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Boote, Pferde und Brötchen : Alles muss mit nach Rio

Auch sie müssen mit nach Rio: Die Pferde der deutschen Reiter Bild: dpa

Die Olympischen Spiele sind auch logistisch eine Herausforderung: Ruderboote, Pferde und Leichtathletik-Stäbe müssen nach Rio gekarrt werden. Doch es werden längst nicht nur Sportgeräte auf die Reise geschickt.

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          Die Olympischen Spiele in Rio beginnen zwar erst am 5. August, Dutzende Mitarbeiter der Deutschen Bahn sind aber schon jetzt in Olympia-Stimmung. Für die Logistiker der Bahngesellschaft DB Schenker ist die Zeit vor dem Sportfest allerdings harte Arbeit: Als offizieller Partner der deutschen Olympiamannschaft schickt DB Schenker alles auf die Reise, was die Sportler und ihre Begleiter in Brasilien brauchen: Sportbekleidung, Sportgeräte, Medikamente, Büromaterial - und sogar eine fest installierte Backstraße, die täglich frische deutsche Frühstücksbrötchen liefern soll.

          Kerstin Schwenn
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          „Kaum jemand weiß, wie komplex die Logistik hinter den Spielen ist“, sagte Jochen Thewes, Vorstandsvorsitzender der Schenker AG, dieser Zeitung in Berlin. „Allein für die Ausstattung des Olympischen Dorfes verschiffen wir 1,3 Millionen Einzelteile. Hinzu kommen mehr als 60 Tonnen Luftfracht, zum Beispiel Sportgeräte für Ruderer und Kanuten - und teilweise anspruchsvolle Zollabfertigungen.“Die genaue Zahl der verpackten Turnschuhe ist nicht verbürgt, dafür berichtet Thewes aber von anderen Container-Inhalten: 7000 Flaschen Riesling, Weißburgunder und Cabernet Sauvignon, 2140 Flaschen Sekt, 90 50-Liter-Bierfässer, 32 500 Gläser (darunter 5000 Champagner- und 6000 Weingläser) sowie 100 000 Klappstühle und 250 000 Kleiderbügel.

          Einiges ist noch unterwegs, vieles schon angekommen: Insgesamt 1030 Standardcontainer haben die rund 150 Sportlogistiker von DB Schenker bereits für die Ausstattung des Olympischen Dorfes, die deutsche Olympiamannschaft, das Deutsche Haus, die Eröffnungs- und die Schlusszeremonie und das Catering an den Stadien auf den Weg gebracht. Dabei kümmern sie sich nicht nur um die reinen Transportdienstleistungen über Land, Luft oder See, sondern eben auch um schwierige Sicherheitsfragen, Zollformalitäten, Kommissionier- und Verpackungsarbeiten sowie die pünktliche Lieferung an die Veranstaltungsorte.

          Einige Mitarbeiter sind schon seit Mitte vergangenen Jahres in Rio, um eine reibungslose Abwicklung der logistischen Prozesse zu gewährleisten. Bereits vor einem Jahr traf der erste Container in Rio ein. Bis Juni wurden rund 940 Container mit Mobiliar vor allem aus Asien nach Rio verschifft. Insgesamt wurden für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sechs Schiffscontainer mit Segelbooten und Zubehör, mit der Mannschaftsapotheke, Werkstattmaterial und Büroausstattung sowie weitere 60 Tonnen Luftfracht nach Rio gebracht - darunter Sportgeräte für Ruderer und Kanuten. Mancher Kanute allerdings gibt das Paddel nicht aus der Hand. Die Maßanfertigungen aus Carbon reisen dann als Handgepäck nach Rio. Auch Hockeyschläger, Fußbälle oder die Personenwaagen für die Gewichtheber sind schon am Zielort eingetroffen. Im Deutschen Haus, dem Treffpunkt von Athleten sowie Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Medien, übernimmt DB Schenker das komplette Logistikmanagement und sorgt für die Ausstattung von der Stromversorgung über Barhocker bis hin zu den alkoholischen Getränken. Zudem sind die Landesgesellschaften aus China, Japan und Korea für den Transport von Fernsehausrüstungen nach Rio verantwortlich.

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          Die rund 440 Athleten der deutschen Olympiamannschaft und außerdem etwa 140 Sportler, die zu den Paralympischen Spielen ab 7. September nach Rio fahren, verlassen sich auch bei der Lieferung ihres persönlichen Gepäcks auf den Bahnkonzern. Seit Anfang Juli werden die Taschen von DB Schenker bei der offiziellen Einkleidung in Hannover übernommen und - fein sortiert nach Sportarten - nach Brasilien befördert. Dabei umfasst die Olympia-Ausrüstung eines jeden Athleten im Durchschnitt mehr als 60 Einzelteile, nicht nur Trainings- und Wettkampfkleidung, sondern auch Anzüge und Kostüme für offizielle Anlässe - und nicht zuletzt das „Medaillen-Outfit“ für die Siegerehrung. Maskottchen und Lieblingskissen nehmen viele Athleten indes lieber ins Handgepäck.

          Der Einsatz von DB Schenker bei Olympia hat inzwischen Tradition. Schon 1972 in München waren die Logistiker dabei. Seit den Olympischen Spielen in Sydney 2000 ist Schenker Deutschland regelmäßig für deutsche Olympiamannschaften und das Deutsche Haus tätig. Zum Bahnkonzern gehört das weltweite Logistikgeschäft von Schenker seit dem Jahr 2002. Derzeit erwägt die Bahnführung, um Erlöse für Investitionen zu gewinnen, eine Teilprivatisierung ihres profitablen Tochterunternehmens. Der Vorstand wird dem Aufsichtsrat im Herbst dazu ein Konzept präsentieren. Der Blick der Schenker-Leute reicht auch bei Olympia über nationale Grenzen hinaus: So sorgt DB Schenker dafür, dass auch die Athleten aus Österreich, Norwegen, Portugal und der Schweiz ihre Ausstattung pünktlich nach Rio geliefert bekommen. Nach Ende der Olympischen Spiele am 21. August müssen die Logistiker noch einmal in Form kommen, wie Thewes betont: „Die Fracht muss dann zurück in die Heimat - oder direkt weiter zur nächsten Sportveranstaltung.“

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