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Thomas Röhler im Interview : „Werfen in Perfektion ist Kunst“

Thomas Röhler: „Wichtig ist, dass alles zusammenkommt, auf den Tag und auf den Moment. Die Perfektion muss zum Tragen kommen, wenn es gilt.“ Bild: dpa

Thomas Röhler ist Favorit für das Speerwerfen an diesem Samstag. Ende Juni übertraf er zweimal 91 Meter – kein anderer war in diesem Jahr besser. Und auch im Streichholzwerfen macht ihm keiner etwas vor.

          Waren die 91,28 Meter beim Meeting in Turku der perfekte Wurf?

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Vom Resultat her war er wesentlich besser als andere Würfe. Aber mit dem Speerwerfen ist man nie fertig. Spätestens als ich das Video sah, hatte ich ein paar Ideen, was ich besser machen möchte. Aber man muss realistisch sehen, dass der weiteste Speerwurf nah dran war an der Perfektion.

          Sie meinen den zwanzig Jahre alten Weltrekord von Jan Zelezny, 98,48 Meter?

          Geworfen in Jena. Zelezny war nah am Optimum. Er hatte nicht nur die weitesten Würfe, sondern auch die höchste Konstanz, mehr als dreißig Würfe über neunzig Meter. Aber: Kopieren kann man das nicht. Jeder Körper ist anders.

          Speerwerfer verfügen über die Gabe, beinahe alles fliegen zu lassen. Als Kind warfen Sie Steine…

          Es gab immer die Begeisterung, weit zu werfen. Die Begeisterung wuchs und damit die Fähigkeit.


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          Was werfen Sie außer dem Speer?

          Bälle. Im Winter werfe ich extrem viele Bälle. Die leichtesten sind 500 Gramm, die schwersten drei Kilo schwer. Das ist unser Hallen-Training.

          Gehören Sie zu den Streichholz-Werfern?

          Streichhölzer werfen zu können ist bei Speerwerfern weit verbreitet. Sagen wir so: Das ist ein beliebtes Spiel.

          Wie gut sind Sie darin?

          Ich habe schon 32 Meter geworfen.

          In der Halle?

          Genau. Theoretisch müsste es draußen noch weiter gehen.

          Wie machen Sie das?

          Wenn man das Streichholz an der richtigen Stelle anpackt, an seinem Schwerpunkt, und wenn man Wurfgefühl hat, ist es möglich, es so weit zu werfen. Es fängt an zu fliegen wie ein Speer. Die Kunst ist, so wenig Kraft wie möglich einzusetzen beim Wurf. Man wirft es ähnlich wie einen Dart-Pfeil.

          Sind Sie mit 32 Metern im Streichholzwurf Jahresbester, so wie Sie es mit dem Speer sind?

          Das glaube ich nicht. Das ist ein reiner Trainings-Spaß. Ich weiß von einer Trainingsgruppe in Potsdam, dort soll weiter geworfen werden.

          Uwe Hohn, der Hundert-Meter-Werfer mit dem alten Speer, soll einen persönlichen Rekord von 34 Metern haben.

          Gut möglich. Erfahrung ist ganz wichtig. Deshalb können Trainer das oft besser als ihre Athleten. Eigentlich kann das jeder, der ein Gefühl für den Wurf hat.

          Sie haben in diesem Jahr ein Speerwurf-Meeting in Jena gegründet. Sind Sie so etwas wie ein Entwicklungshelfer des Werfens?

          Die Magie von so einem Wurfgerät spürt man nur, wenn man ganz dicht dabei ist. Viele, die bei uns zum ersten Mal Speerwerfen erlebten, haben die Faszination geteilt und verstanden, was die Magie ausmacht.

          Nämlich?

          Die Mischung aus Kraft, Dynamik, Präzision und Ästhetik.

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          Ist das Werfen eines Speeres von nur 800 Gramm Gewicht Kunst?

          Auf alle Fälle. Jede Sportart in Perfektion ist Kunst. Speerwurf ist nah an der darstellenden Kunst; jeder Wurf ist ein unterschiedlicher Ausdruck

          Können Sie sich, weil es nicht nur auf Kraft ankommt, als verhältnismäßig schmächtiger Athlet durchsetzen?

          Ich habe eine Menge technisches Verständnis. Ich habe die Fähigkeit, meine Geschwindigkeit und meine Explosivität durch eine gute Technik in die Energie umzusetzen, die ich brauche, um gut und stabil zu werfen.

          Ist Speerwurf etwas Metaphysisches?

          Nein, mit Übersinnlichem hat das nichts zu tun. Wichtig ist, dass alles zusammenkommt, auf den Tag und auf den Moment. Die Perfektion muss zum Tragen kommen, wenn es gilt.

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