https://www.faz.net/-gtl-ae8sm

Deutsches Hockey bei Olympia : Ein „Gestolpere von A bis Z“

  • -Aktualisiert am

Die deutschen Spieler Timur Oruz (l.) und Benedikt Furk verlassen nach der Niederlage gegen Südafrika den Platz. Bild: dpa

Auch gegen den krassen Außenseiter Südafrika verliert die deutsche Herrenhockey-Mannschaft. Trainer Kaïs al Saadi redet danach Tacheles, glaubt aber weiter an den Teamgeist. Gegen Oranje braucht es nun ein Remis.

          2 Min.

          Wenn man in Tokio um 11.45 Uhr ein Hockeyspiel beginnt, dann fühlt es sich auf dem in der schwülen Hitze dampfenden Kunstrasen eher an wie „High Noon“ und nicht wie von offizieller Seite bezeichnet: „Morning Session“. Nach einer 60-minütigen unausgegorenen wie unausgeschlafenen Darbietung der deutschen Herren stieg Bundestrainer Kaïs al Saadi indes nicht die Hitze, sondern die Wut in den Kopf. Der 44-Jährige setzte eine derart grimmige Miene auf, dass man davon ausgehen konnte, dass auch die Nachbesprechung hitzig geworden ist. Zumal er schon unmittelbar nach Schlusspfiff der blamablen 3:4-Niederlage gegen Südafrika am Donnerstag einen Vorgeschmack gab. „Mit so einem Gestolpere von A bis Z wird das natürlich nichts. Wir brauchen jetzt klare, ehrliche Worte. Da muss Tacheles gesprochen werden“, sagte al Saadi.

          F.A.Z. Newsletter Sport

          Mo. – Fr. um 16.00 Uhr; Sa. – So. um 18.00 Uhr

          ANMELDEN

          Eine Niederlage der Hockey-Großmacht Deutschland während Olympia gegen Südafrika wäre, auf den Fußball übertragen, vergleichbar mit einer Schlappe der DFB-Elf gegen Nordmazedonien. Zumal das südafrikanische Team von seinem nationalen olympischen Komitee schon häufig trotz Qualifikation daheim gelassen worden ist – mangels Erfolgsaussichten gegen die meist europäisch und ozeanisch geprägte Elite dieses Sports.

          Seit dem überraschenden Misserfolg gegen den Afrikameister ist jedenfalls offensichtlich, wie wankelmütig die Deutschen unterwegs sind in diesem Turnier. Rechnerisch braucht es im abschließenden Gruppenspiel gegen den Erzrivalen Niederlande an diesem Freitag (13.45 Uhr MEZ im F.A.Z.-Liveticker zu Olympia sowie im ZDF und bei Eurosport) mindestens ein Remis zum Weiterkommen. Aber realistisch betrachtet, ist die Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes dank drei Punkten mehr und der viel besseren Tordifferenz kaum noch von den Südafrikanern von Platz vier in der Sechsergruppe zu verdrängen. Aber dennoch geht es um viel gegen die Niederländer. Es gilt, (neues) Vertrauen aufzubauen in die eigene Stärke. Und den eigenen Anspruch, auf der größten Bühne, welcher dieser Sport bietet, zu den Medaillenkandidaten zu gehören, spielerisch mit Leben zu füllen. Natürlich hülfe es auch, im Viertelfinale gegen einen Vertreter des deutlich schwächer besetzten Pool A, nicht auf die in Tokio bislang extrem starken Australier treffen zu müssen.

          Stimmungskiller statt Pflichtsieg

          Gegen Südafrika wurde es jedenfalls ein Stimmungskiller statt eines Pflichtsiegs. Hat der Bronzemedaillengewinner von vor vier Jahren einen abermaligen Weckruf benötigt, oder waren auf dem blauen Tokioter Kunstrasen die Vorboten eines frühen Ausscheidens zu sehen? „Wir müssen jetzt zeigen, dass die mannschaftliche Geschlossenheit, die wir immer wieder herausstreichen, kein Blabla ist, sondern genau für diese Momente da ist“, sagte Bundestrainer al Saadi, der nun „eine Top-Performance als Antwort“ verlangt.

          Das ist den deutschen Herren bei diesen Spielen schon einmal geglückt. Nach dem guten Auftakt mit dem 7:1-Erfolg gegen Kanada leisteten sie sich eine schwache Startphase gegen Weltmeister Belgien, die in eine 1:3-Niederlage mündete. Nach dem ersten Nackenschlag dieser Spiele vermochte die DHB-Auswahl schon mal stark zu antworten – mit einem sehr überzeugenden 5:1-Erfolg gegen Großbritannien. Was folgt nun gegen die Niederländer? „Es gehört zu unseren Stärken, dass wir es schaffen, innerhalb kürzester Zeit aufzustehen und zu zeigen, was wir können“, sagt Kapitän Tobias Hauke. Doch der zentrale Mittelfeldspieler sieht mit der Erfahrung seiner vierten Olympischen Spiele auch die Gefahren. Hauke hatte vor dem Match gegen den vermeintlichen Underdog noch gesagt: „Zu sagen: ‚Das ist nur Südafrika, ich gehe erst kompromisslos in die Bälle, wenn es im Viertelfinale darauf ankommt‘, funktioniert nicht. Dann kriegt man den Schalter nicht mehr umgelegt.“

          Wie leicht die deutsche Mannschaft, die mit Rühr und Grambusch allerdings zwei Stützen schonte, sich hat auskontern lassen, wie viele technische Fehler sie sich leistete und wie wenig sie aus zehn Strafecken (zwei Tore) machte, sind Punkte, die es nun in kurzer Zeit aufzuarbeiten gilt. Al Saadi machte nicht den Eindruck, dass er nach dem Rückschlag gegen Südafrika irgendetwas aussparen würde. Er geht davon aus, dass die Mannschaft im Tokioter Klima noch mehr Hitze entfachen kann. „Das Team“, sagte er, „wird zusammenstehen und füreinander durchs Feuer gehen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sprengung der Kühltürme des 2019 stillgelegten Kernkraftwerks Philippsburg in Baden-Württemberg. Das Foto entstand am 14. Mai 2020.

          Kernkraft im Wahlkampf : Das verbotene Thema

          Laschet erwischt die Grünen auf dem falschen Fuß – ausgerechnet mit dem Atomausstieg. Die „falsche Reihenfolge“ stellt deren Gründungsmythos in Frage.
          Stempeln muss sein auf dem Amt.

          Die Karrierefrage : Wie gelingt Beamten der Ausstieg?

          Wer den Staatsdienst hinter sich lässt, verliert oft üppige Pensionsansprüche und gilt unter früheren Kollegen fast schon als Verräter. Warum einige den Abschied dennoch wagen – und wie er funktioniert.
          Medizinisches Personal bei der Vorbereitung von Corona-Impfungen am 8. Januar in Neapel

          Nichts ohne die 3-G-Regel : Das italienische Impfwunder

          Kein Land in Europa hat die 3-G-Regel so strikt angewandt wie die Regierung von Ministerpräsident Draghi in Rom. Das Ergebnis: Italien hat eine Impfquote, von der Deutschland nur träumen kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.