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Sprinter Julian Reus : „Ich will wissen, wo meine Grenze ist“

Er ist Deutschlands Schnellster: Julian Reus. Bild: dpa

Julian Reus ist Deutschlands schnellster Sprinter. Im F.A.Z.-Interview spricht er über das perfekte Rennen, die Doping-Problematik und das Ansehen der Leichtathletik.

          Manche Athleten vergleichen ihre Körper mit Autos; dass sie etwa durch Training aus einem Käfer einen Porsche gemacht haben. Denken Sie auch so?

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Ich würde eher einen Vergleich mit Sportwagen oder Formel 1 passend finden. Man dreht an ein, zwei Stellschrauben, und das kann dazu führen, dass das Fahrzeug anfälliger wird, dass es nicht mehr über die volle Distanz hält. Das Auto wird besser oder schlechter. Ich habe nicht das Gefühl, dass man vom Fiat Punto zum Lamborghini aufsteigt. Aber die Arbeit an einer Hochleistungs-Maschine ist vergleichbar mit den kleinen Veränderungen, die in der Summe große Wirkung haben können.

          Sie drehen mal an dieser, mal an jeder Schraube?

          Man weiß nicht genau, was passiert. In der Formel 1 geben sie ein paar Millionen aus und stellen sich ein neues Auto hin, wenn das alte in die Leitplanke gekracht ist. Bei mir ist dann im Zweifel die Saison vorbei. Deswegen ist man ein bisschen vorsichtiger, wenn man an den Stellschrauben dreht.

          Haben Sie deshalb in Regensburg auf den Endlauf und in Zeulenroda auf den Vorlauf verzichtet? Schließlich sind Sie da 10,05 Sekunden gelaufen und dort 10,03, deutschen Rekord.

          Das war so geplant, weil ich auch die 200 Meter noch laufen wollte. Es ging darum, mich mit einer guten Zeit unter den Top 12 in Europa zu plazieren, damit ich bei der Europameisterschaft gesetzt bin und den Vorlauf am Mittwoch nicht laufen muss. Ich brauche auch über 200 Meter Praxis und Rennkompetenz. 200 plus 100 plus Staffel, das wäre zu viel an Umfang und an Geschwindigkeit gewesen.

          Das Verletzungsrisiko wächst mit der Erschöpfung?

          Gerade wenn man in der Woche danach den Trainingsprozess angeht. Die Erfahrung zeigt, dass vier Rennen an einem Tag eines zu viel sind.

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          Wenn man so einen Hochleistungskörper hat: Würden Sie nicht gern öfter mal den Motor aufheulen lassen auf der Bahn?

          Meiner Meinung nach lebt Sprinten ganz stark von der Emotionalität. Wenn man drei, vier Wettkämpfe auf höchstem Niveau hat innerhalb von zwei Wochen, wird es schwer, sich so auf die Läufe zu fokussieren, wie man das für eine gute Leistung sollte. Wenn man nicht zu hundert Prozent dabei ist, rennt man nicht 10,10 oder 10,15, sondern 10,25 Sekunden. Man kann sich nicht, wie in den technischen Disziplinen mit sechs Versuchen, in den Wettbewerb reinsteigern, sondern es muss von Anfang an alles zu hundert Prozent stimmen. Deshalb muss man zwischen den Wettkämpfen Luft ranlassen.

          Sie sind am Limit?

          Ich könnte mehr Wettkämpfe machen. Aber dann würde die mentale Erschöpfung zunehmen und die Leistung leiden. Darum dosiere ich meine Starts. In Rio muss die Emotionalität stimmen.

          Bei der Europameisterschaft sind Sie in den Halbfinals über 100 und über 200 Meter ausgeschieden. Brauchen Sie die Pause auch, um innerlich Abstand zu gewinnen?

          Das muss man differenziert sehen. Leistung und Rennen über 200 Meter waren eine Katastrophe. Wir glauben, dass das trainingsmethodische Gründe hat.

          Sie haben die falsche Schraube angezogen?

          Eher an der richtigen zu viel gedreht. Weil ich so fit war und mich so wohl gefühlt habe, seit der deutschen Meisterschaft und über Zeulenroda, dass ich im Training fast jeden Lauf auf einem sehr, sehr hohen Niveau bestritten habe. Ich bin bei der EM eine gute Kurve gelaufen, auf der Zielgeraden hatte ich keine Power mehr, gegenzuhalten.

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