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Springreiten : Aus nach dem ersten Umlauf

  • -Aktualisiert am

Hufe hoch: Bella Donna von Meredith Michaels-Beerbaum sammelt acht olympische Strafpunkte Bild: dapd

Das enttäuschende Ende einer irritierenden Pechsträhne: Die deutschen Springreiter sammeln im ersten Umlauf zwölf Strafpunkte und schaffen völlig überraschend nicht der Sprung unter die besten acht Nationen.

          Sie sind Welt- und Europameister. Wo auch immer sie antreten, sind sie Goldfavoriten. Aber in diesem Jahr ist Sand im Getriebe: Am Sonntag sind die deutschen Springreiter bereits in der ersten Runde des olympischen Nationenpreises mit acht Fehlerpunkten ausgeschieden. Zehnter Platz in der Zwischenwertung - und nur acht Mannschaften dürfen an diesem Montag um die Medaillen reiten. „Das ist sehr enttäuschend, da brauchen wir nicht lange drum herum zu reden“, sagte der um Fassung ringende Bundestrainer Otto Becker, der zum ersten Mal in seiner Amtszeit eine schwere Niederlage einstecken muss. „Wir hatten jahrelang einen Superlauf. Aber jetzt hat uns das Glück verlassen.“

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Es ist die Tücke des Nationenpreises, dass mittelprächtige Runden in der Summe zu einem fatalen Ergebnis führen können. Keiner aus dem deutschen Quartett kam fehlerfrei über den schweren Parcours, drei von ihnen leisteten sich jeweils einen Abwurf, nämlich Marcus Ehning (Borken) mit Plot Blue, Janne-Friederike Meyer (Schenefeld) mit Lambrasco und Christian Ahlmann (Marl) mit Codex One. Die Nachrückerin Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) mit Bella Donna gleich zwei. „Wir hätten eine Null-Fehler-Runde gebraucht“, sagte Becker, „aber das haben wir nicht geschafft.“

          In Führung liegt die Mannschaft aus Saudi-Arabien mit nur einem Fehlerpunkt für Zeitüberschreitung, vor den punktgleichen Mannschaften aus Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz und Schweden mit jeweils einem Hindernisfehler.

          Nimmt den Bus: Janne Friederike Meyer Bilderstrecke

          Marcus Ehnings Hengst Plot Blue hatte sich offenbar von der ungewöhnlichen Linienführung am Wasser irritieren lassen - daraus resultierte ein Abwurf an der Mauer. Janne-Friederike Meyer unterlief ihr Fehler bereits am zweiten Hindernis. „Wenn man schon so früh einen Fehler hat, und man hat noch den ganzen, schweren Parcours vor sich, dann muss man kämpfen“, sagte sie. Meredith Michaels-Beerbaum nahm ihre beiden Schnitzer auf ihre Kappe. „Ich habe eine falsche Entscheidung getroffen“, sagte sie. Ein Distanzproblem kostete sie und die erst neun Jahre alte Stute Bella Donna den ersten Fehler. „Danach ließ die Konzentration nach.“ Die Ausmaße der Hindernisse hätten ihrem Pferd nichts ausgemacht. „Aber ihr fehlt die Erfahrung.“

          Ahlmann darf nicht mal ins Einzelfinale

          Christian Ahlmann verließ wortlos die Arena. Er hatte bereits am Samstag im Qualifikationsspringen schwarze Momente erlebt. Mit 15 Fehlerpunkten in einem Springen, das eigentlich eher als Aufwärmrunde genutzt werden sollte, belegte er nur Platz 69 und gehörte damit zu den 15 unglücklichen Reitern, die nicht mehr am Einzelfinale am Mittwoch teilnehmen dürfen. Die anderen drei haben dann noch die Möglichkeit, sich zu entschädigen.

          Das bittere Ergebnis von London steht am Ende einer irritierenden Pechsträhne: Drei Viertel der Equipe, die vor einem Jahr in Madrid noch Europameister geworden war, fiel im Verlauf der Saison aus. Ludger Beerbaums Stute Gotha und Marco Kutschers Hengst wegen Formschwäche - der eine zog seinen Olympia-Anspruch von sich aus zurück, der andere wurde nach zwei missglückten Nationenpreis-Runden beim CHIO in Aachen ausgemustert. Carsten-Otto Nagels Stute Corradina muss wegen der langwierigen Folgen einer Zahnoperation geschont werden - der Reiter aus dem Norden war in den vergangenen Jahren auf Championaten stets der beste deutsche Teilnehmer gewesen. Und auch das Pferd von Philipp Weishaupt, des Ersatzmannes von Madrid, war ausgefallen: Monte Bellini erkrankte an einem rätselhaften Infekt. „Den Reitern kann ich keinen Vorwurf machen“, sagte Becker. „Sie und ihre Pferde waren gut in Form.“ Aber so viel Pech konnte selbst die deutsche Springreiter-Equipe nicht verkraften.

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