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Gewichtheber Max Lang : „Wir schauen zu, wie Doper Gold abholen“

Trainieren – für Olympia? Max Lang steckt noch in der Warteschleife fest. Bild: Helmut Fricke

Gewichtheber Max Lang hofft noch immer auf Olympia und Gerechtigkeit – wenn die Dauer-Doper in seiner Sportart gesperrt werden. Im F.A.Z.-Interview spricht er über absichtlich langsame Funktionäre und den „schlechten Witz“ des IOC.

          Die deutschen Gewichtheber bereiten sich seit dem vergangenen Sonntag im Schwarzwald auf die Olympischen Spiele vor. Wie viele von ihnen nach Rio fahren, wissen sie immer noch nicht. Am Mittwoch hatte der internationale Verband IWF mitgeteilt, elf weitere Sportler seien bei den Nachtests von Doping-Proben der Olympischen Spiele von London 2012 und Peking 2008 mit dem Wirkstoff des Anabolikums Oral-Turinabol aufgeflogen. Darunter sind insgesamt vier russische Sportler, drei von ihnen hatten Medaillen gewonnen.

          Der russische, der weißrussische und der kasachische Verband stehen aufgrund der großen Anzahl der Doping-Fälle vor dem Schicksal, das schon die bulgarische Heber-Mannschaft ereilt hat: dem Ausschluss von den Olympischen Spielen. Doch eine Verbandssperre kann erst ausgesprochen werden, wenn das Internationale Olympische Komitee (IOC) das entsprechende Disziplinarverfahren abgeschlossen hat. Der Präsident des Deutschen Gewichtheberverbandes, Christian Baumgartner, hatte das mangelnde Tempo am Mittwoch kritisiert. „Die Informationspolitik des IOC ist alles andere als zu begrüßen“, hatte Baumgartner gesagt. Derzeit stehen acht russische Heberinnen und Heber auf den Startlisten für die Olympischen Spiele.

          Max Lang, Jahrgang 1992, würde nachrücken, sollten die genannten Verbände doch noch ausgeschlossen werden. Seiner Hoffnung auf Olympia sei „mit der Entscheidung des IOC-Präsidenten etwas das Fundament genommen“, schrieb der Chemnitzer am Mittwoch bei Facebook: „Ich habe weder die Motivation eines Flugtickets, noch das Wissen auf Gerechtigkeit in meiner Schublade. Nur diese kleine Hoffnung eben . . . Ich bin dennoch Teil eines Teams, wofür ich mich bei allen Teamkollegen, Trainern, Betreuern und Funktionären des BVDG bedanken möchte. Aber Sport-Deutschland, eine Frage hab ich noch. Verlieren wir nicht langsam alle an Glaubwürdigkeit?“

          Herr Lang, wie ist das: Im Trainingslager mit der Olympia-Mannschaft, aber, Stand jetzt, nicht dabei bei den Spielen, weil die Doping-Verfahren positiv getesteter Sportler sich so in die Länge ziehen?

          Es ist ein bisschen schwer, muss ich schon sagen. Ein ständiges Auf und Ab. Als die Entscheidung des IOC kam am Sonntag, ging es runter. Da war der Traum geplatzt. Jetzt hat die IWF, unser Weltverband, die Namen bekanntgemacht, die in Peking und London positiv waren – da kommt ein bisschen mehr Hoffnung zurück.

          Wer darf zu Olympia? Bei den Gewichthebern ist diese Frage kurz vor den Spielen noch immer unklar.

          Was haben Sie gedacht, als Sie von der Entscheidung des IOC hörten, dass Russland nicht ausgeschlossen wird?

          Ich wollte es nicht glauben. Ich dachte, es ist ein schlechter Witz. Ich habe auf mein Handy geguckt, sah die Nachricht . . . Ganz ehrlich: Mir fehlen jetzt noch die Worte.

          Weil Sie wissen, was in Russland los ist?

          Es ist doch so eindeutig. Es ist mehr als eindeutig. Es lag auf der Hand. Alle Experten, mit denen ich gesprochen habe, sagten mir: Das IOC muss die Russen sperren. Und dann kommt das.

          Was wissen Sie über Doping in Ihrer Sportart?

          Jeder weiß, wie der Hase läuft. Wir schauen zu, wie die Doper ihre Goldmedaillen abholen.

          Max Lang im Training in Leimen

          Wie gehen Sie damit um als Sportler, wenn Sie, unterstellen wir mal, sauber sind und sauber bleiben wollen?

          Es ist gar nicht so sehr der Wettkampf selbst, in dem es weh tut. Richtig schlimm ist, wenn sie hinterher gefeiert werden. Das ist Unrecht. Und es ist schon so lange so.

          Sie schauen ja nicht nur zu, wie Goldmedaillen abgeholt werden. Bei den Frauen ist ein ganzes Podium von London inzwischen positiv – Gold, Silber, Bronze. Bei den Männern in einer Gewichtsklasse fünf der ersten sieben.

          Das ist doch keine Überraschung. Jeder weiß das.

          Haben Sie nicht das Gefühl, das Ihnen etwas weggenommen wird?

          Ja, sicher, ein bisschen schon. Aber ich kann es nicht ändern. Wie gesagt, es ist schon lange so.

          Die IWF, der Weltverband, hat die Bulgaren ausgeschlossen und könnte, wenn das IOC die Verfahren abschlösse, auch Russen, Weißrussen und Kasachen für Rio sperren.

          Ja, es scheint, als seien sie dabei, etwas ins Laufen zu bringen. Das ist ganz positiv. Vielleicht greift ja langsam die Gerechtigkeit.

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          Aber ist das gerecht? Es scheint, als dürften diese Mannschaften teilnehmen in Rio, weil Verfahren sehr langsam abgewickelt werden.

          Leider kenne ich auch das nicht anders. Die Funktionäre sind ja nicht blöd, die reizen die Fristen aus.

          Man hätte früher mit den Nachtests beginnen können.

          Klar. Als würde man sich zufällig so viel Zeit lassen . . .

          Halten Sie Ihre Trainer auf dem Laufenden?

          Natürlich, wir sind immer auf dem neuesten Stand. Vielleicht klappt es ja noch.

          Wann ist denn der späteste Termin, um noch für Olympia zu melden?

          Der 4. August. Es sind noch sechs Tage.

          Würden Sie auch zur Unterstützung der anderen deutschen Gewichtheber nach Rio fliegen?

          Ich drücke ihnen natürlich die Daumen. Aber nur zum Zuschauen? Nein. Entweder als Sportler oder gar nicht.

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