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Tischtennis-Medaillenchancen : Ovtcharov und eine offene Rechnung

  • -Aktualisiert am

Kann zum zweiten Mal bei den Olympischen Spielen eine Medaille gewinnen: Dimitrij Ovtcharov. Bild: dpa

Dimitrij Ovtcharov ist als letzter verbliebener Deutscher im Tischtennis-Einzel ins Halbfinale eingezogen. Auch mit der Mannschaft kann er noch eine Medaille gewinnen.

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          Zwei Tage vor Ende der Einzelwettbewerbe des olympischen Tischtennisturniers ruhen alle deutschen Hoffnungen auf Dimitrij Ovtcharov. Der Weltranglistenachte steht nach seinem 4:2-Viertelfinalsieg über den Brasilianer Hugo Calderano als letzter deutscher Vertreter in Tokio im Halbfinale und hat somit zwei Versuche, eine Medaille zu gewinnen.

          Am Donnerstag trifft Ovtcharov auf Weltmeister und Olympiasieger Ma Long (China), den einzigen Weltklassespieler, den er bislang noch nie besiegen konnte. 15 Niederlagen in 15 Spielen gegen den Chinesen stehen für Ovtcharov zu Buche, doch der Außenseiter präsentierte sich in Tokio bislang in starker Verfassung, und auch wenn es im 16. Anlauf wieder nicht klappen sollte, so bliebe dem 32-jährigen Deutschen am Freitag noch das Spiel um Bronze.

          Überragende Aufholjagd

          Erst einmal aber kann der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) froh sein, überhaupt einen Vertreter so weit gebracht zu haben. Gegen Calderano bewies Ovtcharov einmal mehr seine überragenden kämpferischen Qualitäten und seine mentale Stärke. Nach zwei klar verlorenen Sätzen sah der Deutsche bei einem 4:8-Rückstand im dritten Durchgang bereits wie der sichere Verlierer aus, fand aber zurück ins Spiel.

          Er glich zum 2:2 nach Sätzen aus und drehte auch den fünften Durchgang nach 1:7-Rückstand noch mit 11:8. Damit war die Moral des jungen Brasilianers gebrochen. „Das ist die Stärke von Dima“, erklärte anschließend Bundestrainer Jörg Roßkopf, „dass er immer daran glaubt, dass er weiß: Gegen ihn müssen die Gegner den Satz erst mal zumachen.“

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          Beste deutsche Vertreterin im Einzel war Han Ying. Die 38-jährige Abwehrspielerin erreichte mit Siegen über Jian Fang Lay (4:0/Australien) und Feng Tianwei (4:1), die 2012 in London Singapurs erste Olympiamedaille gewonnen hatte, das Viertelfinale, blieb dort aber trotz guter Leistung gegen die Weltranglistenzweite Sun Yingsha (China) erwartungsgemäß ohne Chance. Für Petrissa Solja hatte es bereits in ihrem ersten Einzel gegen Zhang Mo (Kanada) ein enttäuschendes 3:4 gegeben.

          Die Europameisterin bekannte anschließend, die Niederlage vom Vortag noch nicht verwunden zu haben. Da hatte sie gemeinsam mit Patrick Franziska im Mixed eine riesige Chance vergeben: Im Viertelfinale gegen die Japaner Jun Mizutani/Mima Ito konnte das deutsche Duo im Entscheidungssatz trotz starker Leistung eine 9:2-Führung sowie sieben Matchbälle nicht nutzen. Den Japanern gelang später die Sensation: Beflügelt von diesem Sieg, bezwangen sie im Finale die für unschlagbar gehaltenen Chinesen Xu Xin/Liu Shiwen und sicherten sich so Gold.

          Enttäuschung für Boll

          Mit einer Enttäuschung muss auch Timo Boll leben: Auch bei seiner sechsten Olympiateilnahme kam der Rekordeuropameister nicht in die Nähe einer Einzelmedaille. Im Achtelfinale unterlag Boll dem stark spielenden Südkoreaner Jeoung Youngsik 1:4. Bis zum Beginn der Mannschaftswettbewerbe am Sonntag muss die deutsche Delegation also einige Rückschläge verarbeiten. „Viel können wir hier ja leider nicht machen“, sagte Boll nach seiner Niederlage mit Blick auf die eingeschränkten Möglichkeiten im olympischen Dorf. „Die Gesprächsthemen werden in unserer WG sicher nicht intellektueller, das Gejammer wird größer. Aber wir werden uns alle zusammenreißen, Niederlagen gehören dazu. Es war ja meistens bei Olympia so, dass ich eine Enttäuschung wegstecken musste, und danach lief es ganz gut.“

          Damen-Bundestrainerin Jie Schöpp verwies auf den Silbermedaillengewinn ihres Teams 2016 in Rio: „Wir haben letztes Mal mit der Mannschaft viel mehr erreicht als im Einzel. Vielleicht haben wir ja auch diesmal die Chance, weit zu kommen.“ Die deutschen Herrenmannschaft, 2008 mit Silber, 2012 und 2016 mit Bronze heimgekehrt, gilt auch diesmal wieder als Medaillenanwärter. Aber vorher ruhen alle Hoffnungen auf Ovtcharov, der mit Ma Long noch eine Rechnung offen hat. „Ich hab das Spiel schon lange ihn meinem Kopf, ich bin froh, dass es morgen kommt. Und ich glaube an meinen Sieg.“

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