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Fechterin Muhammad : Amerikas Frau mit dem Hidschab

  • -Aktualisiert am

Ibtihaj Muhammad startet für Amerika im Fechten. Bild: AP

Als erste Amerikanerin startet Ibtihaj Muhammad mit einem Kopftuch bei den Olympischen Spielen. In den Vereinigten Staaten wird die Säbelfechterin immer öfter angefeindet. Dabei hat sie in ihrem Team eine wichtige Rolle.

          Das Gesicht des amerikanischen Fechtens ist ein hübsches. Ibtihaj Muhammad hat dunkle Augen, dunkle Hautfarbe, hohe, ausgeprägte Wangenknochen und lächelt viel. Ob ihre Ohren perfekt sind und die Haare den Gesamteindruck vielleicht sogar noch schöner machen als ohnehin schon, lässt sich schlecht sagen. Denn bis auf das Gesicht ist von Ibtihaj Muhammad nichts zu sehen. Die 30-Jährige trägt einen Hidschab — und schreibt damit an diesem Montag Sportgeschichte. Die Säbelfechterin startet als erste Amerikanerin mit einem Kopftuch bei Olympischen Spielen.

          Muhammad steht in der Carioca Arena 3 gegen die Ukrainerin Olena Kravatska nicht nur als Sportlerin ihres Heimatlandes auf der Planche, sondern sieht sich auch als Botschafterin für die rund 3,3 Millionen Muslime in den Vereinigten Staaten. Von denen erleben viele nach den Massenschießereien in San Bernardino und Orlando Beschimpfungen und Beleidigungen. Und sie sind verunsichert, seitdem der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump im Wahlkampf laustark damit wirbt, „ein Einreiseverbot gegen alle Muslime“ erlassen zu wollen.

          Als „verdächtig“ bezeichnet

          Muhammad hat Trumps Tiraden gehört, ihr erster Gedanke war ein ängstlicher. „Ich war mir nicht sicher, ob ich wohl zu meinem nächsten Wettkampf kommen könnte und eventuell auf der Straße angegriffen würde“, erinnert sie sich. Dass diese Gedanken in den Vereinigten Staaten 2016 keine Hirngespinste sind, erfuhr Muhammad nur wenig später. Ein Mann sprach sie aufgrund ihres Kopftuches auf der Straße an, bezeichnete sie als „verdächtig“ und fragte, ob sie womöglich etwas in die Luft sprengen wolle? „Wir leben in einer Welt, in der sich Menschen wohl fühlen, andere zu profilieren. Den Menschen wurde erzählt, dass Muslime Extremisten sind“, sagt sie.

          Ihre Eltern Denise Inayah und Eugene Shamsiddin konvertierten zum Islam, als sie in ihren Zwanzigern waren, und gaben ihren fünf Kindern arabische Namen. „Ibtihaj bedeutet Freude oder Glück - das passt genau zu ihr“, sagt die Mutter. Als Kind schwimmt Ibtihaj, spielt Tennis, Volleyball, Basketball. Sie trägt ihr Kopftuch, aber Arme und Beine sind frei, was der Mutter nicht gefällt. Strenggläubige Muslime bedecken bis auf Gesicht und Hände alles. Dies sei eine Haltung von Bescheidenheit, sagt Denise Inayah. Obwohl ihre Tochter viel ausprobiert, fühlt sie sich aufgrund ihrer differenzierten Kleidung immer als Außenstehende.

          Ibtihaj Muhammad ist zwölf und hat immer noch nicht jenen Sport gefunden, der es ihr ermöglicht, ihrem Glauben treu zu bleiben und trotzdem so zu sein wie alle anderen Teamkolleginnen. Die Suche endet 1998 an einer roten Straßenampel in ihrer Heimatstadt Maplewood in New Jersey. Ihre Mutter sieht durch die Fenster einer High School Athleten, die lange Hosen, Jacken und einen Helm tragen. Sie weiß nicht, um welchen Sport es sich handelt. Doch sie weiß genau: Dies ist etwas für Ibtihaj. Zwar erlebt diese Beleidigungen und muss sich anhören, dass Fechten nichts für Afroamerikaner und Muslime sei, dennoch pariert sie alle Attacken gekonnt.

          Mittlerweile ist Muhammad eine der besten Säbelfechterinnen des Landes und war 2014 Mitglied der Weltmeistermannschaft. Nachdem sie sich für Rio qualifiziert hatte, erlebte sie in den Vereinigten Staaten einen Bekanntheitsschub. Michelle Obama focht mit ihr, Ellen DeGeneres lud sie in ihre Talk-Show ein. Und als Barack Obama über muslimische amerikanische Sportler sprach, denen man bei ihren Wettkämpfen die Daumen drücke, erwähnte der amerikanische Präsident Muhammad unter anderen in einem Satz mit Muhammad Ali.

          Fast hätte sie sogar vor Milliarden von Menschen im Fokus gestanden – als Fahnenträgerin des amerikanischen Teams bei der Eröffnungsfeier von Rio. Die Verantwortlichen entschieden sich jedoch, wie es hieß, „ganz knapp“ für Michael Phelps. Dass Muhammad es überhaupt in die engere Auswahl schaffte und ihr lediglich der erfolgreichste Athlet der Olympiageschichte vorgezogen wurde, zeigt, welchen Stellenwert sie mittlerweile besitzt. Die „Time“ hatte diese Entwicklung scheinbar bereits vor Monaten geahnt. Im Frühjahr führte das Magazin die Frau mit dem Hidschab unter dem Helm auf ihrer Liste der „100 einflussreichsten Menschen 2016“.

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