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Fantasma – die Olympia-Kolumne : Das Volk hat verstanden

  • -Aktualisiert am

Doping-Kronzeugin Julij Stepanowa hat viele Unterstützer – wenn auch nicht im IOC. Bild: dpa

Hunderttausende Menschen unterschreiben eine Petition für das Startrecht der Doping-Kronzeugin Stepanowa. Selbst wenn es nichts mehr bringt – eines zeigt es in jedem Fall.

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          Vielleicht ist das so mit dem olympischen Geist: Dieser scheue, seit einigen Olympiaden kaum mehr gesichtete Geselle geht einfach mit der Zeit. Hat keine Lust mehr auf Fackelläufe und Funktionärsauftritte, Milliardenspiele und Medaillenspiegel, Zwangsenteignungen und Zielvorgaben. Vielleicht muss, wer so etwas wie einen Geist, eine Seele bei Olympischen Spielen finden will, es machen wie die alten Griechen: in den Äther aufsteigen. Online gehen. Rund eine Viertelmillion Menschen hat es getan. Mehr als 260 000 Menschen aus Dutzenden Staaten haben eine in Darmstadt entworfene Petition für Julija Stepanowa unterschrieben. Darin fordern sie: Startrecht für die Doping-Kronzeugin in Rio! Sogar etliche Russen sind unter den Unterstützern. IOC-Präsident Thomas Bach und der Rest der olympischen Entscheidungsträger aber hält Stepanowas Start, es ist immer noch viel weniger zu fassen als der olympische Geist, für ethisch nicht vertretbar.

          Die Petition wird nichts bewirken, Julija Stepanowa wird nicht starten. Und doch steigt die Zahl ihrer Unterstützer noch immer um mehrere Hundert pro Stunde. Sie alle haben verstanden: Lasst das IOC im Hinterzimmer entscheiden, über Deals, deren Beweggründe niemand nachvollziehen kann, der sich nicht mit dem Mantra des Sportfunktionärs in den Schlaf murmelt: Mehr, mehr, mehr. Mehr Macht, mehr Geld, mehr Ich. Die Unterstützer der Familie Stepanow kehren diesem Zirkel den Rücken. Sie stimmen per Mausklick ab, von Jamaika bis Neuseeland, von Norwegen bis Südafrika. Es scheint, als gehe es dem olympischen Geist vergleichsweise gut. Er meidet offenkundig nur das Internationale Olympische Komitee. Ein cleveres Kerlchen ist das.

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