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„Wooooooah“ : Plötzlich Olympia-Bronze für Hausding und Rüdiger

Große Freude bei Lars Rüdiger (links) und Patrick Hausding: Für Rüdiger sind es die ersten, für Hausding die letzten Olympischen Spiele. Bild: dpa

Erst Fahnenträger, jetzt Medaillengewinner: Zusammen mit Lars Rüdiger gewinnt Patrick Hausding bei seinen letzten Spielen Bronze im Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett. Und eine Chance kommt noch.

          1 Min.

          Patrick Hausding schlägt mit der Hand aufs Wasser. Es spritzt, er steht vom Beckenrand auf und schreit: „Wooooooah.“ Umarmung mit Lars Rüdiger, er läuft unruhig hin und her. „Wo ist mein Trainer?“, fragt er. Wenige Minuten später hat er sein Handy in der Hand, telefoniert mit seiner Freundin. Rüdiger streckt zwar seine Arme in die Luft, aber er kann es nicht fassen, sein Blick verrät nichts.

          Stefanie Sippel
          Sportredakteurin.

          Ein paar Minuten vorher: Synchronspringen vom Dreimeterbrett. Rüdiger und Hausding liegen auf Rang sechs, letzter Sprung. Hausding ruft: „Ab.“ Drei Schritte Anlauf, Absprung, viereinhalb Saltos vorwärts gehockt. Sie tauchen beide ein. Warten. 85,50 Punkte für den Sprung, insgesamt 404,73 Punkte, Bronzemedaille.

          „Der krankeste Wettkampf meines Lebens“

          Vor ihnen nur Andrew Capobianco und Michael Hixon aus den USA (444,36 Punkte) und die Chinesen Wang Zongyuan und Xie Siyi (467,82 Punkte). Hausding und Rüdiger profitierten im Wettkampf auch von den Patzern der anderen. „Wenn die Performance reicht, die nicht Weltklasse war, dann danke ich dem Rest der Welt“, sagt Hausding in einer Pressekonferenz. So sei es eben im Synchronspringen, es komme auf die Millisekunde an.

          Hausding und Rüdiger sind synchron auf dem Brett, in der Luft und wenn sie eintauchen. Wenn sie nebeneinander in ihrer Wohnung in Tokio sitzen, hinter ihnen eine Deutschland-Girlande, wird klar: Sie sind ganz andere Typen. Hausding spricht viel und gerne, Rüdiger hört gerne zu. Seine Gefühle zeigt er selten. „Wer mich ein bisschen kennt, der weiß, wie ich bin, ich bin nicht der, der aus sich rauskommt“, sagt er. Für Hausding sind es die letzten Olympischen Spiele, für Rüdiger sind es die ersten. „Heute war ich ganz schön aufgeregt. Ich habe mir gesagt: Mach das, was ich im Training gemacht habe – das hat nicht so richtig geklappt.“

          Beim anderthalbfachen Auerbachsalto mit dreieinhalb Schrauben tauchte das Duo versetzt ein. „Weg das Ding“, sagte ihr Trainer, vergessen und abhaken. Der Wettkampf, ein Auf und Ab. „Das war der krankeste Wettkampf meines Lebens. Wir haben fünfmal besser trainiert, als wir es im Wettkampf gemacht haben“, sagt Hausding.

          2016 holte er Bronze vom Dreimeterbrett, bei seiner Olympia-Premiere 2008 hatte er Silber im Turm-Synchronspringen gewonnen. „Olympia hat seine eigenen Regeln“, sagt er. Es sind seine letzten Spiele, in Paris 2024 wird er nicht mehr dabei sein. In Tokio war es für ihn nicht der letzte Wettkampf, er geht noch allein auf das Dreimeterbrett. Und Rüdiger? Der ist da vielleicht auf dem Weg nach Hause. Wird aber bestimmt wiederkommen.

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