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Frauenfußball in London : Das große Vorbild fehlt

  • -Aktualisiert am

Jubeln die Japanerinnen auch bei den Olympischen Spielen? Bild: dapd

Am Mittwoch wird Olympia mit Frauenfußball eröffnet. Die Deutschen fehlen nach dem Aus bei der Heim-WM - und werden gar von Engländerinnen vermisst.

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          An diesem Mittwoch beginnen die Olympischen Spiele. Nein, das ist weder ein Witz noch ein Druckfehler, sondern nur die Folge eines vollgepfropften Veranstaltungskalenders mit 301 Entscheidungen. Wie sich die Britinnen darüber freuen. Schon vor der Eröffnungsfeier in der Nacht zum Samstag dürfen sie als Allererste aufspielen, im Frauenfußball gegen Neuseeland. Das Turnier ist gut besetzt mit bekannten Stars, mit Marta im brasilianischen Team, mit der Japanerin Homare Sawa sowie Abigail Wambach in der Auswahl der Vereinigten Staaten.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Gespannt wie die Flitzebogen sind sie ins Mutterland des Fußballs geflogen, weil sie auf den nächsten Kick für ihr Spiel hoffen, auf viele begeisterte Zuschauer, auf feine Stadien und eine umwerfende Atmosphäre. Alles, was Rang und Namen hat, zählte der Internationale Fußball-Verband (Fifa) stolz auf, trifft sich auf der Insel zum nächsten Frauenfußball-Höhepunkt nach der Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland. Eine kleine Einschränkung bedauert die Zentrale dann doch: Die Deutschen müssen zuschauen.

          Aus der Traum: Die erste Niederlage nach einer gefühlten Ewigkeit kostete Deutschland die Olympiareife

          0:1 gegen Japan vor einem Jahr im Viertelfinale bei der Weltmeisterschaft daheim: Schon das plötzliche Ende ihres Traumes war kaum zu ertragen für die Möchtegern-Weltmeisterinnen. Dass mit dieser Niederlage auch der Zug nach London ohne die deutsche Frauenfußball-Delegation abfuhr, nahm man damals kaum zur Kenntnis. Olympia und Fußball? Das mag bei den Herren der Schöpfung keine große Rolle spielen. Sie haben sich ja nicht einmal mit den besten Kräften bemüht, den Weg nach London zu finden.

          Aber die deutschen Damen? „Immer dabei, immer stark“, sagt Hope Powell, Nationaltrainerin Englands und nun Chefin der Großbritannien-Auswahl: „Da fehlt was.“ Zum Beispiel das Gründungsmitglied des olympischen Frauenfußballs. Seit die Herrenriege des Internationalen Olympischen Komitees in Atlanta 1996 auch den Damen die Tore öffnete, war die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes Dauergast auf dem Olymp - und ein verlässlicher Medaillensammler obendrein: dreimal Bronze bei vier Versuchen, zuletzt in Peking 2008.

          Jetzt aber sieht es so aus, als sei die bittere Zuschauerrolle der letzte Beleg für eine ganz große Fehlkalkulation. In Deutschland hat die WM weder Gold noch mehr Geld gebracht. Nach wie vor pilgern zu den Spielen der Bundesliga vergleichsweise wenig Zuschauer. In der vergangenen Saison kamen im Schnitt nur 1121 Fans. Frauen schauen offenbar lieber bei den Männern vorbei und lesen den „Kicker“ statt der Spezialpublikationen wie „11Freundinnen“.

          Auch das „Frauenfußball-Magazin“ der Herausgeberin Martina Voss-Tecklenburg, einst Nationalspielerin, ist nun eingestellt worden. Trotz der „tollen Erfolge der Frauennationalmannschaft in den letzten Jahren blieb der wirtschaftliche Durchbruch aus“, schrieb der Verlag Meyer & Meyer in der letzten Ausgabe und leitete den Abgesang mit einem Zitat des früheren Nationalspielers Horst Hrubesch ein: „Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank.“

          Mit ironischem Unterton könnte man so auch auf das merkwürdige Olympia-Qualifikationssystem antworten. Seit einer gefühlten Ewigkeit haben die Deutschen kein Pflichtspiel mehr gegen eine europäische Mannschaft verloren, selbst Testspielniederlagen liegen Jahre zurück. Und dann nahm das 0:1 gegen den späteren Weltmeister Japan Deutschland die Olympiareife. Bundestrainerin Silvia Neid reagierte darauf zwar mit einem Ausweichmanöver. Man habe nun mehr Zeit für die EM-Vorbereitung. Aber Experten halten diese Taktik für eine schlechte Finte: Das olympische Turnier hätte der Entwicklung des jungen Teams gutgetan, auch wenn die konstanten Gold-Schürferinnen aus den Vereinigten Staaten (dreimal Olympiasieger) oder Japan derzeit wohl stärker sind.

          Selbstbewusste Gastgeberinnen: „Ich sehe keinen Grund, warum es nicht die Goldmedaille sein sollte“, sagt Kim Little (l.)

          Die aber sollen sich vor den frechen Britinnen fürchten: „Wir wollen gewinnen“, sagt die 22 Jahre alte Schottin Kim Little, „ich weiß, dass wir nicht die Favoritinnen sind, doch wir spielen zu Hause, wir haben die Unterstützung der Fans, und wir haben ein starkes Team. Ich sehe keinen Grund, warum es nicht die Goldmedaille sein sollte.“ So weit wollte die Cheftrainerin Powell, 150 Mal für England am Ball, nicht gehen. Sie schaute für einen Moment lieber nach Deutschland und erwiderte den traurigen Blick mit einer Aufmunterung: „Wir haben uns ein hohes Ziel gesetzt“, sagte sie laut Fifa.com: „Wir möchten das nächste ,Deutschland’ sein. Jeder weiß, dass Deutschland das beste Team in Europa ist.“

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