https://www.faz.net/-hfn-ae1z3

Mein Tokio (3) : Wie Schuljungs auf Klassenfahrt

  • -Aktualisiert am

Trotz Match am nächsten Tag mittendrin im deutschen Pulk: Der Frankfurter Tennisprofi Tim Pütz bei der Eröffnungsfeier in Tokio. Bild: Reuters

Tim Pütz ist als Tennisprofi bei Olympia. Dort sieht sein Tag meist gleich aus: Nicht vor zwei Uhr ins Bett, trainieren, essen, schlafen, rumhängen. Das fühlt sich an wie eine Klassenfahrt.

          2 Min.

          Der Satz mag abgedroschen klingen, aber für mich ist dabei sein wirklich alles. Es bedeutet für mich etwas ganz Großes, Teil der Olympiamannschaft zu sein. Ein gutes Abschneiden im Doppelwettbewerb mit Kevin Krawietz sehe ich nur als Bonus an. Wobei ich gutes Abschneiden für mich nicht näher definiere und das Wort Medaillen gar nicht erst in den Mund nehme.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Weil das so ist, habe ich mit Kevin auch an der Eröffnungsfeier teilgenommen, obwohl der DOSB die Empfehlung an alle Sportler abgegeben hat, dies nicht zu tun, die am Samstag im Einsatz sind. Wir werden sehen, ob die suboptimale Match-Vorbereitung unseren sportlichen Ambitionen geschadet haben wird.

          Kaum Abwechslung

          Aber wir deutschen Tennisspieler gehen sowieso nicht vor 2 Uhr morgens schlafen, der Jetlag hat uns noch im Griff. Kevin und ich sind vor dem Match jedenfalls optimistisch, dass es gegen die Argentinier Diego Schwartzman und Facundo Bagnis reichen wird.

          Mittlerweile haben wir uns an den Olympia-Alltag gewöhnt, was auch nicht sehr schwierig war, weil er kaum Abwechslung bietet: trainieren, essen, schlafen, rumhängen. Das Training macht mit unserer Truppe besonders viel Spaß, die Anlage ist okay und nur zehn Minuten mit dem Bus vom olympischen Dorf entfernt. Mit dem Essen bin ich als Freund asiatischer Küche gut bedient, Gyoza, Sushi und Salat sind meine Favoriten.

          Kultiviertes Rumhängen

          Das Rumhängen zu kultivieren ist eine herausfordernde Aufgabe. Denn der Wunsch der Veranstalter ist allgegenwärtig: möglichst keine Kontakte. Das Olympische Dorf wurde wie viele Neubausiedlungen in Großstädten konzipiert: viele Wohnungen und Apartments auf wenig Fläche. Die deutsche Olympiamannschaft ist in einem Hochhaus untergebracht, mit den Teams von Belgien und Bosnien-Hercegovina.

          Was Städteplaner und Architekten ausgespart haben, sind Foren, Lounges, Gemeinschaftsräume jeder Art. Wenn man die Bude verlässt, bleiben nur Beinevertreten und das Ratespiel: Welche Sportart betreibt der Athlet, dem ich gerade begegne? Mehr als ein Hallo entsteht im Vorübergehen kaum, schon bei einem kurzen Gespräch meldet sich das schlechte Gewissen, weil es nicht gerne von den Organisatoren gesehen wird. Es gibt auch die Richtlinie, dass sich nicht mehr als zwei Athleten zu einem Foto zusammenstellen sollen, und dann nur mit Maske.

          Am liebsten wäre es den Veranstaltern, dass sich jeder Einzelne auf seinem Zimmer einschließt. Das machen wir im Tennisteam nicht. Skat ist unser beliebtester Zeitvertreib, und manchmal hocken wir nur zu fünft in einem kleinen Zimmer, quatschen Unsinn, lachen und ziehen uns gegenseitig auf. Tennisprofis wie Schuljungs auf Klassenfahrt.

          Peter Heß sprach mit Tim Pütz, 33 Jahre alter Frankfurter Tennisprofi, der in Tokio im Doppel mit Kevin Krawietz antritt.

          Pütz und Krawietz im Achtelfinale

          Der zweimalige French-Open-Champion Kevin Krawietz und Tim Pütz sind mit einer bärenstarken Vorstellung ins Achtelfinale des olympischen Doppel-Turniers eingezogen. Die Tennisprofis aus Coburg und Frankfurt am Main schlugen in der ersten Runde das argentinische Duo Facundo Bagnis/Diego Schwartzman in genau einer Stunde mit 6:2, 6:1.

          Die nächsten Gegner sind der zweimalige Einzel-Olympiasieger Andy Murray und Joe Salisbury (Großbritannien), die die an Position zwei gesetzten Franzosen Pierre-Hugues Herbert und Nicolas Mahut überraschend deutlich 6:3, 6:2 schlugen.

          „Salisbury/Murray ist eine neue Paarung. Wir kennen jeden Spieler individuell, aber nicht als Team“, sagte Krawietz, betonte jedoch: „Jeder ist schlagbar. Wir müssen unsere Leistung abrufen, dann ist vieles drin.“ Krawietz muss derzeit auf seinen etatmäßigen Partner Andreas Mies verzichten, der nach einer Knie-OP ausfällt. Mit dem Kölner hatte Krawietz 2019 und 2020 bei den French Open triumphiert. Nun ist der Frankfurter Tim Pütz sein Partner. (sid.)

          Weitere Themen

          HSV gewinnt wildes Nord-Derby in Bremen

          2. Bundesliga : HSV gewinnt wildes Nord-Derby in Bremen

          Zwei Gegentreffer, ein Platzverweis und ein aberkanntes Tor: Vieles lief in der ersten Hälfte gegen Werder Bremen. In der zweiten Halbzeit mühten sie sich vergeblich gegen die Hamburger Defensive.

          Gelungener Auftakt der DFB-Frauen

          WM-Quali gegen Bulgarien : Gelungener Auftakt der DFB-Frauen

          Die Nationalmannschaft gewinnt das Spiel gegen Bulgarien mit 7:0 (3:0). Kleinere Schwierigkeiten gab es nur in der Anfangsphase. Ein dominanter Auftakt in die WM-Qualifikation – vor wenigen Zuschauern.

          Topmeldungen

          Olaf Scholz spricht vergangenen Samstag in München.

          Wahlkampf : Scholz nennt konkretes Ziel für Steuererhöhung

          Erstmals beziffert der SPD-Spitzenkandidat, wie hoch der Spitzensteuersatz unter ihm als Kanzler liegen könnte. Dass im Gegenzug unter anderem der Mindestlohn auf 12 Euro steigt, macht er zur Bedingung für eine Koalition.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.