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Deutschland im Olympiafinale : Sie glauben an einen Sieg gegen China

  • -Aktualisiert am

Dimitrij Ovtcharov jubelt während des Mannschafts-Halbfinals im Tischtennis zwischen Deutschland und Japan. Bild: AFP

Spannung bis zum letzten Ballwechsel: In einem packenden Halbfinale haben die deutschen Tischtennis-Herren gegen Japan das bessere Ende für sich. Für Matchwinner Ovtcharov gibt es im Finale ein Wiedersehen mit Ma Long.

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          Lange Jahre waren Deutschlands Tischtennis-Damen bei den Turnieren auf Weltebene die „Drama Queens“, die für die großen emotionalen Momente sorgten. Bei den Olympischen Spielen in Tokio haben die Herren des Deutschen Tischtennis-Bundes ihre Kolleginnen in dieser Rolle abgelöst. Nachdem die deutschen Damen an diesem Mittwochmorgen ihr Halbfinalspiel gegen den hohen Favoriten China erwartungsgemäß deutlich mit 0:3 verloren hatten, präsentierten sich die Herren wenige Stunden später als wahre „Drama Kings“.

          Nach ihrem 3:2-Viertelfinalerfolg gegen Taiwan besiegten Dimitri Ovtcharov, Timo Boll und Patrick Franziska auch Gastgeber Japan im Halbfinale 3:2 und spielen am Freitag (12:30 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zu den Olympischen Spielen) gegen China um Gold. Aber was für eine Partie dieses Halbfinale wieder war!

          „So ein gutes Gefühl“

          „Ich habe keine Stimme mehr“, sagte Timo Boll nach dem Kampf, in dessen letzten Minuten er immer wieder aufgesprungen war und seine Teamkameraden lautstark angefeuert hatte. „Aber jetzt ist das so ein gutes Gefühl.“ Dimitrij Ovtcharov behauptete, er sei „fast gestorben“ im Spiel von Patrick Franziska gegen Tomokazu Harimoto, weil er so gehofft hat, dass Franziska das Spiel gewinne.

          Doch wie schon gegen Taiwan war es Ovtcharov, der den Siegpunkt zum 3:2-Erfolg holte, diesmal ein 3:0 gegen Koki Niwa. Kurz zuvor hatte Patrick Franziska die große Überraschung verpasst: Gegen den Weltranglistenvierten Tomokazu Harimoto, der zuvor Ovtcharov besiegt hatte, führte der Hesse 2:0-Sätze und im Entscheidungssatz mit 9:7, konnte die Chance aber nicht nutzen.

          Sein Erfolg hätte einen 3:1-Sieg für die DTTB-Auswahl bedeutet, die so doch wieder über die volle Distanz gehen musste. Franziskas Leistung war dennoch ermutigend: Das wichtige Doppel hatte er an der Seite von Timo Boll zum Auftakt gegen Jun Mizutani und Koki Niwa gewonnen, und auch gegen Japans Führungsspieler Harimoto, gegen den der 29-jährige Deutsche alle vier vorherigen Begegnungen deutlich verloren hatte, zeigte er über weite Strecken Tischtennis auf Weltklasseniveau. Timo Boll hatte die DTTB-Auswahl beim Stand von 1:1 mit einem Sieg gegen den phasenweise wie entfesselt spielenden Jun Mizutani wieder in Führung gebracht.

          Für die deutschen Männer ist dies der zweite Finaleinzug bei Olympischen Spielen. 2008 gewannen sie nach einer Endspielniederlage gegen China Silber, 2012 und 2016 jeweils Bronze, und bei all diesen Turnieren zählten Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov zum deutschen Team. Dimitrij Ovtcharov, der zum 2012 in London und diesmal in Tokio Bronze im Einzel gewann, ist damit der erste deutsche Tischtennisspieler überhaupt mit sechs olympische Medaillen.

          Für ihn und den 40-jährigen Boll könnte es die letzte Chance sein, um olympisches Mannschafts-Gold zu spielen, doch auf der anderen Seite ist auch die goldene Generation der Chinesen mit dem 32-jährigen Ma Long und dem 31-jährigen Xu Xin in die Jahre gekommen. Tatsächlich herrscht im deutschen Lager trotziger Optimismus. „Wir waren richtig heiß darauf, in dieses Finale zu kommen, und wir glauben definitiv auch an einen Sieg“, verkündete Bundestrainer Jörg Roßkopf nach dem Erfolg über Japan.

          Wer findet, dass dies angesichts der erdrückenden chinesischen Übermacht doch eher wie Pfeifen im Walde klingt, dem erklärt Roßkopf geduldig: „Wenn man im Finale steht, dann hat man auch die Chance. Wir wissen, wie schwer es wird, aber wir wissen auch, wie gut unsere Spieler sind. Am Ende haben wir uns wirklich oft aus schwierigen Situationen rausgezogen – auch heute.“

          Nicht nur Boll und Ovtcharov

          Zweifellos ist China der hohe Favorit, und alle Statistiken sprechen für das Team aus dem Reich der Mitte. Aber diesmal hat Bundestrainer Roßkopf nicht nur zwei Spieler, die auf höchstem Niveau konkurrenzfähig sind, nämlich Boll und Ovtcharov, sondern mit Patrick Franziska auch noch einen dritten Mann, der sein großes Potential bereits mit einem Sieg gegen den Weltranglistenersten Fan Zhendong bestätigt hat.

          Auch Dimitrij Ovtcharov betont: „Jeder von uns hat ja schon bewiesen, dass er auch gegen die Chinesen gewinnen kann. Wenn wir alle unseren besten Tag erwischen, dann ist auch alles möglich.“ Allerdings sei er sehr froh, nach dem Kräfte zehrenden Halbfinale einen Tag Pause zu haben. „Ich bin wirklich leer, emotional und mental“, bekannte Ovtcharov.

          Dem Bundestrainer macht das keine Sorgen. Er ist überzeugt, dass sein Führungsspieler auch im Endspiel wieder alles abrufen kann. Mit grimmiger Entschlossenheit sagt Roßkopf: „Man kann ja jetzt nicht sagen, im Finale ist man müde, und das sei ein Grund zu verlieren.“ Wie erschöpft man sei, darauf komme es nicht an. „Hauptsache, man gewinnt.“

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