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Russisches Olympia-Geschäft : Annektiert, abgekauft, abgemeldet

  • -Aktualisiert am

Traum geplatzt: Wera Rebrik darf nicht zu den Olympischen Spielen. Bild: AP

Russlands Leichtathletikverband hatte der Ukraine für Wera Rebrik von der Krim 150.000 Dollar gezahlt. Die Speerwerferin sollte in Rio Olympia-Gold holen. Ein ganz schlechtes Geschäft.

          Wera Rebrik hatte einen Traum: zu den Olympischen Spielen. Für Russland. Die 27-Jährige, in der Schwarzmeerstadt Jalta auf der Krim zu Hause, gilt nach der früheren Weltmeisterin Maria Abakumowa als Russlands beste Speerwerferin. Abakumowa ist gesperrt: Doping. Rebrik ist russische Meisterin. Bei den Meisterschaften Ende Juni in Tscheboksary gewann sie ganz locker, hatte sechs Meter Vorsprung auf den zweiten Rang. Doch seit Donnerstag ist auch Wera Rebrik gesperrt, endgültig. Der Cas bestätigte die Sperre, die der Internationale Leichtathletikverband über die russischen Läufer, Springer und Werfer verhängt hat. Wera Rebrik darf nicht nach Rio.

          Dabei scheint sie so gut in Form wie seit vier Jahren nicht mehr. 2012 wurde sie Europameisterin, in Helsinki. Für die Ukraine. Im Jahr darauf startete die Speerwerferin von der Krim unter ukrainischer Flagge bei der Weltmeisterschaft in Moskau. Ein Nationalitätswechsel war für sie undenkbar. Doch die politische Lage entwickelte sich dramatisch schnell: Im März 2014, nach einem umstrittenen Referendum, übernahm Russland die Herrschaft auf der ukrainischen Halbinsel. Und wie viele anderen Sportler musste sich Rebrik entscheiden: Bleibe ich jetzt Ukrainerin - oder wechsele ich nach Russland?

          „Es wäre für mich echt ungemütlich“

          „Für mich war der Verbleib beim ukrainischen Verband von Anfang an keine Option“, wird die 27-Jährige, die als zweifache Junioren-Europameisterin und Junioren-Weltrekordhalterin einst als absolutes Top-Talent galt, später erzählen. Sie räumt ein, dass der Wechsel nach Russland keine leichte Entscheidung war. „Es wäre für mich echt ungemütlich, wenn ich beim ukrainischen Verband geblieben wäre – während ich auf der Krim lebe, die nun zu Russland gehört“, erklärt Rebrik. „Außerdem: Wenn ich Ukrainerin geblieben wäre, müsste ich selbst mein Training in Jalta bezahlen. Nach Kiew ziehen konnte ich auf keinen Fall - ich konnte meine kranken Eltern nicht zurücklassen.“

          Laut den Regeln des Weltverbandes IAAF darf ein Sportler, der seine Nationalität gewechselt hat, allerdings drei Jahre bei den internationalen Wettbewerben nicht starten - falls keine Genehmigung seines früheren Verbandes vorliegt. Und so wurde Rebriks Wechsel vom ukrainischen zum russischen Verband zu einer seltenen sportpolitischen Angelegenheit. Denn: Der ukrainische Verband hat - anders als in Russland erwartet - den Wechsel von Rebrik nicht untersagt, sondern die Verhandlungen mit den russischen Kollegen aufgenommen. Während die Staatsführung in Kiew klarstellte, dass über die Krim auf keinen Fall verhandelt wird, hat die Spitze des ukrainischen Leichtathletikverbandes genau das Gegenteil gemacht - trotz großer öffentlicher Kritik.

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