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Fantasma - die Olympia-Kolumne : Rivalität unter Nachbarn

  • -Aktualisiert am

Der Hohn der brasilianischen Nachbarn ist sicher: Argentiniens Fußballer nach dem Olympia-Aus Bild: AFP

Ist der olympische Geist verärgert? Erst benahmen sich die argentinischen Fans daneben, jetzt scheitern die Fußballer aus dem ungeliebten Nachbarland in der Vorrunde. Das kann kein Zufall sein.

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          Kleine Sünden bestraft der olympische Geist sofort. Der kann nämlich richtig wütend werden. Hatten sich da nicht argentinische Fans wüst benommen, beim Tennismatch ihres Landsmanns Juan Martín del Potro. Und eine Schlägerei auf der Tribüne angezettelt, mit einem mutmaßlichen Brasilianer. Hatten die Anhänger mit den weiß-himmelblauen Trikots nicht wieder die Gastgeber der Olympischen Spiele verhöhnt. Und sangen sie in den Straßen von Rio de Janeiro nicht schon wieder das Lied von Maradona, der angeblich besser sei als Pelé, und das die Brasilianer so hassen, weil es so überheblich und selbstverliebt ist.

          Das geht nicht, sagte sich da der olympische Geist und erteilte der „Albiceleste“ eine kleine Lektion. Ein kurzer Anruf in der Verwandtschaft, und der Fußballgott entzog der U 23 des zweimaligen Weltmeisters seine Zuneigung. Aus und vorbei. Argentinien bereits in der Vorrunde ausgeschieden. Da jubelt das brasilianische Herz. Doch allzu sehr sollte es sich nicht freuen, denn der olympische Geist vergisst nicht. Und in Kombination mit dem Fußballgott ist da so einiges möglich. Die amerikanische Torhüterin Hope Solo, die jüngst vermeintlich witzige Fotos über die Tigermücke und das Zika-Virus knipsen ließ, bekam es mit dem brasilianischem Publikum zu tun. Und patzte prompt wie ferngesteuert im Spiel gegen Kolumbien.

          Etwas Zurückhaltung wäre angebracht

          Womit der olympische Geist bei der nächsten Herausforderung wäre. Denn im Viertelfinale bei den Fußballern trifft Brasilien auf Kolumbien. Und die beiden Fan-Lager mögen sich ebenso wenig wie die beiden Mannschaften auf dem Spielfeld. Der Grund ist ein übler Tritt gegen Neymar im WM-Viertelfinale 2014, der für ihn das Ende des Turniers bedeutete. Und eine böse Revanche von Neymar 2015 bei der Copa América in Chile, die mit Rot geahndet wurde. Deswegen wäre ein bisschen Zurückhaltung auf Seiten der Brasilianer angebracht, will man den olympischen Geist, der vor vielen Jahrzehnten mal so etwas wie eine Tugend der Fairness erfand, nicht wieder wütend machen.

          Argentinischer Held: Del Potro konnte nur auf seine eigene Fangemeinde bauen

          Doch zu spät. Die Brasilianer revanchierten sich bei den Argentiniern auf ihre Art und sangen lauthals „Chile, Chile“. Die hatten nämlich Argentinien in den letzten beiden Finals der Copa América jeweils im Elfmeterschießen aus dem Reich der Titelträume geholt. Vielleicht ist das keine so gute Idee. Denn sollte der olympische Geist dahinterkommen, dass die Brasilianer auch ganz schön gemein sein können, wird es vielleicht die Tage beim Fußballgott wieder klingeln. Und wenn die beiden schon mal miteinander telefonieren: Vielleicht könnten sie auch mal gemeinsam mit den armen Sünderlein beim IOC und der Fifa ins Gericht gehen, da gäbe es nämlich genug zu bestrafen.

          Wie viel ist vom Olympischen Geist heute noch übrig geblieben?

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