land. Wie zum Hohn lobte er Bach dafür, die Spaltung der olympischen Welt verhindert zu haben. Wenn sich die beiden da mal nicht täuschen. Die Kritik an Bach wirkt, als werde sie nicht in wenigen Tagen abklingen. Was muss eigentlich mehr passieren als jahrelanges Staats-Doping, um das IOC zu Konsequenzen zu veranlassen, heißt die Frage der Stunde, was muss ein Whistleblower noch alles ans Licht bringen, um ethisch akzeptabel zu sein? Das sei Theorie, hat Thomas Bach auf just diese Frage geantwortet. Die Ethik-Kommission hatte den Fall Stepanowa zu bewerten, und genau dies habe sie getan. Mit anderen Worten: Alles ist so, wie es sein soll. Findet Bach. Damit, so steht zu erwarten, provoziert er noch eine Reihe olympischer Sportler zum Widerspruch.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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