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Deutsche Zwischenbilanz : „Ein ,Weiter so‘ kann und darf es nicht geben“

  • -Aktualisiert am

Viele Deutsche Schwimmer konnten die Erwartungen nicht erfüllen Bild: AFP

Die Zwischenbilanz des deutschen Teams fällt ernüchternd aus. Der Chef der Olympia-Mannschaft korrigiert die Medaillenprognose nach unten. DOSB-Präsident Hörmann sieht dringenden Gesprächsbedarf. Ein Verband steht besonders in der Kritik.

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          Die Führung der Deutschen Olympiamannschaft hat ihre Medaillenprognose korrigiert: „Wir werden die in London gesetzte Marke nicht erreichen können“, sagte Delegationsleiter Michael Vesper am Sonntag in Rio. Vor vier Jahren hatten die Deutschen bei den Sommerspielen 44 Medaillen (11 Gold/19 Silber/14 Bronze) gewonnen. Zur Halbzeit der Spiele von Rio gewann das Team 16 (8/5/3).

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Vesper führte als einen der Gründe die Verdichtung der Leistungsfähigkeit im internationalen Spitzensport an. „Ganz viele Nationen haben nachgerüstet, viel in den Leistungssport investiert. Nach acht Tagen hatten in London Athleten aus 58 Ländern Medaillen gewonnen. In Rio ist das bis zum gleichen Zeitpunkt schon Sportlern aus 65 Ländern gelungen“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). „Das zeigt, dass der Kuchen auf immer mehr Nationen verteilt wird.“

          Hörmann will kein „Weiter so!“

          Drastischere Worte fand derweil DOSB-Präsident Alfons Hörmann fernab der Pressekonferenz am Rande des olympischen Golfturniers, wo er den deutschen Spitzengolfer Martin Kaymer wegen seines Bekenntnisses zu olympischen Idealen als Fahnenträger für die Abschlussfeier ins Gespräch brachte: „Insgesamt werden wir nach den Spielen in der notwendigen Klarheit darüber reden müssen, wo wir stehen und warum“, kündigte sagte Hörmann. „Ein 'Weiter so' kann und darf es nicht geben“, sagte er mit Blick auf das Abschneiden einzelner Fachverbände in der ARD. Denn in einigen Sportarten seien die Ziele schlichtweg nicht ansatzweise erreicht worden. „Absolut besorgniserregend ist für mich das Ergebnis bei den Schwimmern“, sagte Hörmann. „Wir haben im Weltsport ein Niveau, das wir in zahlreichen Verbänden nicht mehr vollumfänglich mitgehen können.“

          Auf die Frage, ob Doping in manchen Sportarten die Differenz zwischen Weltspitze und hinteren Rängen ausmache, antwortete derweil Vesper: „Ich gehe davon aus, dass unsere Mannschaft sauber ist. Es ist immer schlecht, eine Verdächtigung auszusprechen, wenn man in einem Wettbewerb verloren hat. Deshalb werde ich den Generalverdacht nicht aussprechen. Dass der Grundgedanke der Fairness leider nicht erfüllt ist, wenn nicht alle Athleten gleich getestet worden sind, das wissen wir.“

          Athleten verschiedener Nationen haben in Rio ungewöhnlich offen über Manipulationen in ihren Sportarten gesprochen und sich erstaunt gezeigt angesichts von Leistungssprüngen. Beim 10000-Meter-Lauf der Frauen wurde der Weltrekord um 14 Sekunden unterboten.

          Lob für die Schützen

          Dirk Schimmelpfennig, der Leistungssportdirektor des DOSB, lobte unter anderem den Auftritt von Reitern, Ruderern und den Shootingstars des deutschen Teams, den Schützen. In London hatten die Athleten des DSB keine Medaille gewonnen, in Rio bis zum Sonntag drei goldene und zwei silberne: „Da hat eine Intensivierung und Umstrukturierung zu einem maximalen Ergebnis geführt.“ Schimmelpfennig sprach angesichts von acht Goldmedaillen in der ersten Woche von einer „Stärke im Spitzenbereich“. Allerdings fehle dieser Spitze die Breite, da die Mannschaft im Vergleich zu London zur Halbzeit sieben Medaillen im „Silber- und Bronzebereich“ mehr hatte.

          „Absolut besorgniserregend“: DOSB-Präsident Alfons Hörmann kritisiert die Schwimmer

          Ein Schwund sei auch mit Blick auf die vierten und fünften Plätze festzustellen. Nicht von jedem Verband wird der DOSB zusammen mit dem Bundesinnenministerium (BMI) als Förderer des Spitzensports wegen der Verfehlung der Ziele starke Veränderungen fordern. Aber die Spitzensportabteilung des Deutschen Schwimmverbandes, das Problemkind seit Peking 2008, wird sich stark bewegen müssen. „Wir haben 34 Wettbewerbe. In sieben Finalteilnahmen waren die besten Plazierungen sechste Plätze. Es müssen Weichen für eine langfristige Verbesserung gestellt werden“, sagte Schimmelpfennig und stellte das Konzept des DSV in Frage: „Es gab auch individuelle Programme für Spitzenathleten. Sie haben auch nicht gegriffen.“

          Desillusionierter Zuschauer: DOSB-Vorstandschef Vespersieht die Ziele schon als verfehlt an

          Das im Juli dem für Spitzensport zuständigen Innenminister vorgelegte Konzept wollen DOSB und Ministerium nach einer Justierung im Herbst vorstellen. Das BMI drängte auf effektivere Strukturen. Der DOSB will mit der Reform seine schon 2012 erhobene Forderung nach mehr Geld rechtfertigen. Damals hatte er 38 Millionen Euro pro Jahr mehr verlangt. Zurzeit zahlt das BMI rund 150 Millionen Euro pro Jahr „Dass wir mehr Mittel benötigen, um erfolgreich Spitzensport betreiben zu können“, sagte Vesper, „ist unstrittig.“


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