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Michael Jung : Der größte Reiter seiner Epoche

  • -Aktualisiert am

Doppelt belohnt: Michael Jung mit seiner Gold und seiner Silbermedaille Bild: dpa

Der goldene Reiter ist abermals der beste Vielseitigkeitsreiter bei Olympia. Michael Jung wiederholt in Rio de Janeiro seinen Erfolg von 2012 dank eines fehlerfreien Springens. Zuvor hatte er mit dem Team Silber gewonnen.

          Er ist ein Traumwandler, ein Pferdeflüsterer, ein Wiederholungstäter. Als befände er sich in seiner eigenen Welt, so bewegte sich Michael Jung durch die vergangenen Tage, der Blick war immer freundlich, aber manchmal unscharf in die Ferne gerichtet, so als zöge er sich in sich selbst zurück. Es mag die mentale Vorbereitung des 33 Jahre alten Schwaben gewesen sein auf die schwierigen, fordernden Wettbewerbe der olympischen Vielseitigkeit, seine Art, sich dem Druck zu entziehen, den alle Welt, einschließlich ihm selbst, auf ihn ausübte.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Denn es musste sein, dieses Gold. Jung ist der stärkste und ungewöhnlichste Reiter seiner Epoche. Alles andere als der Olympiasieg wäre ein Versagen gewesen, irgend eine Fehlplanung, ein Fehlgriff, ein Fehlschlag. Jung könnte sogar mit verbundenen Augen Olympiasieger werden, stand in einer Vorschau des Reiter-Weltverbandes (FEI). Man könne ihn auch rückwärts auf ein Pferd setzen, er würde trotzdem gewinnen. Jung ist unter diesen Erwartungen nicht weich geworden. „Talent“, heißt es schon bei Goethe, „weiß immer, was zu tun ist.“ Am Dienstag, als alles vorbei war, die Dressur, der Geländeritt, und die beiden Parcoursspringen, tauchte er aus seiner mentalen Versenkung wieder auf und hatte das Gold - und dazu eine Silbermedaille mit der Mannschaft.

          Historische Leistung

          Jung wiederholte damit den Olympiasieg von 2012 in London - damals hatte er zudem auch mit der Mannschaft ganz oben gestanden. Und auch das Pferd, mit dem er das schaffte, ist dasselbe: Der inzwischen sechzehn Jahre alte Sam, ein ganz besonderes Pferd in seinem Stall, an im hängt sein Herz am meisten, schließlich war er sogar einmal entführt. Zusammen haben diese beiden jetzt eine historische Leistung vollbracht: Sie sind erst das dritte Paar in der Vielseitigkeit, das zweimal zusammen Olympiasieger wurde.

          Der erste, dem dies Kunststück gelang, war der niederländischen Armeeoffizier Charles Pahud de Mortanges mit Marcroix 1928 in Amsterdam und 1932 in Los Angeles. Der zweite war der Neuseeländer Mark Todd, der mit seinem Wallach Charisma 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul gewann, und auch bei den Spielen in Rio am Start war - mit dem Holsteiner Leonidas wurde er diesmal Siebter.

          In der Dressur hatte sich zwischen Jung und Sam noch ein Missverständnis eingeschlichen, sie konnten sich zunächst nicht einigen, an welche Stelle ein fliegender Galoppwechsel gehörte, aber Jung reagierte besonnen, parierte Sam durch und setzte die Aufgabe fort. Über das Gelände flogen sie nicht ganz so geisterhaft wie sonst. Sam hatte sich aufgeregt über den Lärm und den Betrieb um ihn herum und wollte lospreschen wie vom Katapult abgeschossen, aber Jung lenkte ihn souverän über den Kurs.

          Und im Parcours war die alte Sicherheit wieder da. Wenn er zu Fuß geht, mag der Schwabe aus Horb ein ganz normaler Mensch sein, er wirkt sogar ein wenig schüchtern. Im Sattel aber bezeichnet ihn die Konkurrenz als außerirdisch. Die nächsten Plätze gingen an Erdlinge, denen auch einmal Hindernisfehler passieren. Zweiter wurde der Franzose Nicolas Astier mit Piaf vor dem Amerikaner Philipp Dutton auf Mighty Nice.

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