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Olympisches Tennisturnier : Und jetzt Zverev gegen Djokovic!

Locker ins Halbfinale: Alexander Zverev Bild: dpa

Alexander Zverev trotzt der Hitze in Tokio, der Aufschlag passt – nun greift er nach einer Medaille. Doch auf dem Weg ins Endspiel wartet die größte Herausforderung, die es derzeit im Tennis gibt.

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          Es war heiß im Ariake Tennis Park. Noch immer. Um 19:59 Uhr Ortszeit zeigte das Thermometer 28 Grad, dazu kam die hohe Luftfeuchtigkeit. Dabei waren die Matches auf Wunsch der Spieler extra in den Nachmittag und Abend verlegt worden, um der Mittagshitze in Tokio zu entfliehen. Viele hatten sich beschwert, besonders drastisch der Russe Daniil Medwedew.

          Pirmin Clossé
          Sportredakteur.

          Als sich während seiner Achtelfinal-Partie am Mittwoch ein Schiedsrichter bei ihm erkundigte, ob es ihm gut gehe und er weiterspielen könne, antwortete Medwedew: „Ich kann das Spiel beenden, aber ich könnte auch sterben. Übernehmen Sie die Verantwortung, wenn ich sterbe?“ Ihm sei schwarz vor Augen geworden angesichts der unmenschlichen Bedingungen auf dem Court, berichtete er hinterher. Die Veranstalter reagierten.

          Als Alexander Zverev am Donnerstag zu seinem Viertelfinal-Match im olympischen Tennisturnier antrat, war die Sonne deshalb schon untergegangen. Trotzdem war die Schwüle drückend. Wie eigentlich immer in diesen Tagen. Nun sind Tennisspieler feuchtwarme Bedingungen durchaus gewohnt. Auf ihrer Profitour reisen sie im Grunde das ganze Jahr über der Sonne hinterher. Doch als so erbarmungslos wie in Tokio haben sie die Hitze selten empfunden.

          Djokovic und der „Golden Slam“

          Es ist eine Grenzerfahrung. Für alle. Schweißtreibend war deshalb für Zverev auch sein Match gegen den Franzosen Jeremy Chardy. Wobei das tatsächlich vorwiegend an den klimatischen Bedingungen und weniger am Gegner lag. Der deutsche Topspieler setzte sich gegen die Nummer 68 der Welt recht problemlos mit 6:4, 6:1 durch. Gerade einmal 67 Minuten benötigte er dafür. Nassgeschwitzt war er trotzdem. Vor allem auf seinen Aufschlag konnte sich Zverev einmal mehr verlassen.

          Schon am Vortag gegen den Georgier Nikolos Bassilaschwili hatte er beeindruckend serviert. Seine ersten sieben Aufschlagspiele nacheinander gewann er zu Null. Dem erfahrenen Chardy gestattete er diesmal zwar schon wesentlich früher mal einen Punkt. Im dritten Spiel des ersten Satzes unterlief ihm ein Doppelfehler. Am Ende aber war die Bilanz nicht minder eindrucksvoll: In seinen sieben Aufschlagspielen des Tages hatte Zverev letztlich genau sieben Ballwechsel verloren.

          Schon das Viertelfinale hatte Zverev als erster deutscher Tennisprofi seit Tommy Haas vor 21 Jahren erreicht. Nun greift er nach der ersten deutschen Einzel-Medaille bei den Männern seit dessen Silber in Sidney. Die Hürde vor dem Finale könnte allerdings nicht höher sein. Novak Djokovic, der Weltranglistenerste, Gewinner von 20 Grand-Slam-Turnieren, darunter der Australian Open, French Open und Wimbledon in diesem Jahr.

          Der Serbe will den „Golden Slam“, den Sieg bei den fünf wichtigsten Tennisturnieren binnen einer Saison. Und bislang hat er nicht den Eindruck gemacht, als wolle er sich das in Tokio verderben lassen. Im Viertelfinale am Donnerstag fertigte er mal eben Japans Hoffnungsträger Kei Nishikori 6:2, 6:0 ab. Und gewann kurz danach noch im Mixed mit Landsfrau Nina Stojanovic das Viertelfinale gegen die Deutschen Laura Siegemund und Kevin Krawietz 6:1, 6:2.

          Für Zverev wird das Duell mit dem Goldfavoriten eine weitere Chance, das vermeintlich überfällige dicke Ausrufezeichen seiner Tennis-Laufbahn zu setzen. Er hat Djokovic schon geschlagen. Zweimal in bislang acht Duellen. Am eindrucksvollsten sicher im Endspiel der ATP Finals 2018. Das war allerdings, und hier liegt Zverevs größtes Problem in seiner aktuellen Karrierephase, das einzige Mal, dass ihm dies auf wirklich großer Bühne gelang. Bei den Grand Slams nämlich hat der Deutsche gegen die wirklich großen Gegnern bislang immer den Kürzeren gezogen.

          Von den Duellen mit Kontrahenten aus der Top-10 der Weltrangliste verlor er dort zehn von zehn. In Tokio hat Zverev seine Pflichtaufgaben souverän gelöst. Das tut er mittlerweile fast immer. Er bezwang den Lu Yen-Hsun aus Taiwan, den Kolumbianer Daniel Elahi Galan, Bassilaschwili und nun Chardy. Alle in zwei Sätzen. Im Doppel schied er mit Jan-Lennard Struff im Viertelfinale aus. Eine kleine Enttäuschung, aber womöglich auch ein Vorteil angesichts der weggefallenen Doppelbelastung. Denn heiß und damit anstrengend wird es auch gegen Djokovic wieder werden. Das wird es im Moment nämlich fast immer. Egal ob morgens, mittags oder abends.

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