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Olympia in Rio : Leichtathletik am Abgrund

Sturzgefahr: Die Leichtathletik ist wie die Hürdensprinterin Nikkita Holder (am Boden) ins Trudeln geraten Bild: dpa

Gedopte Sportler und korrupte Funktionäre: Die Kernsportart Leichtathletik hängt bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro in der Luft – und den Siegern mag man nicht mehr trauen.

          4 Min.

          Der Himmel hat der Leichtathletik Faith geschenkt. Glaube fehlt dringend in der Kernsportart Olympias. Dabei ist sie nun da: Faith Kipyegon, eine 22 Jahre alte Läuferin aus Kenia. Sie heftet sich an die Fersen von Genzebe Dibaba, als diese auf der vorletzten Runde des 1500-Meter-Laufes ihren gefürchteten Spurt beginnt. An diesem Abend ist er besonders gefürchtet. Erst im Juni nahm die spanische Polizei eine Razzia in Dibabas Trainingslager bei Barcelona vor, beschlagnahmte einige Kartons Doping-Mittel und nahm Trainer Jama Aden fest. Nicht schon wieder soll die 1500 Meter eine Läuferin gewinnen, die ihre Goldmedaille nur geliehen bekommt.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Asli Çakir Alptekin, der Ersten auf dieser Strecke 2012 in London, wurde ihr Olympiasieg nach einem Jahr aberkannt - Doping. Auch ihre auf Platz eins nachgerückte türkische Mannschaftskameradin Gamze Bulut scheint gedopt gewesen zu sein; ihr droht die Disqualifikation. Die Russinnen Ekaterina Kostetskaja und Tatjana Tomaschowa sind bereits aus der Ergebnisliste gestrichen, ebenso die Weißrussin Natallia Kareiwa und die Äthiopierin Abeba Aregawi. Das Resultat der Olympischen Spiele von London ist eine Farce.

          „Gut vorbereitet. Ich danke Gott“

          100 Meter vor dem Ziel wirkt es, als gehe Genzebe Dibaba die Puste aus. Der Frau, die vor einem Jahr zum Weltmeistertitel spurtete und mit ihrer unglaublichen Tempohärte den mehr als zwei Jahrzehnte alten Weltrekord der Chinesin Qu Yunxia unterbot (in 3:50,07 Minuten), scheint nun etwas zu fehlen. Sie habe in den vergangenen Wochen an einer Oberschenkelverletzung gelitten, lässt sie aus dem Amharisch übersetzen. „Ich möchte Ihnen versichern, dass ich sauber und kristall-klar von Doping bin.“ Ihr Trainer sitze leider in Untersuchungshaft, sie warte auf die Entscheidung des Welt-Leichtathletik-Verbandes IAAF. Spreche dieser Aden frei, setzte sie die Zusammenarbeit fort; wenn nicht, dann nicht.

          Faith Kipyegon spurtet also zum Olympiasieg. „Ich war gut vorbereitet. Ich danke Gott“, sagt sie, gefragt zum Thema Doping. Mit 17 Jahren war sie Jugend-Weltmeisterin, mit 18 Junioren-Weltmeisterin und im vergangenen Jahr, mit 21, Zweite der WM. „Wir in Kenia sind dank Doping-Kontrollen sauber.“ Das wäre eine Überraschung, musste doch der Geschäftsführer des kenianischen Verbandes heimreisen, weil er Journalisten, die sich als Trainer und Manager vorstellten, vor versteckter Kamera anbot, Doping-Kontrollen zu terminieren und zu verhindern. 15 kenianische Leichtathleten sind trotz seiner Expertise wegen Dopings gesperrt.

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          Dies allein dürfte nicht der Grund für die bizarre Stimmung im halbleeren Olympiastadion sein, der aufgepeppten Arena des Fußballklubs Botafogo, benannt nach dem am Montag gestorbenen Paten des Weltfußballs, Joao Havelange. Gerade drei Entscheidungen fallen an diesem Abend; dem Hochsprung, den der Kanadier Derek Drouin mit 2,38 Meter gewinnt, und dem Hürdensprint, der in 13,05 Sekunden an den Jamaikaner Omar McLeod geht, fehlen die russischen Weltmeister, Iwan Uchow und Sergej Schubenkow. „Je mehr Teilnehmer ein Wettbewerb hat, desto spannender ist er“, sagt dazu der Ukrainer Bogdan Bondarenko, Dritter im Hochsprung. Die Russin Darija Klischina setzt sich in der Qualifikation des Weitsprungs durch. Es sei komisch, als einzige Russin zu starten, sagt sie. Ihr fehle das Team.

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