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Fantasma – die Olympia-Kolumne : Falsche Nummer

  • -Aktualisiert am

Enzo Lefort verlor gegen Peter Joppich erst das Handy und dann das Match Bild: AP

Was würden wir ohne Smartphones machen? Inzwischen kommen offenbar nicht mal mehr Spitzensportler im Wettkampf ohne aus – da kann man als Trainer schon mal die Nerven verlieren.

          Was würden wir ohne Smartphones machen? Sie sind eine Lebensversicherung, sie helfen, zum Beispiel in Rio, den Taxifahrer zum gewünschten Ort zu lotsen. Und zu prüfen, ob die Strecke an der Copacabana entlang - bei aller Schönheit - nicht doch ein kostenpflichtiger Umweg ist. Smartphones schaffen auch Ruhezonen. Zum Beispiel in den Bussen auf dem Weg quer durch die Millionenmetropole zum olympischen Hain. Alle hocken mit gebeugten Köpfen auf den Sitzen. Stille. Es ist zum Schreien.

          Aber es soll Lebensmomente geben, die von der Diktatur des Smartphones nicht erreicht werden. Der Sport gehört dazu. Jedenfalls zwingt er den Menschen, sich nolens volens hin und wieder von seinem geliebten Netzwerk zu lösen. Reckturnern fällt das leicht, keine Frage. Und beim Schwimmen wird es nicht nur an den fehlenden Taschen liegen. Davon haben Radrennfahrer genügend. Ihre Fixierung auf allerlei Datenübertragung in Echtzeit machte ja Sinn. Aber sie sind vor allem auf der Hut vor den Smartphones. Weil sie sich in jeder Kurve entlang der Absperrungen vor den Privatfilmern mit ihren Fotokameras ducken müssen.

          Gekracht hat es nicht, als es neulich in der Basketball-Halle geklingelt haben soll - während eines Männerspiels im Bereich der Ersatzbank. Obwohl jeder Coach in solchen Momenten den Glauben an die Verbindung zu seinem angewählten Teammitglied verlieren muss. Da fehlt es wohl am olympischen Geist in der Birne. Aber der hat es ja ohnehin schwer, Terrain zurückzugewinnen. Vielleicht hat er sich deshalb gerächt. Als der deutsche Fechter Joppich seinem führenden Gegner Lefort mit einer Attacke auf die Pelle rückte, purzelte ein schwarzes Smartphone aus dessen Tasche auf die Planche. Der Franzose musste sich trennen und verlor - offline - prompt. Recht so. Der Sportsgeist kämpfte an diesem Tag fern der Arena erfolgreich um sein Comeback als gute Seele. Als der englische Journalist K., hoch zufrieden nach einem guten Essen, schon eine Weile über den Trottoir unweit der Copacabana schlenderte, lief ihm der aufgeregt gestikulierende, schreiende Kellner hinterher. Der Brite ein Zechpreller? Aber nein. „Bitte, bitte, Sie haben ihr Handy vergessen.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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